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Nach Verlust peilt Leipziger Telefonwerk 2010 wieder Gewinn an

Nach Verlust peilt Leipziger Telefonwerk 2010 wieder Gewinn an

Das angeschlagene Leipziger Telefonwerk ist vorerst gerettet. "Wir lassen die Talsohle hinter uns", sagte am Donnerstag Geschäftsführer Jörg Friedrich. Der Personalabbau ist beendet.

Leipzig. Umsatz und Auftragseingänge steigen wieder. Und nach einem Verlust im vergangenen Jahr strebt das Unternehmen 2010 mindestens ein ausgeglichenes Ergebnis an.

"Die Lage war sehr ernst", sagte Friedrich. "Wir hätten das Jahr nicht überstanden, wenn unsere Gesellschafter uns nicht geholfen hätten." Wegen der Wirtschaftskrise hatten die Kunden weniger bestellt, die Nachfrage ging zeitweise um rund 30 Prozent zurück. Das Werk firmiert als Siemens Enterprise Communications Manufacturing (SECM) und produziert vor allem Module für Mobilfunknetze und Festnetztelefone. Eigentümer sind der Technologie-Konzern Siemens (49 Prozent) und der Finanzinvestor Gores Group (51 Prozent).

Wegen des Absatzeinbruchs vereinbarte die Geschäftsleitung mit dem Betriebsrat im Herbst einen Personalabbau und einen Interessenausgleich. 80 der 461 Mitarbeiter verließen das Unternehmen. Einige nahmen eine Abfindung, die meisten wechselten zum 1. Januar in eine Beschäftigungsgesellschaft. Dort erhalten sie bis zu zwei Jahre lang 85 Prozent ihres Bruttolohns, ihnen wird bei der Stellensuche geholfen, das finanzieren die Gesellschafter. Wer aber "jetzt noch an Bord ist, bleibt an Bord", sagte Friedrich. Darüber informierte er gestern die Belegschaft.

Mittlerweile gehen wieder mehr Aufträge ein. Sogar innerhalb kurzer Zeit so viele, dass die Geschäftsleitung "einige Leiharbeiter" beschäftigen will. "Wir stellen aber niemanden dort ein, wo wir Mitarbeiter entlassen haben", sagte Mitgeschäftsführer Frank Zschämisch. "In den nächsten Monaten haben wir einfach übermäßig viel zu tun", sagte Roland Motzigemba, Vorsitzender des Betriebsrates. Ohne Leiharbeiter "sind die Aufträge ganz schnell woanders", meinte Zschämisch.

Umsatz- und Auftragswachstum verschaffen dem Werk nach Einschätzung des Managements aber nur "eine Atempause". Langfristig müsse das Unternehmen weitere Produkte herstellen und neue Auftraggeber gewinnen. Zum einen, weil das Werk für Funkmodule und Telefone immer weniger Geld bekomme. Die Preise fielen weltweit so stark, dass die Einnahmeverluste auch durch einen höheren Absatz nicht ausgeglichen werden könnten. Zum anderen, weil "wir bisher nur zwei Hauptkunden haben", erklärte Friedrich. "Und wenn die husten, haben wir eine schwere Grippe." Wie im vergangenen Jahr.

Deshalb sei eine Unternehmensberatung damit beauftragt worden, die Möglichkeiten des Leipziger Telefonwerks zu prüfen. Was und für wen kann es noch produzieren? "Wir werden keine Kochtöpfe anbieten", sagte Friedrich. "Unsere Kernkompetenzen sind Elektro- und Kunststofffertigung." Spätestens im nächsten Geschäftsjahr müsse dieses neue Geschäft aufgebaut werden.

"Wir sind recht optimistisch", sagte Motzigemba. Dennoch sehe er das Werk noch nicht ganz gerettet. Die Gesellschafter hätten lediglich eine Standortgarantie bis 2011 gegeben. Deshalb würde viel davon abhängen, ob es dem Telefonwerk gelinge, ein weiteres Geschäftsfeld aufzubauen. 2010 wird aber erst einmal "ein relativ gutes Jahr", prognostizierte Motzigemba. Die Geschäftsleitung legt sogar ein Bonusprogramm auf. Darüber sollen die Mitarbeiter am Geschäftserfolg beteiligt werden.

Markus Werning

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