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Ein Engel in der Welt der Männer - 26-Jährige arbeitet bei Porsche

Girls’Day stellte die Weichen Ein Engel in der Welt der Männer - 26-Jährige arbeitet bei Porsche

Von wegen Männer-Domäne: Die 26-jährige Juliane Engel startet bei Porsche durch. Ölverschmierte Hände sind für die junge Frau kein Problem. Inzwischen hat sie ein Maschinenbaustudium abgeshlossen.

Juliane Engel im Porsche-Werk.

Quelle: Kempner

Leipzig. Frauen und Technik – das passt nicht. Juliane Engel kennt das Vorurteil. Tatsächlich werde sie im Privaten ab und zu ungläubig auf ihren Beruf angesprochen: „Du schraubst echt Autos zusammen?“ Klar mache sie das. Und um die Klischees alle zu bedienen: Ölverschmierte Hände machen ihr überhaupt nichts aus, sie mag den Chrom und den Sound von Sportwagen, und als Kind hing an ihrer Wand ein Plakat von der Rallye-Legende Walter Röhrl. „Später kam noch eines vom Supersportwagen Carrera GT hinzu“, lacht die 26-Jährige. „Aber ansonsten sah es in meinem Zimmer so aus, wie es eben in Mädchen-Zimmern aussieht: alles in Rosa, überall Barbie-Puppen und Poster von Schauspielern.“

Lehre, Festanstellung – dann Kündigung

Jule, wie die junge Frau von ihren Kollegen genannt wird, arbeitet bei Porsche in der Motorenvormontage. Die Maschinenbau-Ingenieurin ist im Leipziger Werk für die Planung zuständig, also die Vorbereitung der jeweiligen Motoren, bevor sie eingebaut werden. Im Leipziger Werk werden insgesamt 20 unterschiedliche Aggregate für die Modellreihen Panamera, Cayenne und Macan angeliefert, zusammengebaut und komplettiert, erklärt die 26-Jährige. Die Antriebsstränge werden auf ein führerloses Transportsystem gehoben, das selbstständig auf einer vorgegebenen Strecke die einzelnen Stationen abfährt. „Hier wird das Getriebe angebaut, dort kommen Generator, Anlasser und Servopumpe hinzu“, erzählt sie. „Dort findet die Verlobung statt.“ Von der Verlobung sprechen Autobauer, wenn die komplettierte Einheit auf das Fahrgestell gesetzt wird. Bei der Hochzeit wird der Unterbau mit der Karosse verbunden. All die Abläufe und die Handgriffe an den Stationen müssen genau geplant sein, damit es nicht zu Staus und langen Pausen kommt. Zum Job der Planer gehört auch die Planung zum Anfertigen von Spezialwerkzeugen, die die Arbeit der Monteure erleichtern und Zeit sparen soll.

„Frauen und Technik – das passt“, meint Jules Kollege Ronny Raphelt. Der Dresdner arbeitet ebenfalls in der Motorenvormontage. Danach gefragt, ob Frauen einen anderen Ansatz bei der Problemlösung haben, zuckt er nur mit den Schultern. „Ehrlich gesagt, darüber haben wir uns hier noch keine Gedanken gemacht. Wir lösen Probleme – gemeinsam. Punkt.“ Sagt’s und beugt sich wieder über eine Reihe Skizzen.

 Juliane Engel im Gespräch mit Tom Dümchen in der Motorenmontage.

Juliane Engel im Gespräch mit Tom Dümchen in der Motorenmontage.

Quelle: Kempner

Woher ihre Liebe zur Technik kommt, weiß die junge Frau nicht genau. Der Opa hatte eine Holz-Werkstatt, wo sie nach Lust und Laune hämmern und sägen konnte. „Es roch nach Holz und Leim, wunderbar.“ Auch ihr Fahrrad reparierte sie selbst. Ihr Faible für schnelle Autos hatte sie schon vor dem Girls’Day in der Sekundarschule. Der Zukunftstag für Mädchen stellte aber die Weichen in ihrem Leben. Danach war nichts mehr so wie früher, lacht sie.

Die damals 13-Jährige nutzte das Schnupperangebot bei Porsche und informierte sich über die Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker. Ihr Vater habe sie dazu ermutigt. „Das war das Beste, was mir passieren konnte.“ Für einen Tag ging es raus aus dem Heimatstädtchen Nienburg bei Bernburg (Sachsen-Anhalt) und ab ins Leipziger Werk. „Ab da wollte ich Autos bauen.“ Es folgte das Fachabitur in Köthen mit Spezialisierung Metalltechnik. Drei Mal in der Woche Praktikum in der Autowerkstatt Frankys Sound-Garage. „War zwar mächtig kalt im Winter, aber hier habe ich viel gelernt.“

Für die Bewerbung zur Ausbildung zur KFZ-Mechatronikerin mit der Fachrichtung Kommunikationstechnik war das sicher nicht die schlechteste Konstellation. Sie erhielt einen der neun Ausbildungsplätze im Leipziger Werk. Die dreieinhalbjährige Lehre absolvierte sie ein halbes Jahr verkürzt und stand schon nach drei Jahren am Band. Festanstellung, eigenes Geld, eigene Wohnung in Leipzig. Fürs Happy End anscheinend noch zu früh. Denn die junge Frau kündigte, studierte sieben Semester an der Fachhochschule Magdeburg-Stendal Maschinenbau. Bewarb sich anschließend erneut bei mehreren Autobauern der Region, alle wollten die Ingenieurin. Sie wählte letztlich aber das Vertraute.

Nach dem Studium zurück nach Leipzig

Hört sich überaus glatt an? „Kommt mir auch so vor“, sagt sie nachdenklich. Dabei fiel ihr das Lernen nicht immer leicht. „Manchmal habe ich mich echt quälen müssen. Vor allem mit Mathe und Thermodynamik stand ich im vierten Semester lange auf Kriegsfuß. Ich war froh, als dieses Semester vorbei war.“

Dennoch könne sie nur jedes Mädchen ermutigen, technische Berufe nicht von vornherein abzuwählen. Leider sei das aber die Realität, wie sie erleben musste. Beim technischen Fachabitur in Köthen kamen auf 30 Jungen nur zwei Mädchen. Beim Ingenieursstudium in Magdeburg war das Verhältnis 100 zu fünf.

Ihre Eltern seien auf sie stolz wie Bolle. Auch die Schwester studiere. Einziger Nachteil: Für die Nachfolge der von den Eltern geführten Gaststätte fallen beide Töchter mit großer Wahrscheinlichkeit aus.

Andreas Dunte

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