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Lufthansa-Flugbegleiter streiken ab Freitag

Neue Taktik Lufthansa-Flugbegleiter streiken ab Freitag

Bei der Lufthansa wird wieder gestreikt. Nach 13 Pilotenstreiks legen nun erstmals in dieser Runde die Flugbegleiter ihre Arbeit nieder. Sie planen ab Freitag den längsten Streik in der Lufthansa-Geschichte, wählen aber eine neue Taktik.

Mit einer neuen Streiktaktik wollen die Flugbegleiter die Lufthansa treffen. (Archivfoto)

Quelle: dpa

Frankfurt/Main. Nun also die Flugbegleiter: Lufthansa-Passagiere müssen in den kommenden Tagen immer wieder mit streikbedingten Flugausfällen rechnen. Ganze acht Tage lang soll der Arbeitskampf der Gewerkschaft Ufo dauern, doch den genauen Ablauf lässt die Spartengewerkschaft bewusst im Dunklen. Bislang teilte die Gewerkschaft nur mit, dass aus Rücksicht auf die Planungen der Passagiere wegen der kurzen Frist bis Freitag, 12 Uhr, nicht gestreikt werde. Weitere Einzelheiten werde man „rechtzeitig“ am Freitagvormittag bekanntgeben.

Ufo-Chef Nicoley Baublies machte am Donnerstag klar, dass man die Streiks von Tag zu Tag flexibel handhaben wolle, um der Lufthansa möglichst wenig Chancen auf Reaktionen zu geben. „Die Kunden müssen sich alle darauf einstellen, dass ihr Flug ausfallen könnte.“ Für die Intensität der Streiks komme es auch darauf an, ob das Unternehmen rechtliche Schritte einleite oder weitere Provokationen äußere.

Bei der Lufthansa suchte ein Krisenstab nach möglichen Antworten auf die neue Strategie. „Die auf vielleicht nur noch drei Stunden verkürzte Ankündigungszeit macht die Planung für uns und unsere Passagiere viel schwieriger“, sagte ein Sprecher. Bislang waren die Streiks der Piloten immer mit 24 Stunden Vorlauf angekündigt worden. Lufthansa könne erst im Anschluss an eine konkrete Streikankündigung einen Sonderflugplan erstellen und veröffentlichen, teilte das Unternehmen am Donnerstagabend mit. Mit einer Vorlaufzeit von nur wenigen Stunden zwischen Streikankündigung und Arbeitsniederlegung würden die Fluggäste „in besonderem Maße getroffen“. Lufthansa setze alles daran, die Auswirkungen möglicher Streiks für ihre Fluggäste so gering wie möglich zu halte

Ufo-Chef Baublies erklärte, bei der Last-Minute-Verhandlung am Donnerstag habe Lufthansa gedroht, bei Annahme der Ufo-Forderungen in Zukunft kein Kabinenpersonal mehr einzustellen und weitere Flugzeuge von der Lufthansa-Kerngesellschaft in andere, billigere Airlines zu verlagern. Lufthansa hatte hingegen erklärt, man sei bereit, auf alle Ufo-Forderungen zu den strittigen Betriebs- und Übergangsrenten einzugehen. Neueinsteigern sollte allerdings eine geringere Altersversorgung auf dem Niveau anderer DAX-Konzerne angeboten werden. Ufo verlangt in dieser Frage eine Gleichstellung auch der neuen Mitarbeiter. Lufthansa sei offenbar nicht in der Lage, die Bedürfnisse der eigenen Beschäftigten anzuerkennen, schimpfte der Gewerkschafter in einer schriftlichen Erklärung. „Sozialpartnerschaft ist keine Einbahnstraße und findet nicht nur zwischen den Tarifpartnern statt.“ Ufo und Lufthansa seien verpflichtet, alles dafür zu tun, dass die Mitarbeiter nach Jahrzehnten guter Arbeit in einen angemessen Ruhestand wechseln könnten. „Der Konzernführung scheint dies egal zu sein.“

Der Arbeitskampf betrifft nur die Lufthansa-Mutter, nicht aber die Konzerntöchter wie Germanwings, Eurowings, AUA oder Swiss. Auch einzelne Lufthansa-Fernstrecken, die von der Lufthansa Cityline betrieben werden, dürfen laut Ufo-Hinweisen an die eigenen Mitglieder nicht bestreikt werden. Lufthansa wollte ihre Passagiere so schnell wie möglich über Flugausfälle informieren. Die streikerfahrene Airline nutzt dafür elektronische Kanäle wie SMS, E-Mails und die eigene Homepage. Für den Ersatzflugplan waren zuvor verschiedene Szenarien entwickelt worden. Bei streikbedingten Ausfällen können Tickets kostenfrei umgebucht oder storniert werden, erklärte ein Sprecher.

Die Tarifverhandlungen für die Flugbegleiter ziehen sich bereits seit zwei Jahren hin. Auch mit den anderen Berufsgruppen der Piloten und des Bodenpersonals hat Lufthansa bislang keine Einigung zum Umbau der Altersversorgung erreicht. Grundsätzlich will der Kranich-Konzern nur noch feste Rentenzuschüsse zahlen, nicht aber mehr wie bislang die absolute Höhe der Renten garantieren. Dies hat in der andauernden Niedrigzinsphase zu erheblichen bilanziellen Belastungen des Eigenkapitals geführt. 

Bei den parallelen Verhandlungen für die rund 33.000 Bodenbeschäftigten machte Verdi am Donnerstag erneut deutlich, dass sie anders als die Ufo eine Systemumstellung nicht mitträgt und daher weiter auf garantierten Renten besteht.  Auch die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), die ihre Mitglieder seit April 2014 bereits 13 Mal streiken ließ, ist gegen die Umstellung auf Festbeiträge. Die VC hatte die Verhandlungen wieder aufgenommen, nachdem ein Gericht den 13. Streik im September abgebrochen hatte. Die Begründung hatte gelautet, dass dieser sich allzu offensichtlich gegen die unternehmerische Entscheidung gerichtet habe, die Billigschiene Eurowings außerhalb des deutschen Tarifrechts im Ausland auszubauen.

LVZ

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