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Heidelberger Druck: Schweizer geben Leipzig einen Korb - IG Metall: "Das ist Marktbereinigung"

Heidelberger Druck: Schweizer geben Leipzig einen Korb - IG Metall: "Das ist Marktbereinigung"

Neuer Tiefschlag für die 250 Mitarbeiter im Leipziger Werk von Heidelberger Druckmaschinen: Zwei Tage nach der Ankündigung der Konzernleitung, den Standort zu schließen, kam nun auch eine Absage aus der Schweiz: Der dortige Konkurrent Müller Martini, der sich in einem Deal mit der Konzernleitung die Rechte an allen Leipziger Produkten gesichert hat, zeigt keinerlei Interesse, auch nur einen Job in Leipzig zu erhalten.

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Betriebsversammlung bei Heidelberger Druck in Leipzig

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. "Müller Martini wird die Produktion der Heidelberger Sammelhefter- und Klebebinderlinien nicht fortführen", sagte Jutta Thellmann, Vize-Marketing-Chefin der Schweizer, gegenüber der LVZ. Denn beide Produkte habe Müller Martini schon selbst im Sortiment. "Wir werden unsere eigenen Klebebinder und Sammelhefter weiter produzieren - nicht die aus Leipzig." Am Standort habe man daher kein Interesse: "Eine Übernahme des bisherigen Produktionsstandortes in Leipzig ist daher keine Option."

Nur das als lukrativ geltende Service- und Ersatzteilgeschäft für alle bisher in Leipzig gebauten Geräte wollen die Schweizer fortführen. Hoffnungen, zumindest einige Mitarbeiter aus dem vor der Schließung stehenden Werk könnten hier unterkommen, wurden aber sogleich begraben. "Wir haben eigene Service-Mitarbeiter, die wir jetzt schulen werden. Es ist nicht geplant, Mitarbeiter aus Leipzig zu übernehmen." Bei der Verkündung der Schließungspläne am Mittwoch hatte es noch geheißen, dass vielleicht 25 bis 30 Service-Mitarbeiter mit zu Müller Martini wechseln könnten. Dem erteilten die Schweizer nun eine Absage.

"Für mich ist das reine Marktbereinigung", schimpfte Hein Volkmer von der IG Metall. Schließlich, so Betriebsratschef Marco Kranz, komme das aus Brehmer Buchbindemaschinen hervorgegangene Werk in Leipzig, das jetzt als Heidelberger Postpress Deutschland firmiert, auf zehn Prozent Marktanteil. "Und den hat Müller Martini jetzt günstig aufgekauft." Branchenkenner schätzen den Kaufpreis auf rund zehn Millionen Euro. Nach Angaben von Spartenchef Frank Schaum ist der Vertrag mit den Schweizern auch schon unterschrieben. Die IG Metall will die Umsetzung nun aber noch stoppen. Denn zusammen mit dem Betriebsrat arbeitet die Gewerkschaft weiter an ihrem Gegenkonzept, das einen Weiterbetrieb des Standortes unter einem neuen Investor vorsieht. Nach dem Verkauf der Patente an die Konkurrenz würden die Leipziger aber ohne eigenes Produkt dastehen. "Das macht es nicht leichter." Das Ende müsse das aber nicht sein, sagen Branchenkenner. Den Experten in Leipzig wird durchaus zugetraut, wieder neue Produkte zu entwickeln.

Heidelberger hatte am Mittwoch verkündet, sich aus dem Geschäft mit Sammelheftern und Klebebindern, die in Leipzig entstehen, zurückzuziehen - und das Werk zu schließen. Gleichzeitig wurde verkündet, dass das Service-Geschäft und alle Patente an Müller Martini verkauft wurden. Ende des Jahres soll mit der Produktion in Leipzig dann Schluss sein.

Als der Name der Schweizer fiel, waren viele Mitarbeiter entsetzt. "Ausgerechnet Müller Martini", schimpfte ein Mitarbeiter auf der Betriebsversammlung. "Jahrelang haben wir versucht, denen die Weltmarktführerschaft abzuringen. Und jetzt bekommen sie unsere Filetstücke. Und das nur, um die Produk- tion einzustellen." Eine Fortführung der Produktion unter Regie der Schweizer wäre für viele dagegen durchaus eine Alternative gewesen. "Das wäre sicher ein denkbarer Weg gewesen."

IG Metall und Betriebsrat wollen nun weiter an ihrem Alternativkonzept arbeiten. Zugleich plant die Gewerkschaft Aktionen, um die Konzernleitung in Heidelberg noch umzustimmen. "Bei Siemens hat das auch geklappt, einen bereits gefassten Beschluss wieder rückgängig zu machen", sagte IG-Metall-Mann Volkmer. Anfang letzten Jahres hatte Siemens angekündigt, das Werk in Böhlitz-Ehrenberg zu schließen - und die Produktion nach Portugal zu verlagern. Auch hier gingen Betriebsrat und Gewerkschaft auf die Barrikaden und legten ein Alternativkonzept vor. Das wurde am Ende auch umgesetzt. Der Standort blieb abgespeckt erhalten, statt 325 fielen nur 144 Stellen weg.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.08.2014
Frank Johannsen

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