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Bauern setzen auf Innovationen

Rektionen auf die Milchkrise Bauern setzen auf Innovationen

Die Bauern in Sachsen und Thüringen haben es schwer. Die Preise vor allem bei der Milch, aber auch bei Fleisch und Getreide sind kaum noch kostendeckend.Die Landwirte reagieren mit Innovationen auf diese Herausforderungen.

Geräucherter Schweineschinken häöngt in eienr Großfleischerei in Chemitz. Auch das russische Importverbot drückt die Preise.

Quelle: dpa

Leipzig. Thomas Rößner bleibt gelassen. Noch. Zwar war das vergangenen Geschäftsjahr, das am 30. Juni endete, „wirtschaftlich gesehen das schlechteste seit der Wiedervereinigung“, sagt das Vorstandsmitglied der Agrarprodukte Kitzen. Seine Genossenschaft könne solch schwierige Zeiten sicher das eine oder andere Mal überstehen. „Aber dauerhaft ist keine Landwirtschaft unter diesen Rahmenbedingungen möglich“, warnt er. „Die Branche befindet sich in einer der schwierigsten Phasen seit der Wende“, bestätigt Jens-Uwe Aulrich, der bei der Commerzbank Leipzig gemeinsam mit seinem Kollegen Dirk Wang landwirtschaftliche Betriebe in Ostdeutschland betreut.

Viele Gründe für die Krise

Die Gründe für die Krise sind vielschichtig. „Die Strukturen der Landwirtschaft befinden sich im Umbruch“, berichtet Aulrich von einem fortschreitenden Konzentrationsprozess. Aktuell wirkt sich der Preisverfall bei Milch, Fleisch und Getreide aus. Auch wenn der Milchpreis in den vergangenen Wochen von 20 auf 25 Cent je Kilogramm gestiegen ist, werden die Vollkosten, die nach Angaben von Rößner bei rund 32 Cent liegen, nicht erreicht. Die Kitzener produzieren täglich 20 000 Liter Milch, wovon nur etwa 600 Liter an den Milchautomaten mit deutlich höheren Erlösen direkt vermarktet werden. Zudem schlagen laut Rößner die in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Pachten auf das Ergebnis durch. Forciert worden sei das insbesondere durch die Ausschreibungen der bundeseigenen Bodenverwertungs- und Verwaltungsgesellschaft (BVVG). Dabei würde mittlerweile Pachtpreise erzielt, die beim gegenwärtigen Niveau der Getreideerlöse „nicht zu erwirtschaften sind“.

Gute Chancen für Ost-Betriebe

Dennoch hätten gerade die Landwirtschaftsbetriebe in Ostdeutschland „hervorragende Voraussetzungen, um den strukturellen Wandel zu gestalten und Vorreiter zu sein“, meint Wang. Schließlich sind sie zumeist deutlich größer als die West-Betriebe. Im Durchschnitt ist ein Unternehmen in Sachsen 134 Hektar groß, auf Bundesebene sind es 46 Hektar. Zudem seien sie innovativ, wie sich am Beispiel der Kitzener Genossenschaft mit ihren 80 Beschäftigten zeige. Zwei Milchautomaten hat sie bereits in Betrieb genommen, die Photovoltaik-Anlagen sollen mehr als verdoppelt werden, berichtet Rößner. Zudem befinde sich der Betrieb in der Planung einer Kleinmolkerei. Sie soll es möglich machen, eigene Produkte zu kreieren und regional anzubieten. Also Direktvermarktung als zusätzliches Standbein im Absatz. Ein weiteres Beispiel: Die Erzgebirgische Agrargenossenschaft Forchheim setzt verstärkt auf Biogas.

Weniger Kraftfutter

Auch die Thüringer Landwirte reagieren auf die Krise. Nach Angaben von Aribert Bach, Vizepräsident des Bauernverbandes, haben in den vergangenen anderthalb Jahren 38 landwirtschaftliche Betriebe die Zahl der Milchkühe zusammen um 5000 reduziert. In Thüringen gibt es derzeit 318 Milchbetriebe mit insgesamt 103 700 Kühen. „Damit gehen im Freistaat sowohl Arbeitsplätze als auch Wertschöpfung im ländliche Raum unwiederbringlich verloren,“ klagt Bach. Die Milchbauern haben dabei nicht nur die Tierbestände reduziert, sondern zudem weniger Kraftfutter eingesetzt. Auch das senkt die Produktion. Vermehrt haben sie in die Automatisierung investiert, etwa in vollautomatische Milchroboter und Melkkarusselle. Sie setzen, wie die Kitzener, zunehmend auf Direktvermarktung. In Thüringen gibt es derzeit neun Milchtankstellen. „Sie erfreuen sich beim Verbraucher großer Beliebtheit“, berichtet der Bauernverband. Aufgrund der verkauften Menge im Verhältnis zu den Verlusten durch die Preiskrise sei das für die Landwirte aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Finanziell gut aufgestellt

Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), sieht natürlich die angespannte Lage der Landwirte. Gleichwohl seien die grundsätzlichen Zukunftsaussichten nicht schlecht. So steige mittel- bis langfristig der Bedarf an Lebensmitteln und Agrarrohstoffen. „Die heimische Agrar- und Ernährungswirtschaft ist nach wie vor eine Schlüsselbranche für die deutsche Wirtschaft.“ Die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung betrage sechs Prozent.

Auch finanziell seien die meisten Betriebe gut aufgestellt. „Die Landwirtschaft ist nach wie vor im Vergleich zu anderen Branchen ein Wirtschaftsbereich mit guter Bonität“, sagt Rukwied. Mit knapp einer halben Million Euro Kapital je Erwerbstätigen (ohne Boden) gehöre die Landwirtschaft unverändert zu den kapitalintensivsten Branchen in der Bundesrepublik. Das Sachkapital sei zu 68 Prozent mit Eigenkapital finanziert.

Ein gewisser Optimismus herrscht auch bei der Commerzbank. Sie lege bei den Finanzierungsentscheidungen „ein hohes Augenmerk auf die langfristige Strategie und Zukunftsfähigkeit“, betont Aulrich. Außerdem nutzten die Kunden Preisabsicherungsinstrumente für Rohstoffe wie Weizen, Raps und Zucker. Das verschaffe Planungssicherheit.

Von Ulrich Milde

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