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"Der Bau exklusiver Sportwagen schließt Niedriglöhne aus"

Porsche-Betriebsrat "Der Bau exklusiver Sportwagen schließt Niedriglöhne aus"

Die IG Metall prangert am Donnerstag in einer bundesweiten Aktion den Missbrauch von Werkverträgen an. Porsche in Leipzig - da sind sich Konzern-Betriebsratschef Uwe Hück und Produktionsvorstand Oliver Blume einig - will bei seinen Dienstleistern faire Löhne durchsetzen.

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück (l.) und Produktionsvorstand Oliver Blume mit dem Macan, der in Leipzig gefertigt wird.

Quelle: PR

Leipzig. LVZ: Die IG Metall macht mobil gegen Werkverträge. Porsche setzt in Leipzig auf Werkverträge. Baut sich da nicht ein gewaltiger Konflikt auf?

Uwe Hück: Es wird Zeit, dass wir aufräumen. Das heißt aber nicht, dass wir gegen Werkverträge sind. Weder die IG Metall noch wir Betriebsräte von Porsche. Das Problem ist doch, dass gerade die neuen Bundesländer lange Zeit von Arbeitgebern als Versuchslabor dafür genutzt wurden, wie man Mitbestimmung aushebeln kann. Damit muss jetzt Schluss sein. Aber das passt auch nicht zu Porsche. Deshalb sagen wir: ehrliche Werkverträge. Das heißt: nur wenn die gesetzlichen, tariflichen und betrieblichen Bestimmungen eingehalten werden.

Oliver Blume: Wir sprechen hier eine Sprache. Der Einsatz von Werk- und Dienstverträgen ist als Teil der arbeitsteiligen Wirtschaft in Deutschland ein Element für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit. Werk- und Dienstverträge bringen den Unternehmen Flexibilität. Sie sind ein Baustein zur Steigerung der Produktivität und zum Erhalt von Profitabilität. Somit sichern wir Arbeitsplätze und halten Porsche auf Wachstumskurs.

Schadet es nicht dem Image der Marke, wenn von einem Niedriglohnbereich rund um die Automobilwerke die Rede ist?

Oliver Blume: Die typische Porsche-Qualität wird nur durch eine entsprechende Qualität unserer Dienstleister sichergestellt. Der Premiumanspruch geht also über die Fahrzeuge hinaus und gilt damit auch uneingeschränkt für die Standards bei Vergaben von Werk- und Dienstverträgen. Zu unserem Selbstverständnis gehört es sicherzustellen, dass die direkt bei Dienstleistern angestellten Mitarbeiter tarifvertraglich eingesetzt und vergütet werden.

Uwe Hück: Porsche darf keine Niedriglöhne zahlen. Darauf müssen wir achten. Jeder Mensch muss von seinem Lohn leben können. Ich habe mir die Zahlen einmal angeschaut. Es gibt in Leipzig noch drei Bereiche außerhalb der automobilen Kernbereiche, wo zwar die Tarifverträge der jeweiligen Branchen gelten, aber weniger als 10,50 Euro gezahlt werden. Das stellen wir ab. Noch dieses Jahr werden wir – Gesamtbetriebsrat und Vorstand – eine Vereinbarung abschließen, in der die genauen Bedingungen für Vergaben geregelt sind. Für uns ist wichtig, dass unsere Kollegen gute Arbeitsbedingungen haben. Dazu gehört auch ein Gehalt, von dem man leben kann und später nicht in Altersarmut gerät.

Bei BMW hat die IG Metall durchgesetzt, dass Aufträge nur an Firmen vergeben werden, die einen Tarifvertrag mit der Gewerkschaft haben. Sind Sie in Sorge, weil das die Metaller jetzt auch für Porsche fordern?

Uwe Hück: Was bei BMW durchgesetzt wurde, machen wir schon längst. Wir gehen sogar noch weiter und beschränken das nicht auf die produktionsnahe Logistik. Betriebsräte, Mitbestimmung und Tarifverträge sind Teil unserer Porsche-Kultur, das gilt dann auch für die von uns beauftragten Fremdfirmen. Egal aus welcher Branche sie kommen, alle zahlen mindestens 10,50 und brauchen einen Tarifvertrag. Wer keinen hat, muss einen abschließen, am besten mit der IG Metall. Ansonsten bleibt er draußen. Und wir wollen weitergehen und die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats in Leipzig stärken und auch dort eine sachbezogene Mitbestimmung bei der Vergabe von Werk- und Dienstleistungsverträgen einführen.

Oliver Blume: Wir haben in Leipzig bei der Leiharbeit das Prinzip des Equal Pay umgesetzt und mit den Leiharbeitsfirmen Vereinbarungen geschlossen, die eine Bezahlung der bei Porsche eingesetzten Beschäftigten auf Basis des bei Porsche gültigen Haustarifvertrags regeln. Dies bedeutet eine deutliche Verbesserung gegenüber bei Leiharbeitsfirmen gezahlten Tariflöhnen.

