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Möbel-Riese Höffner eröffnet sein Kaufhaus in Günthersdorf neu

Nach Totalumbau Möbel-Riese Höffner eröffnet sein Kaufhaus in Günthersdorf neu

Sechs Monate lang wurde bei Höffner am Einkaufscenter Nova Eventis mit Hochdruck gearbeitet, jetzt ist es geschafft: Am Donnerstag eröffnet das Möbelhaus neu, die größte Investition ist allerdings für Kunden nicht zu sehen – ein 100 Millionen Euro teures neues Lager.

Höffner-Inhaber Kurt Krieger vor dem neuen Eingangstor in Günthersdorf.

Quelle: Christian Modla

Günthersdorf. Bei Möbel-Höffner in Günthersdorf geschieht Ungewöhnliches: Firmen-Gründer Kurt Krieger hat fast 150 Millionen Euro locker gemacht, um sein Haus am Einkaufscenter Nova Eventis für die Zukunft zu rüsten. Für rund 100 Millionen wurde ein neues zentrales Europa-Lager aus dem Boden gestampft und dafür drei Lager an anderen Standorten geschlossen.

Neben dem zentralen Kundendienst ist jetzt auch die zentrale Tourensteuerung für die tausend Höffner-LKW in Günthersdorf (Saalekreis) beheimatet. Und dem dort seit 25 Jahren stehenden Möbelhaus wurde eine zusätzliche Etage spendiert.

Nach sechs Monaten Bauzeit wird am Donnerstag um 9 Uhr wiedereröffnet – mit einem viertägigen Spektakel. Allein am erst Tag rechnet Höffner in Günthersdorf mit rund 15 000 Besuchern – denn Firmenchef Krieger hat bei den Eröffnungs-Rabatten nicht geknausert.

Günthersdorf setzt sich gegen Duisburg durch

„Es ist ja nicht so, dass sich keine andere Kommune über unsere Firmenentscheidung gefreut hätte“, meint Krieger, der gestern in seinem Günthersdorfer Haus persönlich nach dem Rechten sah. Doch bei der Zentralisierung der Höffner-Abteilungen und dem Bau des neuen Zentrallagers hätten halt auch andere Dinge berücksichtigt werden müssen. „Bei der Standortwahl stand Günthersdorf nur auf Platz vier“, verrät der Familienunternehmer, der in der Branche als medienscheu gilt.

Präferiert worden sei Duisburg, weil es den größten Binnenhafen Europas besitzt und mittlerweile auch bei Höffner sehr vieles aus Übersee angeliefert wird. Ebenfalls wegen seines Hafens habe Hamburg vor Günthersdorf gelegen. „Am Ende haben wir die Entscheidung nicht rational, sondern emotional getroffen“, so Krieger. „Wir fühlen uns in Günthersdorf sehr wohl und unsere Firmenzentrale vor den Toren Berlins ist relativ nah.“

Dabei hatte Krieger ursprünglich gar nicht vor, ein Möbelhaus in Günthersdorf zu bauen. „Als ich während der Wende hierherkam, wollte ich eigentlich nach Leipzig“, gesteht er. Doch dort habe niemand Interesse an ihm gehabt. Etwas später sei es ihm in Halle ähnlich ergangen. „Doch dort hat man mir erklärt, dass in Günthersdorf damals das einzige in der DDR geplante Einzelhandelscenter entsteht.“ Der Familienunternehmer mit Ostberliner Wurzeln kaufte deshalb dort mehrere Tausend Quadratmeter Fläche und ließ sein Möbelhaus darauf bauen. Bereut hat er es bis heute nicht.

Lagerkapazität kann weiter verdreifacht werden

In den vergangenen Monaten haben Krieger und seine Tochter – die inzwischen die Firmengeschäfte führt – ihre Flächen in Günthersdorf deutlich vergrößert. Zwei Drittel sind hinzugekommen, verrät der Senior-Chef. Der Kernfläche sei jetzt 60 Hektar groß, zwei weitere Teilflächen summieren sich noch einmal auf insgesamt 20 Hektar. „Wir können unsere Lager noch auf die dreifache Kapazität bringen“, betont der Möbelhändler. „Man weiß ja nie genau, was die Zukunft bringt.“

Auch der Firmeninhaber weiß allerdings ganz genau, dass seine Branche im Umbruch ist: Immer mehr Kunden kaufen im Internet ein, auf rund 10 Prozent wird der Online-Anteil mittlerweile geschätzt. „Ich gehe davon aus, dass es in den nächsten Jahren in der Möbelbranche 20 Prozent werden“, sagt Krieger. Aber viel mehr werde es dann wohl nicht werden. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich Leute eine Wohnzimmercouch kaufen, ohne sich vorher daraufzusetzen.“

Das neue Lager in Günthersdorf wurde auch deshalb so groß bemessen, weil Höffner mit seiner Hilfe stärker im Internet-Handel mitmischen will. 150 000 Lagerpositionen gibt es dort aktuell – das Bauwerk ist deshalb stattliche 44 Meter hoch geworden. Auch deshalb, weil sich der Familienunternehmer von seinen Enkeln nicht vorwerfen lassen will, er habe die Zeichen der Zeit verschlafen.

Verkaufsfläche steigt um 9000 Quadratmeter

Dies gilt auch für die anderen 17 Möbelhaus-Standorte von Höffner. Sie werden derzeit in einem Fünf-Jahres-Programm ähnlich wie Günthersdorf für die Zukunft fit gemacht. Allerdings will der Unternehmer nicht preisgeben, wie viel ihn dies insgesamt kostet. „Diese Zahl ist furchtbar“, meint er. „Das traue ich mir nicht zu sagen.“ Nur so viel: „Wir hoffen, dass wir damit die Weichen für die nächsten 20 Jahre stellen.“

In Günthersdorf steigt die Mitarbeiterzahl von Höffner jetzt deutlich. Dort arbeiten künftig rund 200 Menschen mehr – insgesamt sind es dann 1000, davon 93 Auszubildende. Über Umsätze spricht der verschwiegene Firmenlenker nicht so gern. Doch 15 bis 20 Prozent mehr Umsatz werde das jetzt deutlich größere Möbelhaus wohl bringen, schätzt er. Den Jahresumsatz seiner gesamten Gruppe beziffert er mit rund zwei Milliarden Euro. Er ist damit nach Ikea der zweitgrößte Möbelhändler in Deutschland und Marktführer in der Region Leipzig.

Im Günthersdorfer Möbelhaus ist die Verkaufsfläche um über 9000 Quadratmeter gestiegen, sodass unter anderem die Küchenabteilung mehr als verdoppelt werden konnte. Deutschland-Chef Thomas Dankert will die Aufmerksamkeit der Kunden mit „vier tollen Tagen“ gewinnen, die am Donnerstag starten und auch den Sonntag einschließen, an dem auch geöffnet sein wird. „Es sind Künstler wie Frank Schöbel, Veronika Fischer und Petra Zieger dabei“, wirbt Dankert. Höhepunkt sei ein kostenfreies Konzert mit Andreas Bourani. Tickets gibt es unter www.openair-gegen-blutkrebs.de.

Von Andreas Tappert

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