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LWB legt Grundstein für Firmensitz und baut erste Kita an der Zentralstraße - Interview

LWB legt Grundstein für Firmensitz und baut erste Kita an der Zentralstraße - Interview

Die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) will eine Kita errichten, riesige Fondsbestände zurückerwerben und bald deutlich mehr investieren. Wir sprachen mit den Geschäftsführerinnen Ute Schäfer (Finanzen) und Gabriele Haase (Wohnungswirtschaft) über die Zukunft des mit 35.5000 Wohnungen größten Vermieters in der Messestadt.

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Auf der Baustelle neben dem Wintergartenhochhaus wollen die Geschäftsführerinnen Gabriele Haase (links) und Ute Schäfer heute den Grundstein für den künftigen LWB-Firmensitz legen. 19,1 Millionen Euro veranschlagt das kommunale Unternehmen für den Neubau, der bis Ende 2015 von den 430 Mitarbeitern bezogen werden soll.

Quelle: Volkmar Heinz

Leipzig. Die LWB hat angekündigt, erstmals einen Kindergarten zu errichten. Wo genau?

Gabriele Haase: Wir haben vor einiger Zeit alle unsere Grundstücke darauf untersucht, ob sie zum Bau von Kitas geeignet sind. Für eine erhebliche Anzahl wurde Baurecht geschaffen, so dass bereits auf sechs Flächen durch Investoren 700 Kindergarten-Plätze entstanden sind. Nun werden wir erstmals selbst eine solche Einrichtung mit 80 bis 100 Plätzen schaffen: an der Ecke Elsterstraße/Zentralstraße. Nächstes Jahr geht es los. Für diesen innerstädtischen Standort haben wir uns entschieden, weil der Bedarf dort sehr hoch ist. Außerdem wäre ein Haus an dem Ort leicht anders nutzbar, falls der Bedarf eines Tages sinkt.

Was halten Sie vom Vorschlag der Linken, statt privater Investoren solle künftig die LWB alle Leipziger Kindergärten bauen?

Ute Schäfer: Dieses Bielefelder Modell kennen wir sehr gut, die Investitionskraft der westdeutschen Unternehmen ist aber viel höher. Wir mussten uns unsere Investitionskraft in den vergangenen Jahren erst wieder hart erarbeiten.

Gabriele Haase: Die LWB muss bei ihren knappen freien Mitteln genau abwägen, ob sie damit Kitas baut, Fondsbestände zurückkauft oder zum Beispiel Wohnungen in Paunsdorf saniert. Ein Bielefelder Modell wäre in Leipzig zurzeit nur möglich, wenn die Investitionen von der Stadt getragen würden. Das heißt natürlich nicht, dass wir nicht viel für den Nachwuchs tun wollen. Zum Beispiel werden in unseren Häusern 250 Kinder durch Tagesmütter und -väter betreut.

In der Debatte für ein neues wohnungspolitisches Konzept geht an Sie die Forderung, mehr für günstige Mieten zu tun.

Ute Schäfer: Die durchschnittliche Kaltmiete in unserem Kernbestand stieg von 4,46 Euro pro Quadratmeter Ende 2006 auf 4,85 Euro Ende 2013 - also um 8,7 Prozent in sieben Jahren. Das liegt unter der allgemeinen Inflation und dämpft auch den Anstieg der Kaltmieten im gesamten Wohnungsmarkt. Unsere Personal- und Baukosten klettern demgegenüber schneller.

