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Für Frösche und Molche kommt der Umzugswagen

Umsiedlung von Amphibien Für Frösche und Molche kommt der Umzugswagen

Der Tagebau Profen frisst sich in die Landschaft, auch in den Lebensraum von Fröschen und Molchen. Damit die Tiere trotzdem weiter leben können, werden sie in einem aufwändigen Verfahren umgesiedelt.

Am Tagebau Profen werden Frösche und Molche umgesiedelt.

Quelle: dpa

Zeitz/Hohenmölsen. Dreimal setzt die metallene Baggerschaufel an, dann ist der bisherige Lebensraum von Tausenden Teichmolchen, Erdkröten oder Grasfröschen verschwunden. Darunter liegt Braunkohle, der Tagebau Profen rückt immer näher. Doch die streng geschützten Arten sollen leben. Das bedeutet - wie für viele Menschen im mitteldeutschen Revier - Umsiedlung. Und zwar über Ländergrenzen hinweg: Am Donnerstag sammelte die Mitteldeutsche Braunkohlegesellschaft (Mibrag) einen Teil der Tiere am Rande des Tagebaus in Sachsen-Anhalt ein und setzte sie im 25 Kilometer entfernten sächsischen Maltitz wieder aus. Die Aktion ist ein Baustein eines großangelegten und kostenintensiven Konzepts.

An dem kleinen Weiher haben bereits Generationen von Teichmolchen im Schwadengras ihre Eier abgelegt und sind am Schilf vorbeigeschwommen. Jedes Jahr kommen Hunderte der fingergroßen, schwarzgefleckten Tiere hierher, um für Nachwuchs zu sorgen. Doch nicht in diesem Jahr. Ein flaches, grasgrünes Netz rund um ihren Laichplatz versperrt den Weg.

Artenschutzkonzept erstellt

Wenn die Amphibien nach einem Durchgang suchen, „laufen sie in die Fangeimer“, sagt Annette Bellmann von der Ökostation Borna-Birkenhain. Die Tierschützerin kümmert sich mit zwei Kollegen für die Mibrag um die Umsiedlung. Neben ihr holt Martin Graichen zwei Teichmolche aus dem in die Erde eingegrabenen Gefäß. „Ein Männchen und ein Weibchen“, stellt der bärtige Naturschützer fest, während die beiden Schwanzlurche träge auf seiner flachen Hand liegen. „Kein Pärchen.“ Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Sie kommen in einen Eimer mit feuchtem Schwamm. „Damit sie sich wohlfühlen“, erklärt Bellmann.

Tausende Amphibien kommen aus den Wäldern und von den Feldern aus bis zu fünf Kilometern Entfernung zu diesem Gewässer. „Eineinhalb Jahre lang haben wir hier die Arten erfasst“, erklärt Peter Jolas, Leiter Umweltschutz und Geotechnik bei der Mibrag. Hintergrund ist eine 2010 in Kraft getretene Neuerung des Bundesnaturschutzgesetzes. Die Mibrag hat daraufhin ein Artenschutzkonzept erstellt, das auch die Schaffung neuer Lebensräume vorsieht. 750 000 Euro plane das Unternehmen allein in diesem Jahr dafür ein, so Jolas. Es würden Orchideen gepflanzt, Nistplätze für Vögel und Schlafplätze für Fledermäuse geschaffen - oder eben Ersatzbiotope für Amphibien gebaut.

Ausgebaggerte Löcher werden zu Laichgewässern

Zu einem dieser neuen Lebensräume geht die Fahrt vom kleinen Weiher an diesem Donnerstag. Vorbei an Großgrimma, ein Dorf, dass inzwischen bereits von den Menschen verlassen wurde. Vorbei am riesigen Loch des Tagebaus Profen, dass sich schwarzbraun bis zum Horizont erstreckt. Hin zum Dreiländereck von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, mitten hinein in eine sogenannte Bergbaufolgelandschaft.

In der Nähe von Maltitz wurde bis 2013 eine Pumpstation für ein naheliegendes Kraftwerk betrieben. Drei Sedimentbecken haben Bagger seitdem hier ausgebuddelt. Die Schaufel zerstört die alte Heimat, die Schaufel hat auch das neue Laichgewässer geschaffen. Noch liegen nur Geröll und tote Bäume um die erdbraunen Vertiefungen. Es sind Verstecke und Unterschlüpfe für die Laubfrösche, Erdkröten oder Teichmolche.

„Die Amphibien werden hier Grenzen überschreiten“

Am flachen Rand des Wasser tummeln sich Hunderte Kaulquappen. „Erdkröten haben wir hier bereits ausgesetzt“, sagt Bellmann. Ebenso wie viele weitere Amphibien, die die Naturschützer seit Mitte März am kleinen Weiher eingesammelt haben und noch holen werden. Graichen setzt die Teichmolche aus dem Eimer ins Wasser. Sofort schlängeln sie sich einen Meter weg vom Rand und unter den braunen Schlamm am Laichkraut.

„Die Amphibien werden hier Grenzen überschreiten“, sagt Bellmann. Zehn Metern entfernt beginnt Sachsen-Anhalt, in 30 Metern Thüringen. Auf diesen Wiesen sollen bald Wiesenmargerite, Kräuternelke und Glockenblume blühen. Die Regionalgruppe Südraum Leipzig des Naturschutzbundes hat die Fläche gepachtet. Sie will mit der Mibrag dafür sorgen, dass es hier eines Tages so belebt ist wie an dem kleinem Weiher.

LVZ

Hohenmölsen 51.156379 12.099851
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