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Finanzmakler wegen Millionenbetrugs an Unister in Leipzig vor Gericht

Prozessbeginn Finanzmakler wegen Millionenbetrugs an Unister in Leipzig vor Gericht

Der Betrug war von langer Hand vorbereitet und mit immer neuen Lügen gespickt. Am Ende sind zwei Gesellschafter der Leipziger Unister-Gruppe tot und das Unternehmen muss Insolvenz anmelden.

Prozessauftakt in Leipzig wegen Millionenbetrugs an Unister.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Seit Dienstag muss sich Wilfried Sch. vor dem Leipziger Landgericht für einen angeblichen Kredit an Unister verantworten, der von Anfang an als Schwindel geplant war. „Sie wollten sich bereichern“, sagte Staatsanwalt Dirk Reuter in seiner Anklage.

Der heute 69-jährige Finanzmakler aus Unna scheut die Öffentlichkeit. Vor Prozessbeginn versteckte er sein Gesicht hinter einem grünen Schnellhefter. Später, als die Fotografen den Raum verlassen haben, zeigt er sich den Beobachtern. Sch. spricht eifrig mit seinem Verteidiger aus Dortmund. Den Bürstenschnitt hat er mit Haargel in Form gebracht, er trägt ein Sakko, einen hellblauen Pullover und eine helle Jeans. An der linken Hand steckt ein Ring. Seit 28. Juli 2016 sitzt Sch. in Untersuchungshaft.

Verhandelt werden bis zunächst Ende März die Fälle um den Unisterbetrug und wegen eines weiteren Darlehens für eine Architektin aus Nordrhein-Westfalen.

Deal über Umwege

Der Kontakt zwischen Unister und Sch. kam über Umwege zu Stande. Reuter beschreibt es so: Der Leipziger Unternehmer Oliver B. empfahl im März 2016 Unisterchef Thomas Wagner den ehemaligen Banker Karsten K., um an frisches Geld zu kommen.

K. wiederum hatte engen Kontakt zum heute Angeklagten. Ein Treffen im Hotel Luisenhof in Hannover endete im Juni 2016 allerdings wenig hoffnungsvoll. Wagner hatte dorthin zwei Manager der Unternehmenstochter Capital One geschickt. Und die beiden Kaufleute winkten ab. Weil Sch. keine Referenzen für seine Geschäfte vorweisen wollte, rieten sie Wagner von einem Kreditgeschäft mit ihm ab.

K. klopfte Wagner aber mit E-Mails und Beteuerungen weich. Der Unistergesellschafter willigte schließlich ein. Er sollte für den schwankenden Internetriesen 15 Millionen Euro frisches Geld bekommen und im Gegenzug 1,5 Millionen Euro in bar für eine Kreditausfallversicherung überreichen. Der Handel erfolgte Mitte Juli in Venedig. Das Geld sollte der israelische Geschäftsmann Levy Vass stellen. Sch. will ihn seit 17 Jahren aus dem Diamantenhandel kennen und beschrieb ihn als zuverlässig.

Blüten im Geldkoffer

Wagner erfüllte seine Verpflichtung und erhielt im Gegenzug angeblich 4.000.000 Schweizer Franken in bar. Die restlichen 75 Prozent des Darlehens sollten auf ein Konto fließen. In Wahrheit befanden sich im Geldkoffer, den Wagner auf einem Hotelparkplatz erhielt, aber nur 20.000 Schweizer Franken. Beim Rest handelte es sich um Blüten, die allerdings so angeordnet waren, dass die Täuschung nicht auffiel. Um Zeit zu gewinnen, waren die Bündel mit einem Gummi verbunden und ließen sich nicht sofort anheben.

Sch. selbst war in Venedig nicht anwesend. Er entschuldigte sich wegen einer Krebserkrankung seines Sohnes. Nach dem Geldaustausch am Hotel Anthony Palace wollten sich Wagner und Vass an einer Bank in der Lagunenstadt treffen, um dort die restlichen Summen anzuweisen. Der Israeli tauchte dort nie auf und Wagner bemerkte schließlich den Schwindel. K. versuchte ihn noch hinzuhalten: „Ich kann mir nicht vorstellen, warum er heute so unzuverlässig ist“, sagte er. Staatsanwalt Reuter hat darauf heute eine Antwort und nennt es gemeinschaftlichen Betrug.

Von Matthias Roth

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