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Leipziger Löwen-Apotheke zieht um

Leipziger Löwen-Apotheke zieht um

Leipzigs älteste und sicher auch bekannteste Apotheke wird in diesem Sommer umziehen. Anlass ist die Neuentwicklung jenes Gebäudes in der Grimmaischen Straße 19, in dem sie seit 1983 residiert.

Ihre Geschichte reicht freilich bis ins Jahr 1409 zurück. Damals wurde nicht nur die hiesige Universität von Magistern und Scholaren gegründet, die von Prag nach Leipzig gezogen waren. Mit ihnen kam auch der Apotheker Johann Huter und eröffnete in Leipzig die Apotheke "Zum güldenen Löwen".

"Sechs Mal - also im Schnitt etwa alle 100 Jahre - zog die Löwen-Apotheke bislang um", erklärt der heutige Inhaber Michael Sauter. Am 1. August will der promovierte Apotheker mit allen 15 Mitarbeitern des Stammhauses am neuen Standort öffnen. Dieser befindet sich im prachtvollen Gloecks Haus am Brühl 52: genau an der Kreuzung von Brühl und Nikolaistraße. Errichtet 1910 durch den vermögenden Pelzhändler Richard Gloeck wurde das Gebäude früher im Volksmund nur "Chinchilla-Haus" genannt. Schließlich wechselten dort einst unzählige Nagetierfelle (zeitweise mehr als die Hälfe des weltweiten Chinchilla-Handels) den Besitzer.

Unter dem Namen Löwen-Apotheke und mit dem berühmten goldenen Wappentier führt Sauter mittlerweile vier Niederlassungen in Leipzig und der Region. "Über die Lösung für unser Haupthaus bin ich sehr froh", sagt er. "Damit wird nicht nur unser Fortbestand in der City langfristig gesichert, auch alle Arbeitsplätze bleiben erhalten. So weit mir bekannt ist, werden wir am Brühl die erste Apotheke in der Stadt sein, die gleich zwei Etagen zur Beratung nutzt."

Dabei sollen im Obergeschoss intensivere Dienstleistungen wie das Bestimmen von Cholesterin- und Blutzuckerwerten angeboten werden. Zudem mietet Sauter am Brühl 52 noch weitere Räume für Seminare und den Versandhandel (www.apofamily.de). Als Wermutstropfen bleibe nur, dass die Löwen-Apotheke damit die Grimmaische Straße verlässt, in der sie seit 1423 an verschiedenen Standorten ansässig war. "Ganz am Anfang befand sie sich im Paulinerkloster, danach am Markt."

Die etwa 25 Apotheker-Familien, deren Nachfolge Sauter 2007 antrat, stellten im Laufe der Zeiten angesehene Ratsherren und bedeutende Wissenschaftler. Zu DDR-Zeiten wurde das weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Unternehmen erst verstaatlicht und dann zur Bezirksapotheke im damaligen Bezirk Leipzig ernannt. Weil die Löwen-Apotheke immer mehr Aufgaben übertragen bekam (wie Nacht- und Feiertagsöffnung, die Verwaltung aller Import-Medikamente, auch die Versorgung und Kontrolle sämtlicher Apotheken im Bezirk), wurde für sie von 1975 bis 1983 der Neubau in der Grimmaischen Straße 19 errichtet. Mehr als 200 Mitarbeiter waren dort bis kurz nach der Wende auf allen sechs Etagen tätig. Seitdem stand das Haus zum Großteil leer.

Schon der Vorbesitzer des Grundstücks - die Treuhandliegenschaftsgesellschaft TLG Immobilien - hatte gemeinsam mit Sauter nach Wegen gesucht, um das Gebäude an Leipzigs meistfrequentierter Einkaufsstraße wieder vollständig nutzen zu können. "Dafür muss es baulich und energetisch ertüchtigt werden", sagt er. "Letztlich fand die TLG aber kein für uns geeignetes Ausweichquartier." 2013 verkaufte die TLG das Haus an eine Tochterfirma der international tätigen Rumpf-Gruppe. Deren Geschäftsführer Karsten Rumpf, vor allem in den USA und Kanada wirtschaftlich aktiv, kam erst diese Woche nach Leipzig, um das Projekt mit allen Beteiligten zu besiegeln.

"Es war eine glückliche Fügung, dass der Starbucks Coffee-Shop seinen prominenten Standort im Gloecks Haus am Brühl freigibt", erklärt Rumpf. "Dadurch kann dort bald die Löwen-Apotheke einziehen. Starbucks bleibt in der City mit den Shops im Hauptbahnhof und in der Grimmaischen Straße aber gut aufgestellt." Möglichst noch dieses Jahr sollen dann die Arbeiten an dem mit Cottaer Sandstein verkleideten DDR-Bau in der Grimmaischen Straße 19 beginnen. "Wir setzen dabei wieder auf die gute Zusammenarbeit mit den Vertretern der Stadt Leipzig, wie wir sie bislang bei allen Projekten erlebt haben", betont der Investor. Tatsächlich hat die Rumpf-Gruppe (www.rumpfhighstreets.com) jüngst nicht nur das Gloecks Haus saniert, sondern auch das Nachbarobjekt Nikolaistraße 53 mit einem veganen Supermarkt neu belebt. Mit der Grimmaischen Straße 23 und 25 modernisierte sie noch zwei weitere Geschäftshäuser, in denen heute unter anderem Apollo Optik und die Parfümerie Douglas zu finden sind.

"Die Neuentwicklung der Grimmaischen Straße 19 dürfte ein weiteres Highlight für die Innenstadt werden", prophezeit Alexander Folz, dessen Firma Arcadia Investment GmbH die Projektentwicklung koordiniert und für die Rumpf-Gruppe beratend tätig ist. "Immerhin verfügt die denkmalgeschützte Immobilie über drei Fronten: zur Grimmaischen Straße, zur Nikolaistraße und zum Nikolaikirchhof. Diese Konstellation ermöglicht eine Nutzung für den modernen Einzelhandel auch unter Beibehaltung der wesentlichen Erscheinungsmerkmale des Gebäudes." Für die Zukunft werde an bis zu vier Ebenen mit jeweils 600 Quadratmetern Einzelhandel bei flexibler Aufteilung gedacht. Oben drüber komme eine Büro- oder Hotelnutzung in Frage. Grundsätzlich halte er es für möglich, erläutert Folz, dass die ersten neuen Mieter in das Objekt noch vor Weihnachten 2016 einziehen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.04.2015
Jens Rometsch

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