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Handwerkskammer: "Fühlen uns von der Politik im Stich gelassen" – CDU reagiert

Handwerksmesse Handwerkskammer: "Fühlen uns von der Politik im Stich gelassen" – CDU reagiert

Während die Besucher mit großem Interesse die zahlreichen Stände auf der Mitteldeutschen Handwerksmesse in Augenschein nehmen, ist die Handwerkskammer zu Leipzig (HWK) stinksauer, weil sich bislang keine Vertreter der Stadtverwaltung blicken lassen. Am Dienstag reagierte die CDU auf die Kritik.

Zahntechniker Max Klose arbeitet an einer Unterkiefer-Vollprotese am Stand der Handwerkskammer Leipzig in Halle 5.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig. In Halle 5 drängeln sich die Gäste – sie schauen, lassen sich beraten, probieren aus. Seit Sonnabend läuft hier die Mitteldeutsche Handwerksmesse, parallel dazu die Haus-Garten-Freizeit-Schau. Am ersten Wochenende lockte das Messe-Doppel 45 000 Besucher an. Auch am sonst messemüden Montag reißt der Strom nicht ab. Die Aussteller zeigen sich zufrieden mit dem Auftakt. „Es sieht sehr gut aus bisher“, sagt Werner Thielemann, Fachmann für automatische Tür- und Toranlagen aus Leipzig. Er ist zum zweiten Mal mit einem Stand auf der Handwerksmesse vertreten. „Wir sind noch besser als im letzten Jahr gestartet“, meint er.

Handwerkskammer Leipzig kritisiert Politiker

Neben der Vorstellung von Neuigkeiten und Dienstleistungen steht in diesem Jahr vor allem die Werbung des Handwerker-Nachwuchs im Mittelpunkt. Um jungen Menschen die Attraktivität der Branche näher zu bringen, ist die Handwerkskammer Leipzig mit einem exklusiven Stand vertreten, an dem Arbeiten verschiedenster Gewerke beobachtet und zum Teil selbst ausprobiert werden können. Hier herrscht ganztags Hochbetrieb. Um die jungen Azubis, die ihre Ausbildungsberufe vorstellen, scharen sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Trotzdem ist Claus Gröhn, Präsident der Leipziger Handwerkskammer, unzufrieden. „Bei der Eröffnungsfeier am Sonnabend waren keine Vertreter der Politik vor Ort. Weder vom Land, noch von der Stadt. Das kann einfach nicht sein“, ärgert er sich. Das Handwerk stehe vor einer enormen Herausforderung: Ein Drittel der Fachkräfte ist im Rentenalter. Viele würden trotzdem weiter arbeiten, weil die Nachfolger fehlten. Der Mangel müsse kompensiert werden. Seit Jahren kämpfen Betriebe und Handwerkskammern im gesamten Bundesgebiet für eine Auffrischung des Images handwerklicher Berufe. Aber das scheint bei der Stadt Leipzig keinen Widerhall zu finden. Der Kammerpräsident spricht Klartext: „Wir fühlen uns von der Politik im Stich gelassen. Sie zeigt einfach null Interesse an dem, was wir hier machen“, sagt Gröhn.

Er meine dabei nicht nur die Ignoranz während der Messe. Immerhin seien im vorigen Jahr 73,9 Millionen Euro aus dem Stadthaushalt in die wirtschaftliche Jugendhilfe geflossen. Durch intensivere Kooperation mit den Kammern könnte einiges gespart werden. Denn, so Gröhn: „Im Handwerk hat jeder eine Chance. Auch ohne Abitur. Die Jugendlichen unterzubringen ist eine gesellschaftliche Gesamtaufgabe. Wir Handwerker schaffen Arbeitsplätze, da muss die Politik präsent sein.“ Seine Kritik richtet sich insbesondere an das Leipziger Dezernat für Wirtschaft und Arbeit, für das Bürgermeister Uwe Albrecht (CDU) verantwortlich ist. Eine Anfrage der LVZ zu dieser Kritik blieb bislang unbeantwortet. „Ich erwarte von unseren Vertretern im Rathaus Präsenz“, kritisierte auch Volker Lux, Hauptgeschäftsführer der HWK. Es gehe hierbei nicht nur um die Messe, sondern auch um andere wichtige Veranstaltungen, auf denen man insbesondere Vertreter des Dezernats für Wirtschaft und Arbeit regelmäßig vermisse.

