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Leipzigs Wirtschaft soll bis 2020 zu Städten wie Stuttgart aufschließen

Leipzigs Wirtschaft soll bis 2020 zu Städten wie Stuttgart aufschließen

Der Zustand der Leipziger Wirtschaft war am Mittwoch Thema im Stadtrat. In einer wirtschaftspolitischen Stunde betonte Professor Joachim Ragnitz vom Ifo-Institut Dresden, Leipzig habe mit seinen 13.500 Zuzüglern im Jahr 2014 deutlich mehr Anziehungskraft entwickelt als zum Beispiel Dresden mit seinen 6500. Dennoch liege die Wirtschaftskraft der Stadt nur zwei Prozent über dem sächsischen Durchschnitt; in westdeutschen Großstädten seien Überschreitungen von 25 bis 60 Prozent üblich.

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Leipzig holt wirtschaftlich auf, trotzdem ist das inflationsbereinigte reale Netto-Haushaltsaufkommen in den letzten 13 Jahren gesunken.

Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen

Leipzig. Auch die Kaufkraft der Leipziger sei "gering". Seine Empfehlung: Die Stadt müsse sich stärker um Neuansiedlungen bemühen, wenn sie den Rückstand aufholen will. "Die Stadtverwaltung muss sich auch stärker als Dienstleister der Wirtschaft sehen", so Ragnitz. "Die Wirtschaft ist im Arbeitsprogramm 2020 des Oberbürgermeister etwas weit nach hinten gerückt." Etappenziel sollte sein, bis 2020 zu Städten wie Stuttgart aufzuschließen.

Handwerkskammer-Vizepräsident Frank Tollert schilderte die Lage anhand des geplanten Verkehrskonzeptes, mit dem die Verwaltung den privaten Autoverkehr reduzieren will (die LVZ berichtete). "Ein Qualitätsmerkmal einer Stadt ist die freie und unreglementierte Nutzung der Verkehrsmittel", sagte er. Wer Parkplätze zurückbaue, ein Einbahnstraßen-Labyrinth und rote Wellen organisiere, behindere die Wirtschaft massiv. "Was ist an 30 Minuten Parkplatzsuche ökonomisch oder ökologisch?", fragte der Glasermeister - und wurde daraufhin von Zwischenrufern aus der linken Ratsfraktion bei seiner Rede gestört. "Thema verfehlt", riefen dort Fraktionschef Sören Pellmann und Stadtrat Siegfried Schlegel, die seit Wochen vehement für das neue Verkehrkonzept werben.

CDU-Fraktionschef Claus-Uwe Rothkegel kritisierte diese Zwischenrufe als "unmöglich und unwürdig". Niemand sei berechtigt, den als Gastredner eingeladenen Kammerpräsidenten so "abzukanzeln", befand er. Dann forderte Rothkegel die Stadt auf, mehr gegen den Fachkräftemangel und den Mangel an Auszubildenden zu tun. "Zu viele Menschen habe sich in der sozialen Hängematte eingerichtet und stehen deshalb dem ersten Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung", kritisierte er.

Für die Linksfraktion konstatierte William Grosser, es gebe "keinen wirklichen Aufschwung von heimischen Unternehmen". Inflationsbereinigt sei das Netto-Haushaltseinkommen der Leipziger sogar gesunken (siehe Skizze). Heiko Bär (SPD) sagte, eine selbsttragende Wirtschaftsstruktur sei bis 2020 "praktisch nicht mehr erreichbar". Leipzig habe in den vergangenen zehn Jahren "viel zu wenig" dafür getan.

Annette Körner von den Grünen forderte mehr Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verträglichkeit in der Wirtschaft. Gleichzeitig rief sie die Akteure dazu auf, ihre Kritik stärker an die Stadt heranzutragen. Tobias Keller (AfD) empfahl, die Beratung der Handwerker "in einer Hand" zu organisieren. Sven Morlok (FDP) machte den starken Anteil der stadteigenen Unternehmen an Leipzigs Gesamtwirtschaft für deren zu geringe wirtschaftliche Dynamik verantwortlich. "21 000 Mitarbeiter arbeiten in der Stadtverwaltung und ihren Unternehmen", sagte er. Leipzig sollte die Chancen nutzen und Teile seiner Firmen privatisieren.

Auch Wirtschaftsbürgermeister Uwe Albrecht (CDU) stufte die Wertschöpfungsketten in der Stadt als unzureichend ein. Die Stadt brauche neue zukunftsweisende Ansiedlungsentscheidungen und müsse auch die Effekte der geglückten Ansiedlung erhöhen. Benötigt würden vor allem Hersteller elektrischer Antriebe und IT-Betriebe, die Energiespeicher der modernsten Art produzieren. Es sollten Flächen für "ein bis zwei neue Großansiedlungen" vorgehalten werden, so Albrecht.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.01.2015

Tappert, Andreas

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