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„Im Elbtal werden wir den Lärm auf 35 Kilometern weiter reduzieren“

Interview „Im Elbtal werden wir den Lärm auf 35 Kilometern weiter reduzieren“

Bahn-Umweltchef Andreas Gelhaar spricht im Interview mit der Leipziger Volkszeitung über Flüsterbremsen, Schallschutzwände und Lärm-Brennpunkte.

Bahnverkehr in Sachsen.

Quelle: dpa

Berlin. Die Hälfte aller Güterwagen bei der Deutschen Bahn sind auf leisen Sohlen unterwegs, bis 2020 sollen auch die restlichen Cargo-Waggons mit Flüsterbremsen ausgestattet werden. Ein ambitioniertes Ziel, das die Bahn aber erreichen werde, sagt Andreas Gehlhaar, Leiter des Umweltbereiches bei der Deutschen Bahn.

LVZ: Neben Ihrer Tätigkeit als Leiter Umwelt hat Sie die DB seit Februar auch zum Lärmschutzbeauftragten gemacht. Warum?

Andreas Gehlhaar: Verkehrslärm ist zu einer großen Belastung für viele Menschen geworden. Das gilt nicht nur für diejenigen, die in der Nähe von Flughäfen oder stark befahrenen Straßen wohnen, sondern auch für Anwohner von Bahnstrecken. Wenn wir mehr Verkehr auf die Schiene bekommen wollen, und das ist erklärtes Ziel der Deutschen Bahn und im Programm Zukunft Bahn festgeschrieben, müssen wir den Lärm verringern. Denn nur wenn es uns gelingt leiser zu werden, schaffen wir die notwendige Akzeptanz in der Bevölkerung für den umweltfreundlichen Schienengüterverkehr.

Die Bahn will den Schienenlärm bis 2020 halbieren. Was konkret bedeutet das?

Darunter verstehen wir eine Lärmreduzierung um zehn Dezibel auf besonders belasteten Strecken. Das entspricht in der menschlichen Wahrnehmung einer Halbierung der Schallemissionen. So können sich Anwohner von Bahnstecken nicht nur tagsüber ungestörter in ihren Wohnungen, Häusern und Gärten aufhalten, sondern auch nachts ruhiger schlafen.

Erreichen will das die Bahn insbesondere durch den Einbau leiserer Bremsen. Schaffen Sie es, wie geplant, diekomplette Güterwagenflotte von DB Cargo bis 2020 umzurüsten?

Wir sind auf einem guten Weg und werden das bis 2020 schaffen, davon gehe ich aus. Schon heute fahren 35 000 Güterwagen mit modernen leisen Bremsen – das ist deutlich mehr als die Hälfte der Cargo-Flotte. In diesem Jahr werden an weiteren 8000 Wagen die lauten Graugussbremsen gegen moderne Flüsterbremsen aus Verbundstoff ersetzt. Bis Jahresende werden damit rund 40 000 Wagen von DB Cargo leise unterwegs sein und bis 2020 die gesamte Flotte von rund 64 000 Waggons. Das ist für DB Cargo ein Kraftakt und wird das Ergebnis der Güterverkehrstochter der DB bis 2020 mit rund 230 Millionen Euro belasten.

Regionen wie das Rheintal sind besonders von Lärm betroffen. Spüren die Einwohner dort schon etwas von den Veränderungen?

Ja, schon heute ist bei vielen Güterzügen der Einbau der leisen Bremsen hörbar. Unsere Messstationen im viel befahrenen Mittelrheintal zeigen, dass Ende 2016 schon knapp 25 Prozent aller dort verkehrenden Güterzüge leiser unterwegs sind. Klar ist aber auch, dass das Ziel einer Halbierung des Lärms nur gelingen kann, wenn alle rund 180 000 in Deutschland verkehrenden Güterwagen mit leisen Sohlen unterwegs sind. Zwei Drittel der Waggons fahren unter der Flagge deutscher und europäischer Wagenhalter, ein Drittel gehört zu DB Cargo.

