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Nahverkehr auf Abruf: Dobrindt stellt in Leipzig Pilotprojekt vor

Weltverkehrsforum Nahverkehr auf Abruf: Dobrindt stellt in Leipzig Pilotprojekt vor

Am Mittwoch wurde das Weltverkehrsforums in Leipzig eröffnet. Dabei stellte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ein Pilotprojekt für den öffentlichen Nahverkehr vor. Es setzt ganz auf digitaler Technik.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat am Mittwoch bei der Eröffnung des Weltverkehrsforums in Leipzig ein Pilotprojekt vorgestellt, das eine flexible Alternative zu klassischen Mobilitätskonzepten verspricht.

Quelle: dpa

Leipzig. Unpraktisch, nicht rentabel, altmodisch – der öffentliche Nahverkehr kämpft in ländlichen Regionen ums nackte Überleben. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat am Mittwoch bei der Eröffnung des Weltverkehrsforums in Leipzig ein Pilotprojekt vorgestellt, das eine flexible Alternative zu klassischen Mobilitätskonzepten verspricht.

Ab September sollen in der bayerischen Kleinstadt Freyung neben den Linienbussen auch Fahrten auf Abruf möglich sein. Das System ist eine Mischung aus Taxi und Bürgerbus, wie es ihn zum Beispiel als Modellversuch im Vogtland gibt. Entwickelt wurde das  Freyunger Konzept von der Startup-Firma „door2door“. Feste Routen, Fahrpläne und Haltestellen gibt es nicht, dafür Service von Tür zu Tür. Bestellt wird die Fahrt über eine eigene App. Ein Algorithmus berechnet die Route, informiert die privaten Transportunternehmen, bestimmt das passende Auto und erstellt ein Angebot für den höchstmöglichen Preis. Der hängt ebenfalls davon ab, wie viele Gäste die selbe Tour buchen – Taxi teilen digital. Wie viel die Fahrten tatsächlich kosten, liege in den Händen der Kommunen und privaten Anbieter, erklärt Maxim Nohroudi. Der „door2door“-Gründer schätzt: „Wer ganz allein fährt, bezahlt etwa die Hälfte des örtlichen Taxipreises. Wenn man mit vier bis sechs Leuten im Auto sitzt, sind es 20 bis 40 Prozent mehr als beim klassischen ÖPNV.“

Vertrauen in neue Technik

Die Gefahr, dass die neue Technik mangels Erfahrungen mit Smartphones und Tablets an älteren Fahrgästen vorbeigehen könnte, sieht Nohroudi nicht. „Der Anteil der Menschen, die solche Technologien scheuen, ist gering. Für sie werden wir die Telefonbestellung und Barzahlung eine Zeit lang aufrechterhalten.“ Dobrindt ist ebenso sicher: „Von der Idee, dass es eine Generation gibt, die sich nicht mit Digitalisierung beschäftigt, müssen wir uns verabschieden.“ Seine Erfahrung habe außerdem gezeigt, dass es leichter sei über „door2door“ eine Fahrt zu buchen, als an gängigen ÖPNV-Automaten ein Ticket zu kaufen.

Der Freyunger Stadtrat teilt das Vertrauen in die neue Technik. Erst am Montag votierten die Mitglieder einstimmig für das Projekt. Auch Bürgermeister Olaf Heinrich ist sich sicher, das Richtige zu tun: „Wir sind davon überzeugt, dass wir  die Qualität der Mobilität enorm verbessern und gleichzeitig die Kosten für den öffentlichen Nahverkehr reduzieren können.“ Zumindest das zweite Ziel dürfte kein leichtes Unterfangen werden. Zunächst muss die Stadt in das Know-how investieren, wie viel genau das ist, wollte Heinrich nicht verraten. Eine staatliche Förderung gibt es nicht. Von den Einnahmen des neuen Rufsystems profitieren zudem nur die privaten Anbieter und „door2door“. Das Startup hat eine Umsatzbeteiligung ausgehandelt und ist derzeit mit weiteren 50 Städten über das Projekt im Gespräch. Trotzdem sei es laut Bürgermeister Heinrich nicht vorgesehen, Linien des ÖPNV zu streichen. Gleichwohl müsse man überlegen, auf wenig genutzten Routen statt großen Bussen kleinere Fahrzeuge einzusetzen.

Bis zum Freitag treffen sich beim Weltverkehrsforum auf der Leipziger Messe über 1000 Vertreter aus rund 70 Staaten und diskutieren Mobilitäts-Fragen.

Anton Zirk

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