Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 8 ° Regen

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Nexö-Druckerei vor Neustart: Gläubiger geben grünes Licht für Insolvenzplan

Nexö-Druckerei vor Neustart: Gläubiger geben grünes Licht für Insolvenzplan

Aufatmen in der insolventen Traditionsdruckerei Offizin Andersen Nexö (OAN) in Zwenkau: Mit breiter Mehrheit stimmten die Gläubiger gestern dem vorgelegten Insolvenzplan zu - und verzichten auf einen großen Teil ihrer Forderungen.

Voriger Artikel
Lange Wartezeiten: Erneut Warnstreik am Flughafen Leipzig/Halle
Nächster Artikel
Grundversorgung der Stadtwerke Leipzig: Strompreise bleiben konstant - Gas wird billiger

Offizin Andersen Nexö im Gewerbegebiet Zwenkau.

Quelle: André Kempner

Leipzig/Zwenkau. Wenn nun noch die Gläubiger der Töchter Messedruck und Leipziger Kunst- und Verlagsbuchbinderei (KuVe) grünes Licht geben, könnte OAN bald die Insolvenz hinter sich lassen. Wenn alles nach Plan gehe, könnte das Verfahren am 1. März 2014 abgeschlossen werden und das Unternehmen neu durchstarten, sagte OAN-Chef Stephan Treuleben.

Am Ende ging es schneller als erwartet. Eigentlich hatte sich Treuleben gestern schon auf eine längere Diskussionen eingestellt. Schließlich sollten die Gläubiger auf viel Geld verzichten, das ihnen OAN schuldet. Doch schon nach zwei Stunden war die Abstimmung durch - und der Insolvenzplan mit satter Mehrheit angenommen.

Mehr als 30 Gläubiger, denen das Unternehmen noch Geld schuldet, waren um 10 Uhr in den großen Saal des Leipziger Amtsgerichts gekommen - so viele, wie bei keiner der beiden bisherigen Versammlungen. Treuleben und der Sachwalter Rüdiger Wienberg, der ihm seit der Insolvenz Ende letzten Jahres zur Seite gestellt wurde, präsentierten dann den Insolvenzplan, mit dem sie das Unternehmen wieder flott machen wollen. Am Ende konnten sie die Versammelten überzeugen: "Von den Stimmberechtigten hat nur einer dagegen gestimmt", sagte Treuleben nach der Versammlung, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Gemessen an den Forderungen lag die Zustimmung bei über 99 Prozent. "Das war wirklich ein großer Erfolg", freute sich Treuleben nach dem klaren Votum.

Dabei müssen die Gläubiger einen Großteil ihrer Außenstände in den Wind schreiben. Nur drei von ihnen, die ihre Forderungen über Sicherheiten wie Hypotheken abgesichert hatte, bekommen ihr Geld zu 100 Prozent zurück. Für alle anderen gibt es zunächst nur drei Prozent, von jedem Euro gehen also 97 Cent verloren. Sollte es mit OAN wieder bergauf gehen und 2015 ein bestimmter Gewinn erwirtschaftet werden, dann soll es noch einmal zwei Prozent Nachschlag geben, sagte Treuleben. Und wenn die Managerhaftpflichtversicherung seines Unternehmens zahlen sollte, dann werde das unter den Gläubigern verteilt.

An der Abstimmung nahmen am Ende deutlich mehr als gut 30 Leute teil, die im Saal waren. Viele hatten Vollmachten dabei, die meisten Betriebsratschefin Kerstin Schneiderheinze (46), die insgesamt für 175 Mitarbeiter abstimmte. Und das ist fast die komplette verbliebene Belegschaft in Zwenkau. "Für sie geht es aber nur noch um nicht bezahlte Überstunden", versicherte Treuleben. Gehalt sei keins mehr offen. Zunächst hatte es drei Monate lang Insolvenzgeld gegeben. Seither werde das Gehalt wieder pünktlich bezahlt. "Und das klappt auch", sagte Schneiderheinze.

Tiefe Einschnitte hatte die Belegschaft schon vor der Gläubigerversammlung akzeptiert. Von den einst 330 Jobs in Zwenkau und Baalsdorf wurden 150 gestrichen. Die 180, die bleiben, verzichten auf Urlaub und bezahlte Pausen. Bezahlte Pausen und Freischichten, die es bisher für Mitarbeiter im Drei-Schicht-Betrieb der Druckerei gab, wurden gestrichen, der Jahresurlaub von 30 auf 25 Tage gekürzt. "Das ist schmerzlich und trifft die Mitarbeiter hart", sagte Betriebsratschefin Schneiderheinze. Um ihre Jobs zu retten, hätten am Ende aber alle 180 zugestimmt. "Das ist der Beitrag der Belegschaft zur Sanierung", so die Betriebsrätin. "Jetzt hoffen wir alle, dass es weitergeht."

Deutlich härter traf des die Töchter Messedruck und KuVe in Baalsdorf: Messedruck machte ganz dicht, KuVe zog mit stark ausgedünnter Mannschaft in die Zentrale nach Zwenkau. Und auch am Stammsitz fielen dann noch einmal 40 Stellen weg.

Für die Zukunft zeigte sich Treuleben nun aber zuversichtlich. Man habe die Insolvenz genutzt, um das Unternehmen gesundzuschrumpfen. "Jetzt bin ich optimistisch, dass wir die richtige Größe haben, um am weiter schwierigen Markt für Druckerzeugnisse Erfolg zu haben."

Zunächst müsse man aber das Insolvenzverfahren endgültig abschließen. Das werde wohl noch bis Februar dauern. Zuvor müssen auch die Gläubiger der Töchter Messedruck und KuVe abstimmen. Die nächsten Termine stehen bereits: Am 21. November wird bei Messedruck abgestimmt, am 5. Dezember bei KuVe. Bis dann alle Formalitäten erledigt und alle Widerspruchsfristen verstrichen sind, werde es aber wohl noch bis Ende Februar dauern, sagte Treuleben. Im März 2014 könnte das Insolvenzverfahren dann endlich abgeschlossen werden - nach gut 15 Monaten. "Das ist unser Zeitplan."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.11.2013

Frank Johannsen

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wirtschaft
  • Jetzt einschalten!

    Begeistern Sie Ihre Kunden mit Ihren eigenen Angeboten & Informationen auf großen Bildschirmen – spielend einfach mit der LVZ Mediabox. mehr

  • Unsere Empfehlung

    Kein Display? Kein Problem! Von 22 bis 55 Zoll - mit unseren Mediabox-Komplettsystemen bieten wir Ihnen immer die individuell passende Lösung an. mehr

  • Top Preis

    Sie besitzen bereits einen Display? Mit der LVZ Mediabox steuern Sie ihre individuelle Sendeschleife bequem über das Internet. mehr

  • Sie bestimmen das Programm

    Individuell und aktuell: Ihre Informationen, Angebote und Aktionen sowie News der LVZ und von N24 auf der LVZ Mediabox mehr