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Ifo-Chef: Hohe Löhne im Osten verschrecken Investoren

Schwache Wirtschaft Ifo-Chef: Hohe Löhne im Osten verschrecken Investoren

Wenn die Löhne im Osten nach der Wende nicht so schnell gestiegen wären, würden die Menschen dort heute mehr verdienen, ist sich ifo-Chef Sinn sicher. Und auch bei der Produktivität würde man nicht so hinterherhinken.

Archivbild

Quelle: dpa

Dresden. Zu hohe Löhne haben nach Ansicht von ifo-Präsident Hans-Werner Sinn eine Angleichung der wirtschaftlichen Produktivität in alten und neuen Bundesländern verhindert. Auch um möglichen ausländischen Konkurrenten keine Wettbewerbsvorteile zu ermöglichen, hätten im wesentlichen westdeutsche Tarifpartner die Lohnentwicklung nach der Wende im Osten von der Produktivität abgekoppelt, sagte Sinn am Donnerstag bei einer Tagung seines Instituts zu 25 Jahren Deutsche Einheit in Dresden.

Dies habe Investoren ferngehalten und dazu geführt, dass die private Wirtschaftsleistung heute auf dem Gebiet der früheren DDR bei nur 62 Prozent des Niveaus im Westen inklusive West-Berlin liege. Dagegen sei die Angleichung der Lebensverhältnisse weitgehend vollzogen. Diese vorauseilende Lohnentwicklung „war das Grundproblem“ im Osten, sagte Sinn. Er sei sicher, dass das Lohnniveau heute sogar noch höher wäre, wenn „wir eine nacheilende Lohnentwicklung gehabt hätten“.

Nach wie vor würden dadurch Ansiedlungen verhindert. „Häufig springen Investoren einfach, wenn sie neue Standorte suchen, über die neuen Bundesländer hinweg nach Polen“, sagte Sinn. Positive Entwicklungen seien vor allem in Berlin mit seinen Start-ups und in großen ostdeutschen Städte wie Leipzig und Dresden zu sehen. „Die nächsten 25 Jahre werden uns dann wahrscheinlich in einen Zustand bringen, wo also auch die Produktivität zwischen West- und Ostdeutschland nicht mehr sich unterscheidet“, sagte Sinn.

Sachsens früherer Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) verwies darauf, dass 25 Jahre zwar für einen Menschen eine lange Zeit, für das Zusammenwachsen der deutschen Staaten aber eine vergleichsweise kurze Spanne seien. „Ich bin rückblickend über das, was erreicht ist, glücklich“, sagte er. Auch wenn er es anfangs nicht für möglich gehalten hätte, „dass wir es in 25 Jahren weitgehend geschafft hätten“. Die wirtschafts- und sozialpolitischen Herausforderungen der Zukunft sieht er weniger in einer Angleichung der Verhältnisse zwischen Ost und West als vielmehr im Ausgleich wachsender Unterschiede zwischen den Wirtschaftszentren und den ländlichen Regionen in den Ost-Ländern. „Aber irgendwie werden wir das auch noch schaffen“, sagte Milbradt.

Von LVZ

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