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Discounter machen Bäckereien in Sachsen zu schaffen

Enormer Konkurrenzdruck Discounter machen Bäckereien in Sachsen zu schaffen

Für den Kauf von Brot und Brötchen gingen viele Kunden in den vergangenen Jahren in eine Bäckerei in ihrer Nähe. Heute bieten auch Backshops beim Discounter oder in der Tankstelle Backwaren an. Das macht den Handwerksbetrieben schwer zu schaffen.

In Sachsen gibt es immer weniger Handwerksbäckereien. Der Druck durch Discounter wächst.

Quelle: dpa

Dresden. Sachsens Bäcker stehen gewaltig unter Druck: Die Zahl der Bäckereien im Freistaat geht seit Jahren kontinuierlich zurück. Gibt es derzeit im Landesinnungsverband Saxonia des Bäckerhandwerks 723 Mitgliedsbetriebe, so waren es im Jahr 1989 mit etwa 1700 mehr als doppelt so viele. Das berichtete der Innungsverband auf Anfrage.

Vor allem die Angebote der Discounter bringen die Bäckereien in Bedrängnis, wie Innungsgeschäftsführerin Manuela Lohse sagte. „Die Leute nehmen beim Einkaufen Brot beim Discounter aus dem Regal und gehen dafür nicht noch einmal extra zum Bäcker“, beschrieb sie die Situation. Dabei würden die handwerklich geführten Fachbetriebe mit individueller, regionaler und im Idealfall ohne Zusatzstoffe produzierter Ware punkten. „Hinzu kommen guter Service sowie nette Verkäuferinnen, die Auskunft über die Ware geben können, die der Betrieb im Angebot hat“, sagte die Geschäftsführerin.

Lange Schlangen nur am Sonntag

Dennoch muss Lohse konstatieren, dass die Bäckereien nicht mehr als „Grundversorger“ wahrgenommen werden. „Die Kunden nehmen halt beim Einkauf beim Discounter auch Brot und Brötchen mit“, sagte sie. Dadurch brächen den Bäckereien in der Woche die Umsätze weg. Ganz anders dagegen das Bild an Sonntagen: Da bilden sich vor den Bäckereien zum Teil lange Schlangen, ist der Umsatz laut Lohse „wunderbar“.

Eine sarkastische Antwort auf das Problem der Konkurrenz durch Discounter hat Bäckermeister Stefan Richter aus Kubschütz gefunden. In einer „Bewerbung als Produktionshelfer“ an eine Discounter-Kette schrieb er: „Aufmerksam geworden bin ich auf Ihr Unternehmen durch Kundenäußerungen, dass „gutes Brot“ nun einmal nichts mit handwerklicher Expertise, einer aufwendigen Sauerteigführung und dem damit möglichen Verzicht auf Enzyme und weitere nicht-deklarationspflichtige Zusatzstoffe zu tun habe. Sondern einzig und allein an der Sortimentsbreite, an Labortests und am „guten“ Preis zu erkennen sei.“

Wachstum als Erfolgsrezept

Doch nicht immer gehen in den handwerklich geprägten Bäckereien die Lichter aus, zumal, wenn sie auf Wachstum setzen. Das Backhaus Hennig in Rüssen-Kleinstorkwitz südlich von Leipzig ist so ein Fall. Auf eine mehr als 100-jährige Tradition kann die Bäckerei verweisen, seit 1989 setzt das Unternehmen auf Wachstum. Mittlerweile betreibt der Familienbetrieb rund 70 Filialen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Über 500 Mitarbeiter werden beschäftigt. „Unser Ziel ist es, weiterhin erfolgreich am Markt bestehen zu können und unsere Kunden mit qualitativ hochwertigen und leckeren Backwaren zu verwöhnen“, verkündet Hennig auf der Internetseite des Unternehmens.

Dass es in den vergangenen Jahren einen Trend zur Filialisierung gegeben hat, hat auch die Innung beobachtet. „Wir gehen aber davon aus, dass es nach der Einführung des Mindestlohns nicht mehr so weiter gehen wird“, erklärte die Verbands-Geschäftsführerin. Die Personalkosten machten etwa 42 Prozent der Gesamtkostenstruktur aus. Im Vergleich dazu betragen die Personalkosten bei den großen Backstraßen, die die Teiglinge für die Discounter produzieren, lediglich sieben bis acht Prozent. „Grundsätzlich haben auch kleinere und mittlere Betriebsgrößen in der Zukunft ihre Daseinsberechtigung am Markt“, unterstreicht Lohse. Noch gehen also die Öfen in den sächsischen Backstuben nicht endgültig aus.

LVZ

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