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Hunderttausende Fachkräfte fehlen in Mitteldeutschland

Engpass bei Arbeitskräften Hunderttausende Fachkräfte fehlen in Mitteldeutschland

In Mitteldeutschland werden die Fachkräfte knapp. Nach Berechnungen des von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Leipzig aufgelegten Fachkräftemonitors fehlen bis zum Jahr 2022 im Freistaat 129 000 qualifizierte Arbeitnehmer. In Thüringen müssen in den nächsten zehn Jahren 200 000 Fachkräfte ersetzt werden, in Sachsen-Anhalt 80 000.

Eine Pflegehausbewohnerin und eine Helferin. In diesem Beruf gibt es Engpässe.

Quelle: dpa

Chemnitz/Halle/Leipzig. In Mitteldeutschland werden die Fachkräfte knapp. Nach Berechnungen des von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Leipzig aufgelegten Fachkräftemonitors fehlen bis zum Jahr 2022 im Freistaat 129 000 qualifizierte Arbeitnehmer. In Thüringen müssen in den nächsten zehn Jahren 200 000 Fachkräfte ersetzt werden, in Sachsen-Anhalt nach Einschätzung der Arbeitsagentur 80 000.

„In den kommenden Jahren werden mehr Menschen aus dem Erwerbsleben in Rente übergehen als Junge nachrücken“, sagt Klaus Schuberth, Chef der Regionaldirektion Sachsen der Arbeitsagentur. „Damit steigen die schon heute hohen Ersatzbedarfe weiter.“ Ähnlich beurteilt das Kay Senius, Verantwortlich für die Arbeitsagenturen in Sachsen-Anhalt und Thüringen. Aktuell sei in den beiden Bundesländern mehr als jeder fünfte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mindestens 55 Jahre alt. Hinzu komme, dass die Schulabgängerzahlen und damit auch die Bewerber für Ausbildungsplätze nicht mehr die angebotenen Stellen deckten. Es gebe immer wieder Fachkräftelücken in bestimmten Berufen und Regionen, berichtet Jörg Brückner, Präsident der Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft. „Wir spüren bereits jetzt in gewissen Branchen erste Engpässe“, bestätigt Senius. „Das betrifft sowohl Humanmediziner und die Pflegebranche als auch die Bereiche Klempner, Heizung und Sanitär.“ Noch existiert in Sachsen nach Angaben von Schuberth kein allgemeiner, flächendeckender oder branchenübegreifender Fachkräftemangel. Probleme seien jedoch nicht von der Hand zu weisen. Das zeige sich in wenig geeigneten Bewerber, zudem dauere es oft lange, freie Stellen zu besetzen. Zu den Knappheitsberufen zählten die in der Elektro- und Metallbranche, in der Informationstechnologie sowie im Gesundheits- und Pflegewesen.

Als Konsequenz aus dem Fachkräftemangel fordert Thomas Hofmann, Hauptgeschäftsführer der IHK Leipzig, die Firmen auf, „stärker in eine zielgerichtete Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter zu investieren“. Die Betriebe sollten sich „attraktiver aufstellen“, empfiehlt Schuberth. Mit guten Bedingungen ließen sich auch künftig Fachkräfte für den eigenen Betrieb gewinnen. Es sei wichtig, dass die Unternehmer in ihre eigene Firma blickten und strategisch prüften, welche Vakanzen in den kommenden Jahren durch Abgänge in Rente entstünden. Wenn der Wettbewerb um Fachkräfte steigt, „kann das auch Auswirkungen auf die Gehälter haben“, meint Schuberth. Höhere Löhne machen nach Einschätzung von Senius zwar Jobs attraktiver. Doch die Firmen müssten sich auch überlegen, wie sie die Rahmenbedingungen interessanter gestalten. Es komme eine Generation auf den Arbeitsmarkt, „für die Geld und Karriere eben nicht alles ist“. Viele gerade jüngere Menschen fänden etwa langfristige Perspektiven im Unternehmen und auch die Möglichkeit sehr flexibler Arbeitszeiten wichtig, um Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen.

Die Arbeitsagenturen in Sachsen leisten ihren Beitrag zur Fachkräftesicherung durch eine „Sowohl-als-auch-Strategie“. Langzeitarbeitslose, Schwerbehinderte und gering Qualifizierte würden fortgebildet und deren Einstellung finanziell unterstützt. Dafür stünden zusammen 150 Millionen Euro zur Verfügung. „Aber wir werden auch die betriebliche Weiterbildung von Beschäftigten mit bis zu 100 Prozent fördern“, betont Schuberth. Dafür stünden in diesem Jahr insgesamt 13 Millionen Euro bereit. „Wir können keine Arbeitskräfte herzaubern“, sagt Senius. Gefragt seien hier verschiedene Akteure aus Politik, Wirtschaft, Verbänden, Land und Kommunen. Die Arbeitsagenturen könnten nur einen Teil beitragen. „Das machen wir unter anderem mit der zielgerichteten und an den Bedarfen der Wirtschaft ausgerichteten Qualifizierung von Arbeitslosen.“ Es werde ferner in die Weiterbildung von Beschäftigten in den Unternehmen investiert. „Auch das ist Fachkräftesicherung.“ Darüber hinaus sei damit begonnen worden, mit Sprachkursen, Qualifizierung, Praktika und berufsvorbereitenden Maßnahmen Flüchtlinge für den Arbeitsmarkt fit zu machen. Mit der Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte sollte ebenfalls gegengesteuert werden, rät Brückner.

Von Ulrich Milde

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