Neben der Umrüstung der Wagen wird das Streckennetz saniert. Wie ist der Stand?

Das 1999 auf den Weg gebrachte Lärmschutzprogramm des Bundes sieht vor, dass bis 2020 rund 2000 Kilometer des stark lärmbelasteten Streckennetzes saniert sein sollen. Auf rund 1600 Kilometer Schienenstrecke ist das bereits geschehen. Das heißt, über 650 Kilometer Schallschutzwände wurden errichtet und 56 750 Wohnungen mit Schallschutzfenstern ausgestattet. Zum Vergleich: Das entspricht in etwa der Bahnstrecke zwischen Berlin und Barcelona. Bis heute investierten Bund und Bahn über 1,2 Milliarden Euro in die Lärmsanierung von bestehenden Strecken.

Die Grünen kritisieren, dass in der Vergangenheit Mittel zur Bekämpfung des Lärms nicht
abgerufen wurden.

Rund 80 Millionen Euro sind im vergangenen Jahr in den baulichen Lärmschutz an bestehenden Strecken geflossen. Damit sind wir nicht zufrieden, denn wir hatten uns mehr vorgenommen. Fehlendes Baurecht und Klagen haben das verhindert. In diesem Jahr werden deutlich über 100 Millionen Euro investiert und in den nächsten Jahren soll es mehr werden. Das werden wir mit Nachdruck vorantreiben. Hinzu kommt in den nächsten Jahren die Sanierung von Lärmbrennpunkten wie dem Mittelrheintal sowie dem Inn- und Elbtal. Hier werden weitere Millionenbeträge in den Lärmschutz bis über das Jahr 2020 hinaus investiert .

Für die Einwohner des Elbtals hat sich die Situation mit dem stark erhöhten Güterverkehr weiter
verschärft. Wie geht es für sie weiter?

In den Jahren 2004 bis 2013 sind im Elbtal bereits viele Abschnitte lärmsaniert worden. Darauf bauen wir auf und wollen den Lärmschutz weiter verbessern. Der Bund stellt dazu die notwendigen Mittel bereit. Das kommt etwa 12 000 Menschen zwischen Dresden und der Grenze zu Tschechien zugute.

Was ist konkret geplant?

Es werden Lärmschutzwände auf einer Länge von über 30 Kilometern errichtet. Ferner sollen sogenannte Schienenstegdämpfer den Lärm auf knapp 35 Kilometern weiter reduzieren. Geplant sind 35 Einzelmaßnahmen, die nach Abschluss der Finanzierungsvereinbarung in den nächsten fünf Jahren umgesetzt werden. Das Investitionsvolumen beträgt mehr als 60 Millionen Euro.

In Halle errichtet die Bahn eine neue Zugbildungsanlage, die mehr Verkehr für die Region bedeutet. Müssen sich die Einwohner entlang der Schienenwege auf mehr Lärm einstellen?

Der Knoten Halle erhält rund 20 Kilometer Schutzwände, um den Verkehrslärm zu reduzieren. Schon während der Bauphase haben wir ein eigenes Lärmmanagement eingerichtet, um die Belastungen für die Anwohner verträglich zu gestalten. Unter anderem wurden mobile Lärmschutzwände eingesetzt, die knapp 20 Dezibel Lärm schlucken können.

Bis 2020 soll bundesweit die Lärmbelastung halbiert sein – das war es dann?

Bereits heute wird an innovativen Technologien geforscht, um den Lärm weiter zu reduzieren. Unter anderem geht es um niedrige Wände oder um Schienenschmier-Einrichtungen, die das Quietschen der Räder in Kurven verhindern sollen. Oder um moderne Schleifverfahren. Denn je glatter die Gleisoberfläche, umso weniger Lärm wird erzeugt. Einige der Verfahren werden auf Strecken in Bayern und Brandenburg bereits getestet. Zudem wird an der Verbesserung der Güterwagen geforscht.

Interview: Andreas Dunte

Leipzig 51.339695 12.373075
Leipzig
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