Das war nicht immer so…

Oliver Blume: Wenn es falsch läuft, muss man korrigieren. Wir haben nachgearbeitet und diese Punkte gerade gezogen. Vergaben müssen aus unternehmerischer Sicht Sinn machen. Das Prinzip gilt aber auch in die andere Richtung: Porsche setzt weltweit Maßstäbe für die Produktion exklusiver Sportwagen, dieser Anspruch schließt Niedriglöhne aus. In enger Abstimmung mit dem Betriebsrat achten wir daher auch bei Werkverträgen streng auf die Einhaltung von Tarifverträgen, die Sicherung des Mindestlohns und sozialer Absicherungsleistungen.

Was halten Sie von der Forderung, dass bei Dienstleistern im Umfeld von Porsche und BMW keiner mit einem Stundenlohn von unter 10,50 Euro nach Hause gehen darf?

Uwe Hück: Kein von Porsche beauftragtes Unternehmen darf seinen Beschäftigten heute noch Stundenlöhne unter 10,50 Euro bezahlen. Aber ich bin der Meinung, es kann auch mehr sein. Wir haben schließlich eine soziale Verantwortung gegenüber Mensch und Gesellschaft. Deshalb müssen wir Gewinne erwirtschaften, um das Soziale zu verteidigen.

Oliver Blume: Unsere gesellschaftliche Rolle nehmen wir als weltweit agierender Hersteller exklusiver Sportwagen sehr ernst. Beim Einsatz von Werk- und Dienstverträgen auf dem Werksgelände geht es uns darum, die für uns notwendige Flexibilität zu sichern und nicht darum, Menschen möglichst billig zu beschäftigen.

Bei Porsche in Leipzig hat sich die Zahl der festangestellten Mitarbeiter erhöht. Dennoch planen Sie weiter in großer Zahl mit Leiharbeitern. Oder steuern Sie um?

Uwe Hück: Das Werk in Leipzig hat ein enormes Wachstum hinter sich. Mit dem Macan haben wir den Standort zu einem Vollwerk ausgebaut. Deshalb haben wir seit 2012 auch über 1300 befristete Mitarbeiter und Leiharbeiternehmer fest übernommen. Wir haben jetzt über 3600 Beschäftigte als Stammbelegschaft, 2010 waren es gerade mal 500. Und wir prüfen gerade weiteres Insourcing. Der Betriebsrat wird sich – wie in der Vergangenheit – auch weiterhin für den Ausbau der Stammbelegschaft mit unbefristeten Arbeitsverträgen einsetzen.

Oliver Blume: In der Tat, Leiharbeitnehmer haben bei uns beste Chancen auf eine Übernahme. Zur Bewältigung des enormen Wachstums in der Aufbauphase wurde in Leipzig stark mit Arbeitnehmerüberlassung und Fremdvergaben gearbeitet, die auch ein wichtiges Recruitment-Instrument waren. Die Entwicklung in den vergangenen Monaten zeigt jedoch eindrucksvoll, dass wir längst anders aufgestellt sind. Um diesen Weg zu sichern, werden wir aber auch in Zukunft Leiharbeit und Werkverträge benötigen. Sonst nehmen wir uns die Luft zum Atmen.

Sie erwähnten weitere Insourcing-Maßnahmen. Gibt es konkrete Pläne?

Oliver Blume: Ganz grundsätzlich sollen Tätigkeiten entlang der automobilen Kernkompetenzen in der Fertigung und Logistik im Unternehmen bleiben und nicht fremdvergeben werden. Beispielweise erhöhen wir aktuell unsere Eigenleistung in der technischen Instandhaltung über alle Fertigungsbereiche.

Warum setzen Sie in Stuttgart weniger Leihkräfte ein?

Uwe Hück: In Zuffenhausen ist das historisch gewachsen. Hier produziert Porsche seit 1950. Hier gibt es zum Beispiel gar keine Leiharbeit. Die notwendige Flexibilität erreichen wir durch befristete Verträge und verschiedene Arbeitszeitmodelle. In der Entwicklung und in anderen Bereichen haben wir ein anderes Modell, dort gibt es Leiharbeiter. Das macht anders auch keinen Sinn. Das Modell aus der Produktion in Zuffenhausen möchten wir gerne auch perspektivisch zusammen mit den Betriebsräten auch in Leipzig umsetzen. Auch in Zuffenhausen haben wir in den letzten drei Jahren für mehr als 1700 befristet Beschäftigte unbefristete Verträge durchgesetzt.

Oliver Blume: In Summe bedeutet das für Porsche, dass seit 2012 mehr als 3000 Menschen in der Produktion eine Festanstellung bei Porsche erhielten, die zuvor befristet oder als Leiharbeitnehmer tätig gewesen sind. Dies unterstreicht die großen Chancen, die diese bedachte Vorgehensweise bietet.

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