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Firma Sensape bringt Computern das Sehen und Verstehen bei

Leipziger Startups Firma Sensape bringt Computern das Sehen und Verstehen bei

Am Anfang steht immer eine visionäre Idee. Bis sie zur Marktreife entwickelt ist, braucht es einen langen Atem, durchgearbeitete Nächte und die ständige Suche nach Finanzierungsquellen. Die LVZ stellt Gründer vor, die mit ihrem Startup auf dem Weg zum „richtigen“ Unternehmen sind, heute: die Firma Sensape aus der Baumwollspinnerei.

Justus Nagel, Artur Lohrer und Matthias Freysoldt (von links) sind die Gründer von Sensape. Ihr Produkt ist eine digitaler Bildschirm, der mit dem Kunden „spricht“.

Quelle: Kempner

Leipzig. Wenn von „Erlebnisshopping“ die Rede ist, werden die Jungs von Sensape hellwach: Sie können zum Punkt „Erlebnis“ etwas beisteuern. Ihr Produkt sorgt für Verblüffung, lässt den Benutzer schmunzeln oder sogar lachen. Es entstand sogar genau deshalb, weil einer der Gründer die üblichen Schaufenster zu langweilig und uninteressant fand.

Man stelle sich vor: Im Schaufenster oder Verkaufsraum steht ein übergroßer Bildschirm. Darauf schaut ein sympathischer Typ in die Runde, nennen wir ihn Frank. Bleibt der Kunde zum Beispiel mit einem Turnschuh, den er sich gerade anschaut, vor dem Monitor stehen, passiert Unglaubliches: Frank nimmt auf dem Bildschirm exakt den gleichen Schuh in die Hand und verwickelt den Kunden in ein Gespräch darüber. Er weiß, ob er es mit einem Mann oder einer Frau zu tun hat und wie alt sein Gegenüber ist. Ist der Kunde nicht gut drauf, fragt Frank, was denn los ist und ob man einen anderen Termin vereinbaren möchte.

Der Trick hinter diesem offenbar intelligenten, aber dennoch virtuellen Berater ist die Technologie des „deep learnings“. „Wir bringen dem Computer das Sehen und Verstehen bei“, sagt Justus Nagel (25), der Mann für die Zahlen und fürs Marketing bei Sensape. Vereinfacht gesagt wird der Rechner vorher mit Unmengen von Bildern gefüttert – Männer und Frauen verschiedenen Alters, mit Brille und ohne, mit ganz verschiedenen Gesichtsausdrücken und Emotionen. Die Bilder befähigen den Computer zum Selbstlernen, das heißt er rechnet anhand der abgespeicherten Merkmale die Wahrscheinlichkeit durch, es mit Mann oder Frau, mit einem jungen oder alten Menschen zu tun zu haben. Wie das genau funktioniert, haben die Startup-Gründer Artur Lohrer (27) aus Hessen und Matthias Freysoldt (33) aus Thüringen bei ihrem Robotik-Studium an der TU München gelernt und bei Projekten zum Automatischen Fahren in der Autoindustrie vertieft. Den Algorithmus, der speziell für die Produktpräsentation zugeschnitten ist, haben sie dann selbst entwickelt.

Sehr gut funktioniert der „Zauberspiegel“ auch auf Messen. Bleiben die Besucher davor stehen, sehen sie sich selbst auf dem Bildschirm. Plötzlich erscheinen über ihren Köpfen lustige Sprechblasen mit Sätzen wie „Gibt’s hier auch Gummibärchen?“ oder einem Cocktailglas. Ist die Neugier geweckt, wird der Kunde auf ein konkretes Produkt aufmerksam gemacht – mit dem Hinweis, sich am Messestand ausführlich beraten zu lassen. Vorteil der personalisierten Werbung: Der Kunde wird nicht nach dem Prinzip „Viel hilft viel“ zugeschüttet, sondern eher nach dem Prinzip „Wenig hilft viel“ – weil es speziell für ihn gemacht ist. Witzig und unterhaltsam ist das Ganze außerdem, so dass man nicht wegläuft, sondern mehr sehen will.

Im Spinlab der Handelshochschule Leipzig (das von der Madsack-Mediengruppe gefördert wird, zu der die LVZ gehört) haben die Gründer ein halbjähriges intensives Coaching durchlaufen. Nach etwa einjähriger Entwicklungs- und Vorlaufzeit wurde die Firma Sensape erst im November 2015 gegründet. Seit November sind auch die ersten Geräte auf dem Markt. Eins steht in einem Baumarkt in Nordrhein-Westfalen, eins wird im März vom Flughafen München zur Internationalen Tourismusbörse (ITB) nach Berlin mitgenommen. In Zusammenarbeit mit einer großen Bank entsteht gerade ein virtueller Berater für Bankprodukte.

Für die kurze Zeit hat das Startup Sensape schon enorm viel erreicht: „Wir haben das Produkt entwickelt, auf den Markt gebracht und die ersten Kunden gewonnen. Und wir erhalten viel Zuspruch von jungen Leuten, die ganz begeistert davon sind, bei uns zu arbeiten“, fasst Justus Nagel den stürmischen Start zusammen.

Ab dem Spätsommer 2016 will Sensape sich selbst finanzieren – oder einen großen Investor gewinnen. 2017 soll die Zahl von 100 installierten Geräten geknackt sein. In Zukunft soll ein ganzheitliches System aufgebaut werden, mit dem zum Beispiel Kaufhausketten die Werbung auf allen Stelen an allen Standorten zentral steuern können.

Bisher sind rund knapp 200.000 Euro in das Leipziger Startup geflossen. Das Geld kommt aus Eigenmitteln, aus einem Exist-Stipendium, aus dem IKT-Gründerpreis des Bundeswirtschaftsministeriums und aus dem EU-Programm Finodex für Software-Startups. Aktuell arbeiten sechs Festangestellte und sechs Praktikanten bei Sensape.

Die Rückmeldungen potenzieller Kunden sind durchweg begeistert – sie reagieren auf das Produkt mit einem Schmunzeln oder sogar Lachen.

www.sensape.com

Von Kerstin Decker

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