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Der einsame Tresor vom Leipziger Leuschnerplatz

Währungsunion Der einsame Tresor vom Leipziger Leuschnerplatz

Vor 25 Jahren öffnet die Commerzbank zur Währungsunion im Osten rund 50 Pavillons. Klaus-Peter Müller, heute Aufsichtsratchef, hat in Leipzig wilde Zeiten erlebt.

Der Commerzbank-Container im Jahr 1990 auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz.

Quelle: privat

Leipzig. Statt eines Bank-Pavillons auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz fand Klaus-Peter Müller nur einen auf einer Betonplatte installierten mannshohen Tresor vor. Der spätere Vorstandschef der Commerzbank war fassungslos. „Die Monteure hatten den Tresor einfach aufgestellt. Es hatte sie überhaupt nicht gestört, dass der Pavillon noch gar nicht geliefert war, weil sich der Lkw in den Straßengraben gelegt hatte. Wenigstens war der Tresor leer.“

An solche Begebenheiten der Währungsunion erinnert sich der heutige Aufsichtsratsvorsitzende von Deutschlands zweitgrößter Bank gerne. Damals hat er als Leiter der „Zentralen Abteilung zur Vorbereitung des DDR-Geschäfts“ vom benachbarten Halle aus das Netz von später 50 Commerzbank-Pavillons aufgebaut, die im Grunde aufgehübschte Baucontainer waren. So wie in Leipzig. „Wir haben immer von Pavillons gesprochen.“

Wilde Zeiten habe er seinerzeit erlebt, so der Banker. Innerhalb weniger Monate musste man Filialen in allen größeren Städten der DDR aufbauen und dafür schnell mehr als 1000 Mitarbeiter finden. „Und nicht zu vergessen: Es flog noch keine Lufthansa nach Leipzig, es gab keine E-Mail, auch mit Telefon und Fax war es schwierig. Ich war im Osten unterwegs und beinahe ein bisschen verschollen. In Halle sind wir beispielsweise auf das Dach des damaligen Interhotels gestiegen, in der Hoffnung, dort oben besseren Empfang zu haben, um mit der Zentrale in Frankfurt zu sprechen.“

Der Tag der Währungsunion war ein Sonntag. Um 8 Uhr öffneten auch in den Commerzbank-Pavillons die Schalter. „Es war wirklich sehr emotional. Die Menschen waren glücklich, wenn sie die neuen Geldscheine in den Händen hielten“, sagt Müller. Auch er habe sich dem Moment nicht entziehen können. „Mir war klar: Das ist etwas Historisches, was hier passiert. Und ich bin Bestandteil des Ganzen.“ Der Andrang war groß, indes habe das Westgeld auch in Leipzig ausgereicht.

„Nur für Gera musste ich einmal Nachschub holen. Ich bin einfach dort in die Bundesbank marschiert und habe gesagt: Ich bin von der Commerzbank, und ich brauche eine Million Mark. Das Geld hat man mir tatsächlich nur gegen Vorlage meines Personalausweises und einer Visitenkarte ausgehändigt“, erzählt Müller. In einem bonbonfarbenen Trabant wurde dann die Million befördert. „Ich habe mich in dem Trabi sicherer gefühlt als in jedem Mercedes, weil ja niemand darauf gekommen wäre, dass wir in diesem Auto eine Million Mark dabei haben.“

Die Währungsunion begann auch in Leipzig vor allem mit Commerzbank-Mitarbeitern aus dem Westen. „Auf einer Filialleiter-Konferenz in Frankfurt habe ich um Unterstützung geworben, ja, gefleht: Gebt uns Personal! Der Leiter der Großfiliale London ist aufgestanden und hat gesagt: Ich habe noch drei Wochen Urlaub. Tatsächlich stand er am 1. Juli in Halle am Schalter, danach zwei Wochen in Leipzig.“

Später wurden immer mehr ostdeutsche Kollegen eingesetzt, die ab März 1990 im Westen geschult wurden. „Die ostdeutschen Mitarbeiter, die ja häufig aus der Versicherungsbranche oder dem kaufmännischen Bereich kamen, haben damals einen tollen Job gemacht. Mit welcher Wissbegier, mit welchem Fleiß sie sich in die neue Aufgabe gestürzt haben, das war beeindruckend“, so Müller.

Der Commerzbank Pavillon war indes keine Dauerlösung. Noch 1990 erwarb die Commerzbank auch das ehemalige Textilkaufhaus – zuletzt „Modehaus Topas“ – am Thomaskirchhof. 1994 wurde das Baudenkmal aufwendig restauriert. Heute ist die Commerzbank in Leipzig mit sieben Filialen vertreten.
Heute gibt es im Alten Rathaus unter dem Motto „25 Jahre deutsch-deutsche Währungsunion“ einen Festakt der Deutschen Bundesbank.

Dort sprechen neben dem ehemaligen Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), Bundesbankvorstand Carl-Ludwig Thiele sowie einige Zeitzeugen. Am 2. Juli hält Franz Josef Benedikt, Präsident der Hauptverwaltung Sachsen und Thüringen, einen Vortrag zum Thema. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im Bundesbank-Gebäude in der Straße des 18. Oktober 48 (Altes Messegelände). Der Eintritt ist kostenlos.

Wilhelm Leuscher Platz 51.334848 12.374248
Wilhelm Leuscher Platz
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Von Redakteur Michael Falgowski

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