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Auf der Mitteldeutschen Handwerksmesse geht es in diesem Jahr nicht nur darum, Produkte und Dienstleistungen vorzustellen. Im Mittelpunkt steht die Werbung von Nachwuchs. Dafür stellen sich verschiedene Gewerke vor und laden vielerorts zum Ausprobieren ein.

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Die Erfolgschancen im Handwerk sind groß

In der Halle 5 stört sich kaum jemand an der mangelnden Unterstützung seitens der Stadt. Eine Gruppe Jugendlicher lässt sich am Stand der HWK von Max Klose erklären, was ein Zahntechniker tut. Der 24-Jährige hat seine Ausbildung bereits abgeschlossen und erklärt: „Ich liebe die Vielfältigkeit in meinem Beruf. Ich mache quasi aus Pampe Gold.“ Vor den Augen seiner Zuschauer modelliert er Zahnersatz, erklärt die Unterschiede der Materialien. Wenige Meter weiter sitzt Max Lindner breitbeinig auf einer Bank und hilft interessierten Kindern dabei, aus unförmigen Schieferplatten Herzen und Kleeblätter zu formen. Der 18-jährige Dachdeckerlehrling ist schon zum zweiten Mal bei der Handwerksmesse dabei. Er ist ein Vorzeigebeispiel für das Fruchten der Bemühungen der HWK. „Ich hab zu Schulzeiten bei einem Schnupperkurs von der Handwerkskammer mitgemacht. Danach wollte ich eigentlich Maurer werden. Während eines Praktikums wurde ich dann zufällig bei den Dachdeckern eingeteilt. Das war mein Glück, das macht mir wirklich Spaß. Nach dem Praktikum hat mein Chef mir direkt eine Lehrstelle angeboten“, erzählt er stolz.

Sieger des „Innovationspreis Handwerk 2016“

Ehre für die Besten: Auf der Mitteldeutschen Handwerksmesse in Leipzig wurde am Montag der „Innovationspreis Handwerk 2016“ verliehen. Der erste Preis ging an den Onlineshop „Myonso - Meine online Sohlen“ aus Leipzig, bei dem Kunden individuell angepasste Schuhsohlen im Internet bestellen können. Zweiter wurde die Tischlerei Rainer Böhme aus Sangerhausen – für ein spezielles Verfahren, das das Reißen von scheibenförmigem Hirnholz im Trocknungsprozess verhindert und dadurch Holzscheiben in naturgemäß gewachsener Form bereitstellt. Der dritte Platz geht in die Lutherstadt Wittenberg. Die Firma Spezialboote wird für ein Rettungsboot geehrt, das nicht nur im Wasser, sondern auch auf dünnem oder gebrochenem Eis fahren kann.

Im Handwerk wäre die Chance für derartige Erfolgserlebnisse groß, sagt HWK-Geschäftsführer Lux. „Man kann hier mit 20 Jahren schon selbstständig sein und gutes Geld verdienen. Wer trotzdem noch studieren will, kann das ohne Probleme nach dem Meister machen. Das wissen viele nur leider nicht.“ Ein großes Problem sei, dass viele denken würden, Abitur und anschließendes Studium seien der einzige Weg zum Erfolg. „Nicht jeder ist ein Ass in der Schule. Trotzdem kann er mit einen Händen etwas tolles schaffen und erfolgreich sein“, plädiert Lux für eine Ausbildung im Handwerk.

Von Nathalie Helene Rippich

UPDATE: Die CDU Sachsen hat am Dienstagnachmittag auf unsere Berichterstattung reagiert und Fotos auf Twitter veröffentlicht, die mehrere CDU-Politiker, darunter Hermann Winkler (Europaparlamentarier) und Holger Gasse (Landtagsmitglied), im Gespräch mit Ausstellern auf der Handwerksmesse zeigen.

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