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Geht Amazon von Leipzig nach Polen? Gewerkschaft Verdi sieht „Angstmache“

Geht Amazon von Leipzig nach Polen? Gewerkschaft Verdi sieht „Angstmache“

Packt der Internet-Versandhändler Amazon in Leipzig ein? Werden die 2100 Jobs nach Polen und Tschechien verlegt? Hat die Gewerkschaft Verdi mit ihren wiederholten Streiks diese Entwicklung verschuldet? Fragen, die von der polnischen Wirtschaftszeitung „Puls Biznesu“ aufgeworfen und gleich beantwortet werden.

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Packt der Internet-Versandhändler Amazon in Leipzig ein?

Quelle: Henning Kaiser

Leipzig. Und zwar so: Der E-Commerce-Riese wolle in Polen und der Tschechischen Republik insgesamt fünf Logistikzentren errichten und zusammen 6000 Arbeitsplätze schaffen – und das soll zulasten der streikgeplagten deutschen Standorte mit ihren insgesamt 9000 Jobs gehen. Die Behörde für regionale Entwicklung in Breslau, einem der Orte, in denen Amazon aktiv werden wolle, habe gegenüber der Zeitung Gespräche mit Amazon bestätigt. Das erste Zentrum solle bereits im kommenden Jahr den Betrieb aufnehmen.

Geht es nach der in München ansässigen Deutschland-Zentrale des US-Online-Giganten, dann ist das alles Unsinn. „Amazon hat keine Ankündigung bezüglich der Expansionspläne für sein künftiges Wachstum gemacht“, sagte Firmensprecher Stefan Rupp am Dienstag gegenüber der LVZ. Und setzte noch eins drauf: „Es gibt keinerlei Pläne, einen der bestehenden Logistik-Standorte in Europa zu schließen.“ Also: Die Logistikzentren in Leipzig, Bad Hersfeld, Koblenz, Graben (bei Augsburg), Pforzheim, Rheinberg und Werne bleiben, glaubt man den Aussagen des Sprechers.

Wofür es auch gute Argumente gibt. In Leipzig beispielsweise läuft der Mietvertrag für das vor sieben Jahren eröffnete Zentrum noch weitere vier Jahre. Es gab auch Fördermittel, die im Falle eines vorzeitigen Rückzuges zurückzuzahlen wären. Außerdem will Amazon in diesem Monat in Brieselang bei Berlin ein weiteres Logistikzentrum eröffnen. Langfristig sollen dort 1000 Mitarbeiter einen festen Arbeitsplatz erhalten. Der deutsche Markt ist einer der wichtigsten für die Amerikaner – da macht ein Weggang wenig Sinn. Erst recht, da einer der Wettbewerbsvorteile von Amazon darin besteht, einen Großteil der bestellten Waren schon am nächsten Tag auszuliefern. Nähe zum Markt ist da nützlich.

Amazon-Chef ist mehrfacher Milliardär

Amazon, 1994 von Jeff Bezos gegründet, ist der weltweit größte Online-Händler und auf permanentem Wachstumskurs. Deshalb halten es Experten für wahrscheinlich, dass der Konzern auch im Osten Europas zulegen will und an Standorte denkt. Der 49-jährige Bezos besitzt nach Schätzungen des Finanzdienstleisters Bloomberg aktuell ein Vermögen von 28,2 Milliarden US-Dollar, das vor allem in Amazon steckt. Damit landet er in der Rangliste der Superreichen auf Platz 15.

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Jeff Bezos ist der Chef des weltgrößten Online-Händler Amazon.

Quelle: Justin Lane

Vor wenigen Wochen machte Bezos Schlagzeilen, als er die renommierte Zeitung „Washington Post“ kaufte. Bekannt ist, dass der Unternehmer, wie viele andere US-Manager, nicht viel mit deutschen Gewerkschaften und Mitbestimmungsrechten anfangen kann. Deshalb weigert sich Amazon, mit der Gewerkschaft Verdi einen Tarifvertrag abzuschließen. Wiederholt gingen Beschäftigte, auch in Leipzig, auf die Straße. Amazon zahlt hier einen Mindeststundenlohn von 9,55 Euro und jetzt auch Weihnachtsgeld. Der Gewerkschaft reicht das nicht. „Wir werden nicht zulassen, dass die Nummer eins unter den Versandhändlern sich an üblichen Tarifstandards vorbeimogelt“, sagt dazu der Leipziger Verdi-Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago.

Die Gewerkschaft reagierte deshalb auf die Verlagerungs-Gerüchte mit einer Mischung aus Gelassenheit und Verärgerung. Als „durchsichtiges Manöver“ tat Ines Kuche, Geschäftsführerin von Verdi Leipzig, die Spekulationen ab. Ein Abwandern sehe sie nicht. „Amazon expandiert in großem Stil, auch in Deutschland“, glaubt auch Stefanie Nutzenberger, für den Handel zuständiges Verdi-Bundesvorstandsmitglied, nicht an einen Wegzug. Es gehöre „zu den Klassikern der Angstmache, um Beschäftigte einzuschüchtern, damit sie ihre berechtigten Ansprüche nicht geltend machen“, sagte sie und deutete an, dass Amazon die Gerüchte selbst gestreut haben könnte. „Eine üble Sache“, betonte Kuche. Nur Tarifverträge, so Nutzenberger, „bieten den Beschäftigten, nicht nur bei Amazon, den nötigen Schutz ihrer Arbeits- und Entlohnungsbedingungen“. Und was Polen angeht, da werde Verdi „noch in dieser Woche“ Gespräche mit der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc führen. Der gewerkschaftliche Gegenwind für Amazon bleibt also.

Ulrich Milde

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