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Leipziger IHK setzt eigenen Bildungsträger auf Sparkurs: 90 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs

Wirtschaft Leipziger IHK setzt eigenen Bildungsträger auf Sparkurs: 90 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs

Normalerweise versuchen die Mitarbeiter des Zentrums für Aus- und Weiterbildung Leipzig (ZAW), anderen bei ihrer Karriere zu helfen, doch nun bangen sie um ihre eigene: Denn die IHK, die das ZAW betreibt, will sparen.

IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Hofmann (Archivfoto).

Quelle: André Kempner

Leipzig. Eigentlich kümmern sich die 180 Mitarbeiter beim Zentrum für Aus- und Weiterbildung Leipzig (ZAW) darum, anderen bei ihrer Karriere zu helfen. Doch derzeit bangen sie vor allem um den eigenen Job. Die Leipziger Industrie- und Handelskammer (IHK), die das ZAW betreibt, will den kammereigenen Bildungsträger deutlich abspecken und Standorte schließen. Mehr als die Hälfte der Belegschaft könnte ihren Job verlieren, fürchtet die Gewerkschaft Verdi. Die ersten dürfte es schon Ende August treffen. Dann laufen 90 Stellen aus - von insgesamt 180.

Ende April hatte IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Hofmann die Belegschaft in einer Betriebsversammlung über die anstehende Neuausrichtung informiert. Viel Konkretes gab es dabei noch nicht. "Das Konzept ist noch in Arbeit", sagte Hofmann nach der Versammlung gegenüber der Leipziger Volkszeitung. Doch die ersten Eckpunkte sorgten in der Belegschaft bereits für große Verunsicherung: Vier der sieben Standorte stehen zur Disposition.

Kündigungen seien zwar nicht geplant, beruhigte Hofmann. "Es geht nicht darum, Leute zu entlassen." Einen Stellenabbau wird es trotzdem geben: Befristete Stellen würden wohl nicht verlängert, bestätigte Hofmann. Das betrifft hier viele: Ein Großteil der Belegschaft sei im Rahmen bestimmter Projekte befristet angestellt, bestätigte der IHK-Mann. Laut Verdi gilt das sogar für die große Mehrheit der 180 ZAW-Mitarbeiter. "Die Mehrheit ist befristet", sagte der bei Verdi zuständige Gewerkschaftssekretär Olaf Broszeit. "Und die ersten Befristungen laufen schon Ende August aus." Die Betroffenen bangen nun um ihre Verlängerung. Und dabei gehe es nicht nur um einige wenige. "Im August läuft rund die Hälfte aller Stellen aus, die es beim ZAW gibt." Entsprechend groß sei die Verunsicherung. "Die Leute haben Angst."

Der Grund für die hohe Zahl der befristeteten Arbeitsverträge: Die meisten arbeiten in Maßnahmen im Auftrag der Arbeitsagentur - und sind jeweils für die Dauer des Projekts befristet eingestellt. Genau das will die IHK nun ändern. "Bisher macht das ZAW ja alles querbeet", sagte Hofmann. "So einen Gemischtwarenladen kann man auf Dauer nicht betreiben." In den 90ern, als der IHK-eigene Bildungsträger - damals noch unter dem Namen Zentrum für Berufliche Bildung (ZBB) - an den Start geschickt wurde, sei es noch darum gegangen, unversorgte Jugendliche überhaupt in eine Ausbildung zu bringen. Heute dagegen fänden Betriebe kaum noch Azubis. "Der Ausbildungsmarkt hat sich komplett gedreht."

Entsprechend solle das ZAW jetzt neu ausgerichtet werden. Um ein langfristig stabiles Geschäft abzusichern, solle das ZAW Kernkompetenzen herausbilden, so Hofmann. Der Auftrag, dies auszuarbeiten, ging Anfang des Jahres an die ZAW-Geschäftsführung. Ende Mai soll das Konzept stehen und dann in den Aufsichtsrat gehen.

Klar sei aber schon jetzt, dass nicht mehr alle sieben Standorte gebraucht werden, bestätigte Hofmann. "Innerhalb der nächsten drei Jahre werden wir uns auf drei Standorte konzentrieren. Das ist beschlossen." Neben der Zentrale "Am Ritterschlößchen" in Leipzig seien das die Standorte Leipzig-Bogislawstraße und einer der bisher drei Standorte in Schkeuditz. Zwei Standorte in der Flughafenstadt müssten damit dicht machen, ebenso die Außenstelle in Markkleeberg. Die ersten Schließungen werde es schon in diesem oder im nächsten Jahr geben. Hofmann: "Wir verabschieden uns von Standorten, die sowieso nicht mehr benötigt werden." Das werde als erstes wohl Markkleeberg und die Außenstelle Heinrich-Heine-Straße in Schkeuditz treffen.

Bei der Gewerkschaft Verdi lassen die Pläne die Alarmglocken schrillen. Kurz nach der Betriebsversammlung in der ZAW-Zentrale lud die Gewerkschaft zur eigenen Versammlung. 25 Betroffene kamen ins Volkshaus. "Wir haben da über zwei Stunden beraten", sagte Gewerkschafter Broszeit. In einem offenen Brief will er sich nun an die ZAW-Geschäftsführung wenden und das Gespräch suchen. "Wir wollen, dass möglichst viele Beschäftigungsverhältnisse erhalten bleiben." Wenn sich das ZAW aus bestimmten Bereichen zurückziehen wolle, "dann sollte es im Gegenzug nach neuen Geschäftsfeldern schauen, die sich rechnen".

Eine Perspektive außerhalb des ZAW soll es offenbar bereits für einen der sieben Standorte geben: Der dritte Leipziger Standort in der Berliner Straße, wo das Projekt "Schauplatz" angesiedelt ist, soll nach Angaben von Verdi nicht schließen, sondern nur aus dem ZAW herausgelöst werden. Der Standort hatte erst Ende April vom Jobcenter Leipzig den Zuschlag für ein neues Projekt bekommen. Dabei geht es um 30 Plätze in einem Projekt zur Beschäftigung von jungen Arbeitslosen, die bisher ohne konkrete Perspektive sind. Die Stadt trägt 15 Prozent der Kosten. ZAW-Projektleiterin Barbara Gnüchtel-Lohr zeigte sich nach dem Zuschlag erleichtert: "Ich freue mich, dass wir durch das gemeinsame Engagement von Stadt Leipzig und Jobcenter Leipzig an die bisherige erfolgreiche Arbeit anknüpfen können." Das Projekt "Schauplatz" gibt es bereits seit fünf Jahren. Bisher haben 600 Teilnehmer die Angebote genutzt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.05.2015.
Frank Johannsen

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