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Lautstarker Protest aus Sachsen-Anhalt gegen geplante Molkerei-Schließung

Mit Trillerpfeifen Lautstarker Protest aus Sachsen-Anhalt gegen geplante Molkerei-Schließung

Mehr als die Hälfte der Belegschaft in Bad Bibra reist zu Aufsichtsratssitzung von DMK nach Niedersachsen, um gegen die geplante Molkerei-Schließung zu protestieren. Entscheidung steht noch aus.

Mehr als die Hälfte der Belegschaft in Bad Bibra reist zu Aufsichtsratssitzung von DMK nach Niedersachsen, um gegen die geplante Molkerei-Schließung zu protestieren. DMK Protest in Zeven.

Quelle: NGG

Zeven/Bad Bibra. Der Weg zur Sitzung wurde für die Aufsichtsräte des Milchkonzerns DMK zum Spießrutenlaufen. In der eigentlich abgeschiedenen Kleinstadt Zeven im Norden Niedersachsens wurden sie von lautstarkem Protest aus Sachsen-Anhalt begrüßt. Mehr als die Hälfte der Belegschaft der Burgenlandkäserei Bad Bibra war dorthin gereist, um gegen die Schließung ihres Werkes zu protestieren. Denn genau darüber sollte gestern im Aufsichtsrat des Mutterkonzerns entscheiden werden.

Mit drei Bussen hatten sich 65 der 106 Mitarbeiter am Standort am frühen Morgen auf die rund 400 Kilometer weite Fahrt gemacht. Schließlich droht ihnen mit der geplanten Schließung 2018 die Arbeitslosigkeit. Im Laufe des Vormittages kamen noch rund 150 weitere Kollegen aus anderen DMK-Werken hinzu. Vor dem Werkstor bildeten sie dann ein Spalier für die Aufsichtsratsmitglieder, die um 10 Uhr im DMK-Stammwerk im Industriegebiet Zeven-Aspe zusammenkamen – zehn Männer und zwei Frauen, die Hälfte davon Arbeitnehmervertreter. Sie wurden mit Trillerpfeifen begrüßt. „DMK-Geschäftsführung und Management-Team haben in ihren Aufgaben versagt! Dafür sollen die Werke Rimbeck und Bad Bibra sterben?“, hielt ihnen eine junge Mitarbeiterin als handgeschriebenes Transparent entgegen.

Anliegen soll geprüft werden

Die Mitglieder des Aufsichtsrats hätten vor ihrer Beratung zumindest zugesagt, das Anliegen der protestierenden Beschäftigten zu prüfen, erklärte ein Sprecher der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG), die den Protest organisiert hatte. Beraten wurden dann den ganze Tag. Es sei nicht abzusehen, wann die Entscheidung fallen werde, erklärte ein DMK-Sprecher am späten Nachmittag gegenüber der LVZ.

„Wir haben gezeigt, dass hinter jeder Entscheidung ein Schicksal steht“, sagte der NGG-Sprecher. Ende Juni hatte das Deutsche Milchkontor (DMK) angekündigt, zwei seiner bundesweit 20 Molkereistandorte zu schließen. Und einer davon soll Bad Bibra sein. Anfang 2018 soll der Betrieb, der dann eigentlich sein 100-jähriges Bestehen feiern würde, dicht machen. Grund: Dem genossenschaftlichen Molkereikonzern geht die Milch aus. Nach einer beispiellosen Kündigungswelle von Bauern, die ihre Milch nicht länger an Deutschlands größte Molkereigruppe liefern wollen, fehlt dem Unternehmen künftig fast ein Viertel der bisher verarbeiteten Menge.

Burgenlandkäserei schreibt schwarze Zahlen

Rückendeckung erhielten die Mitarbeiter aus der Politik. Naumburgs Landrat Götz Ulrich (CDU) lud zu Verhandlungen nach Bad Bibra ein – die dann aber ohne Ergebnis blieben. Für die gestrige Sitzung hatte er dann noch einmal alle Mitglieder des DMK-Aufsichtsrats angeschrieben. Auch Sachsen-Anhalts Wirtschaftsstaatssekretär Thomas Wünsch (SPD) appellierte, die Pläne zu überdenken. Schließlich, so die Kritiker, schreibe die Burgenlandkäserei schwarze Zahlen und sei gut ausgelastet.

Die Burgenlandkäserei war erst 2009 unter das Dach der Großmolkerei Humana gekommen, die dann 2011 im DMK aufging. Pro Jahr werden in Bad Bibra 300 Millionen Liter Milch verarbeitet und daraus etwa 30 000 Tonnen Käse hergestellt, darunter neben Edamer und Gouda der Marken„Burgenländer“ und „Bibertaler“ auch Spezialitäten wie der Cagliata, der nach Italien geht.

Von der Schließung in Bad Bibra profitieren könnte nun der DMK-Standort Erfurt. Dorthin dürfte die Milchmenge aus dem Süden Sachsen-Anhalts künftig gehen – und Milch-Engpässe verhindern.

Frank Johannsen und Franziska Höhnl

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