Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Exportschlager aus Sachsen: Herrnhuts zackiger Botschafter

Unikate aus Papier Exportschlager aus Sachsen: Herrnhuts zackiger Botschafter

Die Geschichte des Herrnhuter Sterns reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Heute verschickt die sächsische Manufaktur mehr als 600.000 Unikate aus Papier und Kunststoff in die weite Welt.

Die Geschichte des Herrnhuter Sterns reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Heute verschickt die sächsische Manufaktur mehr als 600.000 Unikate aus Papier und Kunststoff in die weite Welt.

Quelle: dpa

Herrnhut . Yvonne Lehmann braucht eine große Portion Geduld und eine routinierte Hand. Mit Hilfe eines kleinen Messers falzt sie weiße Mini-Papierdreiecke zu Zacken - kaum einen kleinen Finger lang - und stapelt sie in einen Karton. «Später klebe ich den Stern zusammen. In einer Schicht schaffe ich ungefähr zwölf Stück», sagt sie und bugsiert den nächsten Zacken in die Ablage. Wieder und wieder muss die Mitarbeiterin der Herrnhuter Stern GmbH diesen Handgriff wiederholen. Seit über 160 Jahren werden die Herrnhuter Sterne aus Papier in Handarbeit gefertigt.

Yvonne Lehmann ist eine von fünf Sternenmacherinnen in der Schauwerkstatt in Herrnhut. An diesem Vormittag schaut eine Schulklasse ihnen staunend zu. Die nächsten Reisebusse sind schon angekündigt. Es herrscht Hochbetrieb im Unternehmen der Brüder-Unität. Neben dem weltbekannten Stern aus Papier gibt es längst auch Varianten aus Kunststoff. 600 000 Unikate werden in diesem Jahr vom östlichsten Teil Sachsens wieder in die Welt hinausschickt. «Derzeit verlassen unsere Produktion täglich 1000 Pakete an private Käufer genauso wie an Fachhändler deutschlandweit», sagt Marketingchefin Jacqueline Schröpel.

Trotzdem dürfen Yvonne Lehmann und ihre Kolleginnen nicht in Hast verfallen. Im Schein des Herrnhuter Sternenhimmels falten, falzen und kleben sie Ecken und Sterne. In der Saison kümmern sich insgesamt 130 Mitarbeiter um den Weihnachtsbotschafter mit 25 Zacken. Die erste Variante des Sterns von Bethlehem wurde Anfang des 19. Jahrhunderts in den Internatsstuben der Brüdergemeine gefaltet. Das Basteln sollte das räumliche Denken verbessern, vor allem aber den Kindern der Missionare die Trennung von ihrer Familie erleichtern.

Schließlich waren die Eltern oft fern der Heimat. Flüchtlinge aus Böhmen und Mähren, die sich auf den Reformator Jan Hus beriefen, gründeten zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Brüdergemeinde als neue christliche Glaubensgemeinschaft; auf dem Oberlausitzer Gut von Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf. Schon kurz nach ihrer Ansiedlung begannen sie, ihre Ideen auf andere Kontinente zu tragen. Dort funkeln bis heute Herrnhuter Sterne – im fernen Sibirien genauso wie in Südafrika, Australien, Neuseeland, Dubai und in der Karibik.

In der DDR ging der Exportschlager zu 90 Prozent für Devisen ins Ausland. «Und jeden 10. des Monats gab es einen Werksverkauf. Da stand dann eine Schlange über die Oderwitzer Straße», sagt Schröpel.

Diese Zeiten sind lange vorbei. 1991 wurde die GmbH gegründet. Seitdem scheint der schlichte Stern immer beliebter zu werden. Derzeit werde eine weitere Lager- und Produktionshalle errichtet, sagt Schröpel. Fertiggestellt werden soll das 1,7- Millionen-Euro-Projekt Anfang 2017.

Dieser Platz wird dringend benötigt. Verließen vor gut zehn Jahren jährlich 150 000 Sterne Herrnhut, sind es inzwischen mit 600 000 Stück vier Mal so viele. Die Produktion für Weihnachten des nächsten Jahres beginnt bereits im Januar schon wieder. 90 Prozent der Sterne bleiben bisher in Deutschland. Die Varianten in Weiß und Gelb sowie die rot-weiße Kombination sind am gefragtesten.

Eine der kuriosesten Bestellungen aus dem Ausland kam aus Grönland. Der Kunde bat, die Lieferung im September zu versenden. Danach versinke das Land im Schnee und Pakete würden nur noch vom Flugzeug abgeworfen und sofort im kalten Weiß verschwinden.

Von der Nachfrage profitiert auch Herrnhut mit seinen 3500 Einwohnern. Mehr als 60 000 Besucher machten in der Schauwerkstatt im Vorjahr einen Zwischenstopp. Sternetourismus nennt das Konrad Fischer. «Die meisten kommen gezielt, Viele wollen auch den Gottesacker und den Kirchsaal der Brüdergemeinde sehen. Die Herrnhuter Sterne sind die Hauptbotschafter unseres Ortes», sagt der Chef des Kultur- und Fremdenverkehrsamts.

Der Geschäftsführer der Herrnhuter Sterne GmbH, Oskar Scholz, schaut auch aus diesem Grund optimistisch in die Zukunft. «Wir konnten in diesem Jahr die Beziehungen ins Ausland, z.B. in die USA, verstärken. Der Aufbau von Standbeinen weltweit wird immer wichtiger», sagt er.

Für Yvonne Lehmann und ihre Kolleginnen dagegen macht es keinen Unterschied, wohin ihre kleinen Kunstwerke gehen. Die Papiersternmacherin faltet noch eine Ecke und greift dann zum Leim-Pinsel. Die wirkliche Filigranarbeit beginnt jetzt mit dem Zusammensetzen der Mini-Zacken zum bekannten Herrnhuter Stern.

LVZ

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wirtschaft
  • Jetzt einschalten!

    Begeistern Sie Ihre Kunden mit Ihren eigenen Angeboten & Informationen auf großen Bildschirmen – spielend einfach mit der LVZ Mediabox. mehr

  • Unsere Empfehlung

    Kein Display? Kein Problem! Von 22 bis 55 Zoll - mit unseren Mediabox-Komplettsystemen bieten wir Ihnen immer die individuell passende Lösung an. mehr

  • Top Preis

    Sie besitzen bereits einen Display? Mit der LVZ Mediabox steuern Sie ihre individuelle Sendeschleife bequem über das Internet. mehr

  • Sie bestimmen das Programm

    Individuell und aktuell: Ihre Informationen, Angebote und Aktionen sowie News der LVZ und von N24 auf der LVZ Mediabox mehr