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Mibrag-Chef sieht kein baldiges Aus der Braunkohle

Trotz Energiewende Mibrag-Chef sieht kein baldiges Aus der Braunkohle

Die Energiewende macht dem Braunkohlenförderer Mibrag zu schaffen. Mibrag-Chef Armin Eichholz glaubt aber nicht an ein rasches Ende der Braunkohle. Der Ausstieg aus dem Energieträger werde noch Jahrzehnte dauern.

Mibrag-Tagebau Vereinigtes Schleenhain.
 

Quelle: Jakob Richter

Zeitz.  Er hat eine beeindruckende sportliche Karriere hinter sich und war mehrfacher Medaillengewinner bei Welt-, Europa- und Deutschen Meisterschaften im Rudern. Höhepunkt war zweifellos 1988 der Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Südkorea im (West-)Deutschlandachter. Als Ruderer ist Armin Eichholz auch Gegenwind und unberechenbare Wellen gewohnt.

Ohne Zweifel passende Voraussetzungen, um als Chef der Mibrag (Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH) in Zeitz die durch die Energiewende erzeugten Turbulenzen zumindest einigermaßen zu meistern. „Ich fühle mich bei der Mibrag wohl, denn Braunkohle ist wie Rudern im Achter ein Mannschaftssport“, sagt der 53-jährige Manager, der seit gut einem Jahr an der Spitze des Unternehmens steht.

Der Kohleförderer gehört dem tschechischen Energiekonzern EPH. Die Zusammenarbeit bezeichnet Eichholz als sehr gut. Die Herausforderungen allerdings sind groß. Der Ausbau der erneuerbaren Energien setzt auch den hiesigen Braunkohleförderer unter Druck, das Geschäftsmodell scheint überholt.

Kohle-Förderung ging 2016 um 7 Prozent zurück

Die Mibrag förderte im vorigen Jahr im Süden von Leipzig in den Tagebauen Vereinigtes Schleenhain und Profen zusammen 17,3 Millionen Tonnen Braunkohle, ein Jahr zuvor waren es noch 18,6 Millionen Tonnen. 2013 waren es sogar 20 Millionen Tonnen gewesen. Der Umsatz reduzierte sich im vorigen Jahr auf 373 Millionen Euro, das sind fast 50 Millionen Euro weniger als 2013.

Für dieses Jahr rechnet Eichholz mit einer Stabilisierung, da sich bei den Kohlepreisen „eine leichte Erholung“ abzeichne. Die Mibrag schreibe auch weiterhin schwarze Zahlen, berichtet der verheiratete Vater von drei Kindern. Eine Größenordnung nannte er nicht.

Dennoch glaubt der promovierte Maschinenbauingenieur nicht an ein rasches Aus des fossilen Energieträgers. Der Ausstieg aus der Kernenergie laufe zwar, sich gleichzeitig auch noch aus der Kohle zu verabschieden „kriegen wir nicht hin“. Immerhin betrage der Anteil der Kohle an der Stromerzeugung in Deutschland 40 Prozent. In Nordrhein-Westfalen, wo Eichholz bis zu seinem Wechsel nach Zeitz die Braunkohle-Sparte von RWE leitete, liege die Quote sogar bei 50 Prozent.

Da es noch keine Lösungen gebe, um Strom in großem Maße zu speichern, was erforderlich ist, um die Menschen und Unternehmen auch dann mit Energie zu versorgen, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, werde die Kohle weiter benötigt. Der Rückzug werde sich „über Dekaden hinziehen“.

360 der bisher 2000 Arbeitsplätze fallen weg

Etwa um das Jahr 2050 herum werde die Bundesrepublik sicherlich so weit sein, dass dann nur noch sehr wenig Braunkohle aus dem Boden geholt wird. „Ich bezweifle nicht, dass dann eine Lösung für das Speichern vorhanden sein wird“, so der gebürtige Duisburger, der in Bochum studierte und sich als „Kind des Ruhrgebiets“ bezeichnet. In welcher Geschwindigkeit die Reduzierung der Kohleförderung erfolge, „kann ich nicht sagen“.

Also werde die Mibrag noch lange Zeit etwa das Kraftwerk Lippendorf mit Kohle versorgen. Dessen Laufzeit sei erst zur Hälfte herum. „Lippendorf und Schkopau gehören zu den modernsten Kraftwerken“. Zudem lieferten sie auch Fernwärme – Lippendorf an die Stadtwerke Leipzig, Schkopau an den Chemieriesen Dow. „Das ist auch klimapolitisch sinnvoll.“

Eichholz ist sich bewusst, dass die Mibrag vor einem grundlegenden Veränderungsprozess steht. Die Effizienz soll gesteigert werden, ein Sparprogramm wurde aufgelegt. Im Kern steht gegenwärtig der sozialverträgliche Abbau von 360 der 2000 Arbeitsplätze in der Kerngesellschaft. „Das macht keinen Spaß.“ Insgesamt beschäftigt die Mibrag 3000 Menschen. Zudem solle verstärkt in neue Geschäftsfelder eingestiegen werden, etwa in die Windkraft, oder in Dienstleistungen für Dritte.

Eichholz hätte sicherlich auch im Basketball statt im Rudern sportliche Erfolge feiern können. Eines aber hat der wohl längste Manager der Bundesrepublik auf jeden Fall: den Überblick. Das garantiert schon sein Gardemaß von 2,04 Metern.

Von Ulrich Milde

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