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IG-Metall-Vize droht in Leipzig mit Warnststreik

IG-Metall-Vize droht in Leipzig mit Warnststreik

Die Lohnrunde 2013 in der Metall- und Elektroindustrie kommt in die entscheidende Phase. Gesamtmetall hat ein Angebot über 2,3 Prozent Gehaltsplus vorgelegt. Die IG Metall fordert 5,5 Prozent.

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Detlef Wetzel

Quelle: dpa

Leipzig. Heute findet ab zehn Uhr im Da Capo in Leipzig (Karl-Heine-Straße) ein Aktionstag statt. Dort redet Gewerkschaftsvize Detlef Wetzel (60). Wir sprachen vorab mit dem Zweiten Vorsitzenden der Gewerkschaft.

Frage: Können sich die Unternehmen diese Gehaltsaufbesserung angesichts einer Produktivitätssteigerung von 1,5 Prozent tatsächlich leisten?

Detlef Wetzel: Die wirtschaftliche Lage ist sehr unterschiedlich, genau das haben wir bei unserer Forderung berücksichtigt. Die 5,5 Prozent sind der Mittelwert zwischen den gut und den weniger gut verdienenden Firmen.

Wie bewerten Sie das Angebot der Arbeitgeber?

Es ist für uns indiskutabel. Es stellt gerade mal 1,9 Prozent effektive Erhöhung bei einer Laufzeit von 13 Monaten dar. Damit wird gerade mal die Inflationsrate ausgeglichen, die Reallöhne werden eingefroren. Das ist kein Lösungsvorschlag, sondern fordert den Konflikt heraus. Wir antworten deshalb ab 1. Mai mit Warnstreiks.

Was ist mit den Firmen, die sich diese Erhöhungen nicht leisten können?

Wir haben für diese Fälle über das Pforzheimer Abkommen vielfältige Abweichungsmöglichkeiten, die auch genutzt werden. Andere Abweichungsmöglichkeiten vom Tarif, zum Beispiel eine spätere Erhöhung oder eine geringere Sonderzahlung, wurden in der Vergangenheit kaum genutzt: 85 Prozent der Unternehmen hat das nicht interessiert, gut sieben Prozent sind nach oben und weitere sieben Prozent sind nach unten abgewichen. Das Instrument wird überschätzt und von den Arbeitgebern überhöht.

In den vergangenen Jahren sind Tariferhöhungen oft nicht in vollem Umfang bei den Beschäftigten angekommen. Welche Ursachen hat das?

Abschlüsse gelten in Unternehmen, die tarifgebunden sind. Das gilt für die meisten Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie. Dort haben wir in den vergangenen Jahren Tariferhöhungen deutlich über der Inflationsrate durchgesetzt. Hinzu kommt aber, dass durch Ausgliederungen und Werkvertragsarbeit Tätigkeiten auch in Unternehmen ohne Tarifbindung verlagert und damit Tarifverträge unterlaufen werden. Das erklärt die Differenz zwischen Tariflöhnen und den tatsächlich gezahlten Entgelten.

Leiharbeiter haben seit November 2012 Anspruch auf Branchenzuschläge. Werden sie auch bezahlt?

Es gibt einzelne Zeitarbeitsfirmen, die die Branchenzuschläge umgangen haben. Wir können zurzeit aber noch nicht seriös sagen, wie viele das sind. In einigen Wochen wissen wir mehr. Die Branchenzuschläge sind ein wichtiger Fortschritt und tarifpolitischer Erfolg. Unser Ziel bleibt aber, dass alle Leiharbeiter genauso entlohnt werden wie Festangestellte.

Offenbar ist der neue Trend, statt auf Leiharbeiter auf Werkverträge zu setzen. Wie gehen Sie dagegen vor?

In den vergangenen Jahren haben gerade große Konzerne sehr viele Arbeiten ausgelagert - nicht ins Ausland, sondern in den deutschen Niedriglohnsektor. Das läuft in der Regel über Werkverträge. Ausgelagert wurde insbesondere die Logistik. Das funktioniert dann so: Ein Logistik-Unternehmen übernimmt die Vormontage von Achsen und liefert sie just in time ans Band des Autokonzerns.

Die Arbeitgeber sehen keinen Handlungsbedarf beim Thema Werkverträge.

Bei der Regulierung der Werkverträge spielt nicht nur der Aspekt der Gerechtigkeit eine Rolle, sondern auch eine ökonomische Überlegung: Welche Folgen hat es, wenn viele unterschiedliche Firmen auf dem Werksgelände tätig sind und gleichwertige Arbeit ganz unterschiedlich bezahlt wird? Sonst gäbe es nicht die Debatte über Tarifeinheit. Die Arbeitgeber werden sich der Regulierung der Werkverträge genauso beugen müssen wie bei der Leiharbeit.

Wie hoch sind die Unterschiede?

Ein Beispiel: BMW in Leipzig hat das Kommissionieren, also das Sortieren von Einzelteilen eines Autos, ausgelagert. Die Beschäftigten dort erhalten oft brutto 1500 Euro im Monat. Als Metall-Beschäftigte hätten sie Anspruch auf das Doppelte. Wir kritisieren, dass wesentliche Teile der Wertschöpfungskette ausgelagert und dann von Menschen erledigt werden, die bis zu 60 Prozent weniger verdienen als zuvor bezahlt wurde. Das ist das Kernproblem.

Hat die IG Metall da zu lange zugeschaut?

Die Verlagerung ist ein schleichender Prozess und vielleicht haben wir früher nicht genau genug hingeschaut. Inzwischen tun wir jedenfalls viel, wir haben unseren Blick erweitert. Vor fünf Jahren haben wir die Leiharbeiter-Kampagne gestartet, mit Erfolg Branchenzuschläge durchgesetzt. Nun versuchen wir, die Belegschaften in Logistik-Firmen und bei Ingenieur-Dienstleistern zu motivieren und zu unterstützen, Betriebsräte zu gründen und Haustarifverträge zu erkämpfen. Langfristiges Ziel sind Flächentarifverträge, beispielsweise für alle Logistiker. Erste Erfolge haben wir mit Vereinbarungen bei den Logistikern Schnellecke und Rudolph bereits erzielt.

Die IG Metall hat Leipzig zur Modellregion auserkoren. Warum?

Durch die dynamische Entwicklung hier in der Region brauchen wir eine neue, ganzheitliche Vorgehensweise der IG Metall, um die Bedingungen für die Beschäftigten zu verbessern. Wir haben bereits Tarifzuständigkeiten geklärt, Betriebsräte gegründet und Tarifverträge im Logistik- und Zulieferbereich mit zum Teil hochorganisierten Belegschaften durchsetzen können. Mit der Regelung zur Leiharbeit sind wir bei BMW ein gutes Stück weitergekommen. Das sind die Themen, an denen wir hier in und um Leipzig weiter arbeiten wollen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.04.2013

Ulrich Milde

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