Gabriele Haase: Unser Gesellschafter, die Stadt Leipzig, erwartet von uns, dass wir 20 Prozent unseres Bestandes - also rund 7000 Wohnungen - auf einem Preisniveau halten, das innerhalb der Kosten für die Unterkunft von Hartz-IV-Beziehern und Haushalten, die Transferleistungen erhalten, liegt. In der Praxis gewährleistet die LWB das für über 11.000 Wohnungen. Obwohl seit 1997 etwa 22.000 Wohnungen saniert wurden, bleibt die Masse der besonders günstigen Quartiere gleich und über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Zum Beispiel läuft die energetische Sanierung im Kreuzstraßenviertel so, dass jedes Jahr ein weiterer Abschnitt an die Reihe kommt. Von den ersten Bereichen, die 2008 und 2009 dran waren, ist inzwischen nachgewiesen, dass das Konzept aufgeht. Die Mieter holen die zusätzlichen Kosten der Modernisierungsumlage durch Energie-Einsparungen beinahe wieder vollständig herein. In der Richtung machen wir weiter.

Sie haben die Schulden deutlich verringert, 2013 das dritte Mal in Folge schwarze Zahlen geschrieben. Zu dem rigorosen Sparkurs gehörte aber auch, dass in die Häuser nur noch das Allernötigste investiert wurde. Wie groß ist jetzt der Sanierungsstau?

Ute Schäfer: Ein Sanierungsstau ist trotz der Sparpolitik nicht entstanden. Ziel eines gesunden wirtschaftlichen Unternehmens muss es dennoch sein, jährlich auf Abschreibungsniveau zu investieren. Für die LWB wären das zirka 25 Millionen Euro per anno. In den letzten Jahren konnten aber nur jeweils sieben bis acht Millionen investiert werden. Durch eine Anpassung der Unternehmensstrategie steigt nun zwar der Betrag, allerdings noch nicht auf das erforderliche Maß. Wir haben gewaltige Fortschritte gemacht, sind aber noch nicht übern Berg.

Steigen die Schulden wieder, wenn Sie in Zukunft mehr investieren?

Ute Schäfer: Die gute Nachricht ist erst mal, dass die Kreditverbindlichkeiten von 950 Millionen Euro Ende 2006 auf heute 618 Millionen Euro gesunken sind. Unsere jährliche Zinslast hat sich im gleichen Zeitraum auf nunmehr 28 Millionen Euro fast halbiert. Der entscheidende Erfolgsfaktor wird nun das Erreichen einer gewissen Investitionskraft sein. Die LWB hat in den vergangenen Jahren ihre Eigenkapitalquote von 23 Prozent auf über 30 Prozent steigern können. Die ist für Banken relevant, um unsere Investitionen zu finanzieren. Wir planen keine Aufnahme von Riesenkrediten, sondern bleiben bei unserer Politik der kleinen Schritte. Natürlich wird die Aufnahme neuer Kredite auch von Fördermöglichkeiten beeinflusst.

Was wird aus den Fonds, die Ihre Vorgänger zur Geldbeschaffung aufgelegt hatten, weil sie keine Kredite bekamen?

Gabriele Haase: Den Immobilienfonds mit 551 Wohnungen in zwei Wohnanlagen aus den Zwanzigerjahren in Eutritzsch und in Plagwitz werden wir 2014 zurückerwerben. Für einen weiteren Fonds mit Wohnungen in Reudnitz und Leutzsch wird die LWB im Jahr 2016 die Bestände von den Anlegern zurückerhalten. Dieser Rückerwerb, dessen Finanzierung derzeit vorbereitet wird, passt gerade wegen des sozialen Auftrages gut zu uns. Gleiches gilt für die Bestände in zwei weiteren Fonds, die sich im Musikviertel und an der Straße des 18. Oktobers befinden. Bis zur Beendigung dieser Fondsgesellschaften bleibt zwar noch lange Zeit. Dennoch beginnen wir hier ebenfalls mit Überlegungen, wie die Bestände vielleicht schon eher zurückgekauft werden können.

Sie wollen in Zukunft auch durch eigene Neubauten wieder wachsen?

Ute Schäfer: Ja, gleich neben dem künftigen Unternehmenssitz am Wintergartenhochhaus, für den an diesem Freitag der Grundstein gelegt wird, sind ab 2016 zwei weitere neue Gebäude mit Mietwohnungen geplant. Und das ist erst der Anfang. Interview: Jens Rometsch

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.06.2014

Jens Rometsch

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