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Cyber-Raubzug in Leipzigs Auerbachs Keller: Hunderte Betroffene in drei Jahren

Cyber-Raubzug in Leipzigs Auerbachs Keller: Hunderte Betroffene in drei Jahren

Bei jedem fünften Gast macht sich Auerbachs Keller unbeliebt. Das ist Wirt Bernhard Rothenberger (55) keineswegs egal - aber er hält es für das kleinere Übel.

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Keine Kreditkarten mehr in Auerbachs Keller: Wirt Bernhard Rothenberger hat die Reißleine gezogen. Mehrere hundert Gäste seines Lokals sind seit 2011 unbemerkt Opfer von Datenklau geworden.

Quelle: André Kempner

Jeder fünfte von jährlich 350 000 Gästen zahlte bisher mit Kreditkarte. Genau das ist seit dem 1. Juli in Leipzigs bekanntestem Lokal nicht mehr möglich: Konsequenz nach einem Datenklau, der sich über drei Jahre hingezogen hat. Betroffen sind 464 Kreditkarteninhaber.

Es klingt wie ein Krimi. Für Bernhard Rothenberger ist es ein Albtraum: "Seit Monaten mache ich nur noch Behördenarbeit. Es macht keinen Spaß mehr. Vor allem wollte ich nie Spezialist für Bundesdatenschutzvorschriften werden." Einen dicken Ordner voller Papiere bringt er mit, um von dem Cyber-Raubzug zu berichten. Der lässt sich in Kurzform so erzählen: Hunderte Kreditkartennutzer schlugen zwischen Mai 2011 und März 2014 beim Anbieter Visa Alarm - sie bekamen Einkäufe abgebucht, die sie gar nicht getätigt hatten. Immer ging es um Shopping in New York. Visa erstattete den Betroffenen die Summen zurück, ließ aber gleichzeitig die Fälle näher untersuchen. Es stellte sich heraus: Alle Geschädigten waren vorher in Auerbachs Keller. Das Restaurant, eins der bekanntesten Lokale der Welt, erwies sich als gemeinsame Schnittstelle.

"Wir hatten ein Virus in unserem System", schüttelt der Wirt entsetzt den Kopf. Beim Durchziehen der Karte wurden die Daten geklaut, dann auf neue Plastikkarten aufgespielt und diese unter die Leute gebracht. Das Virus könnte durch Hacker eingeschleust worden sein. Oder es könnte jemand in einem unbeobachteten Moment einen USB-Stick in die Kasse gesteckt und das Schadprogramm in Sekundenschnelle aufgespielt haben.

Die Folgen für Auerbachs Keller: Anzeige bei der Polizei und beim sächsischen Datenschutzbeauftragten. Aus London holte Rothenberger einen IT-Forensiker heran, der den Fall umgehend untersuchte - denn in Deutschland waren keine Spezialisten verfügbar. Stundensatz des Experten: 280 Euro. Für 80 000 Euro musste Rothenberger die gesamte Hardware neu kaufen, 13 000 Euro Strafe brummte ihm außerdem die Kreditkarten-Abrechnungsfirma auf. Das heißt aber nicht, dass damit alles ausgestanden war: "Niemand kann mir garantieren, dass so etwas nicht wieder passiert. Deshalb musste ich eine Entscheidung treffen." Der Wirt hat sich entschieden, Kreditkarten nicht mehr zu akzeptieren. Statt dessen hat er Flyer drucken lassen, auf denen die nächsten Geldautomaten ausgewiesen sind. "Natürlich gibt das Ärger. Aber genauso wie unsere Gäste auf die Hygiene vertrauen, sollen sie auch auf die Datensicherheit vertrauen können."

Der IT-Spezialist aus London fand heraus, dass die Daten nach Rumänien, Russland, in die Ukraine und Weißrussland versendet wurden. Wohin sie von dort weitergingen, lasse sich nicht nachvollziehen. Laut Ricardo Schulz von der Staatsanwaltschaft Leipzig ist das Ermittlungsverfahren im Juni 2014 ergebnislos eingestellt worden, da sich keinerlei Hinweise auf die Identität der Täter ergeben hätten.

Es tröstet Rothenberger, dass im März 2015 auch in einem der luxuriösesten Hotels der Welt, dem Mandarin Oriental in Hongkong, das Kreditkartensystem gehackt wurde. In Leipzig sind laut Hotel- und Gaststättenverband Dehoga keine weiteren Fälle bekannt geworden. Dehoga-Geschäftsführer Holm Retsch (53) heißt Cyberkriminalität nicht gut, aber das Abschaffen der Krediktarten ist für ihn auch keine Lösung. "Zumal wir uns seit Jahren mit der Messe darum bemühen, die Kreditkartenakzeptanz in der Kongressstadt Leipzig zu erhöhen." Letztlich müssten die Kreditkartenanbieter alle technischen Möglichkeiten der Datensicherheit ausschöpfen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.07.2015
Kerstin Decker, Frank Döring

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