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Entlassungswelle bei Unister: „Zeit harter Entscheidungen“

Jobabbau Entlassungswelle bei Unister: „Zeit harter Entscheidungen“

Der Internetriese Unister aus Leipzig trennt sich derzeit von rund 150 seiner 1500 Mitarbeiter. Die Entlassungswelle geht jedoch nicht geräuschlos über die Bühne. Betroffene fühlen sich zum Teil unfair behandelt. Unister selbst spricht von einer „Zeit harter Entscheidungen“.

Bei Unister in Leipzig sollen 150 Mitarbeiter gehen. Das Unternehmen selbst spricht von einer "Zeit harter Entscheidungen".

Quelle: André Kempner

Leipzig. Mit dem Slogan „Ab in den Urlaub“ wurde Unister bundesweit bekannt. Für Michaela T.* hat der Satz in den letzten Tagen einen faden Beigeschmack bekommen. Die Mittzwanzigerin, die ihren Namen nicht öffentlich nennen will, steht aktuell beim Internetunternehmen aus Leipzig auf einer Streichliste. T. und rund 150 ihrer Kollegen sollen das Unternehmen verlassen. Ein Großteil erhielt sogenannte Abwicklungsverträge – man könnte es auch Kündigungen nennen. Denn Unister will sparen.

Mitte Juli hatte der Betreiber von Reise-Portalen wie fluege.de und ab-in-den-urlub.de ein sogenanntes „Effizienzsteigerungsprogramm“ beschlossen und damit auch die Trennung von bis zu 150 der derzeit 1522 Mitarbeiter angekündigt. Ausgaben in Höhe von rund 30 Millionen Euro sollen durch „Unister 3.0“ pro Jahr wegfallen. Man wolle Doppelstrukturen abbauen und in wenig rentablen Bereichen kürzen, hieß es. „Nach vielen Jahren des rasanten Wachstums ist es an der Zeit, eine Bestandsaufnahme vorzunehmen“, begründete Geschäftsführer Matthias Steinberg.

Mitarbeiter von Kündigungen überrollt

Die Entlassungswelle treibt einzelne Mitarbeiter jedoch auf die Barrikaden. Betroffene wie Michaela T., die seit mehreren Jahren in der Reisesparte des Unternehmens arbeitete, fühlen sich zum Teil unfair behandelt. „Entgegen interner wie externer Kommunikation wurden viele Abteilungen der Unister Travel ausgedünnt. Im Vorfeld hieß es, der Bereich wäre nicht von Kündigungen betroffen“, beklagt sie. Teils sei den Mitarbeitern von Vorgesetzten versichert worden, dass ihre Posten sicher seien. Doch entgegen der Ankündigungen sollen die Mitarbeiter nun gehen.

Mit der Kritik konfrontiert, zeigt sich die Firmenzentrale im Barfußgässchen überrascht. „Wir haben sehr früh und transparent kommuniziert, das Ziel war immer ein fairer Umgang mit den Mitarbeitern“, so ein Unister-Sprecher gegenüber LVZ.de. Die Interpretation von „früh“ lässt sich an der Zeitspanne ablesen, in der die Betroffenen in Kenntnis gesetzt worden. „Die Mitarbeiter wurden vom 22. bis 24. Juli informiert, einige wenige auf Grund von Abwesenheit auch Anfang dieser Woche“, räumt der Sprecher ein. Bereits Ende August, nach Ablauf der gesetzlichen Kündigungsfrist, sollen die ersten ihren Arbeitsplatz räumen. „Grundsätzlich bieten wir sofortige Freistellung bei voller Lohnfortzahlung bis Ende der Kündigungsfrist plus eine Abfindung in marktüblicher Höhe“, heißt es.

Unister betont, dass die Entlassungen sozialverträglich und in enger Abstimmung mit dem Arbeitsamt vorgenommen worden seien. Dem widerspricht T., denn mit ihr seien vor allem langjährige Mitarbeiter aussortiert worden. Auf den Firmenfluren kursiert das Gerücht, das Unternehmen wolle sich von „Altlasten“ trennen. Besonders ärgert die betroffene Mitarbeiterin, dass parallel zu den Entlassungen offenbar rund 35 Stellen neu besetzt wurden. Darüber sei im Intranet informiert und der Beitrag kurz darauf wieder entfernt worden.

Fast alle Stellenausschreibungen gelöscht

Unister beschwichtigt: „Im Rahmen von Unister 3.0 haben circa 30 Mitarbeiter auf neue Stellen gewechselt“, teilt der Sprecher mit. Die normalerweise hunderte Job-Ausschreibungen seien „bis auf wenige Stellen“ gelöscht worden. Grundsätzlich werde weiter „im Travelbereich in strategisch wichtige Initiativen“ investiert und auch Personal ausgebaut. „Maßgabe ist allerdings bis auf Weiteres nur durch interne Wechsler“, heißt es.

Dass die Entlassungswelle auf die Stimmung im Unternehmen drückt, wird von offizieller Seite nicht einmal bestritten. „Dies ist eine Zeit, in der harte Entscheidungen gefällt und umgesetzt werden. Alle Mitarbeiter sind davon direkt oder indirekt betroffen“, so der Sprecher. Einzelne würden „verständlicherweise mit Zorn“ reagieren.

Fest steht bereits, dass der Sparkurs fortgesetzt werden soll. Mittelfristig ist laut Steinberg der Abbau weiterer 100 Stellen geplant. Von den einstmals rund 1800 Mitarbeitern soll die Zahl auf bis zu 1250 schrumpfen. Trotzdem sagt der Unister-Geschäftsführer: „Wir setzen unseren Wachstumskurs fort, konzentrieren uns dabei aber zunehmend auf die Bereiche, die besonders erfolgsversprechend sind.“ Michaela T. und dutzende ihrer Kollegen werden dann nicht mehr im Unternehmen sein.

* Name ist der Redaktion bekannt

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