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Ob Maschinen oder Mangas: Die Leipziger Messe erfindet sich immer neu

Messe nicht out Ob Maschinen oder Mangas: Die Leipziger Messe erfindet sich immer neu

Wer über die Buchmesse, die Haus-Garten-Freizeit oder die Modell-Hobby-Spiel schlendert, merkt eines schnell: Messen sind nicht out. Doch gilt das auch für andere Branchen? Lesen Sie, wie sich die Leipziger Messe immer wieder neu erfindet.

Im Doppelpack: Intec und Z gehören zu den erfolgreichen Fachmessen, auf denen Fachbesucher die neuesten Maschinen anschauen können.  

Quelle: Archiv

Leipzig. Zum Dreamhack-Festival soll im Januar 2016 die Gamer-Elite nach Leipzig kommen. Das war wohl der größte Überraschungscoup der Leipziger Messe in diesem Jahr. Die muss sich immer wieder neu erfinden, um auch in Zukunft bestehen zu können. Dabei will die Messe an ihre erfolgreiche Spielemesse Games Convention anknüpfen, die sie im Jahre 2009 an die Konkurrenz in Köln verloren hat. „Computerspiele haben sich zu einem festen Bestandteil unseres Zeitgeists entwickelt“, sagt Messegeschäftsführer Markus Geisenberger. Riesige LAN-Partys und eSports-Turniere, bei denen Gamer aus aller Welt vor einem begeisterten Publikum ihre Fähigkeiten zeigen, seien der beste Beweis dafür. Dabei pilgern viele Fans zu den internationalen Turnieren. Das 1994 in Schweden gegründete Computerspiel-Festival gilt als weltweit größte Veranstaltung ihrer Art – Ableger davon konnten sich in Frankreich, Spanien und Rumänien etablieren. Und nun hoffentlich in Leipzig. Zur Premiere im kommenden Jahr wird es einen LAN-Bereich geben, der 1000 Spielern die Möglichkeit bietet, 56 Stunden vor Ort mit- und gegeneinander anzutreten. Hochklassige Turniere zu verschiedenen Spielen gibt es ebenso wie die neuesten Innovationen bei den Ausstellungen.

Etwas ganz Besonderes ist die OTWorld. Mit ihr ist es Leipzig gelungen, eine Weltleitmesse zu etablieren – 550 Anbieter aus etwa 40 Ländern treffen sich mit ihren Innovationen für den globalen Hilfsmittelmarkt an der Pleiße. Orthopädie-Techniker, Orthopädieschuhmacher, Reha-Techniker, Fachhändler, Ingenieure, Mediziner und Therapeuten kommen 2016 sogar zum Weltkongress zusammen. Auf insgesamt 10000 Quadratmetern baut die Messe für den Weltkongress eigens ein hochmodernes, multifunktionales Kongresszentrum in die Halle 3. Zusätzlich wird ein variabler Vortragsbereich für Ausstellerworkshops in Halle 5 installiert. „Welten verbinden – unter diesem Stichwort rücken wir Messe und Kongress noch näher zusammen“, sagt Klaus-Jürgen Lotz, Präsident des Bundesinnungsverbandes für Orthopädie-Technik. Dieser ist ideeller Träger der OTWorld.

Es ist für die Messe immer von Vorteil, mit Branchen und Communities eng zusammenzuarbeiten und gemeinsam neue Ideen zu kreieren. Beispiel Manga-Comic-Con. Die wurde parallel zur  Buchmesse entwickelt und hat sich als Treffpunkt für alle Liebhaber von Comics, Manga, Cosplay, Japan und Games etabliert. Zuletzt sind da immerhin 93000 Besucher gekommen, hieß es.

Neue Maßstäbe will die Messe aber auch mit ihren Kongressen setzen. Ein gutes Beispiel dafür ist der LINC Kongress („Leipzig Interventional Course“), zu dem Gefäßmediziner aus aller Welt nach Leipzig reisen. Live-Schaltungen aus aller Welt sind dabei längst zum „Markenzeichen“ geworden. In diesem Jahr waren mehr als 4800 Teilnehmer aus 70 Ländern dabei. Es gab mehr als 90 Liveübertragungen aus 13 Krankenhäusern weltweit, darunter Singapur, Japan, Belgien oder Brasilien. „Operierende Ärzte beantworten live Fragen des Publikums. Das wird durch geschulte Kamerateams und hochspezialisierte modernste Technik ermöglicht“, so Messesprecher Steffen Jantz.

Unerlässlich für die Zukunft ist, dass sich bewährte Messen immer wieder neu erfinden müssen, um mit der Entwicklung von Technik und Technologie Schritt zu halten.  Intec, die Internationale Fachmesse für Werkzeugmaschinen, Fertigungs- und Automatisierungstechnik, sowie Z – Internationale Zuliefermesse für Teile, Komponenten, Module und Technologien – beweisen, dass Fachmessen weiterhin große Relevanz haben. „Die Fachbesucher möchten die Produkte der Aussteller weiterhin vor Ort genau unter die Lupe nehmen und sich im Gespräch mit Experten einen detaillierten Eindruck davon verschaffen“, so Jantz.  Die Firmen machen ihre Maschinen erlebbar – und das in einem von Messe zu Messe größeren Umfang. Der Kontakt von Ausstellern zu Fachbesuchern und die daraus resultierende Vertrauensbasis seien nicht zu unterschätzen, so Jantz.  Dieses Jahr gibt es 39 Messen, darunter Neuentwicklungen wie die Fachschau „Iss gut“ für Gastgewerbe und Ernährungshandwerk. Läuft die eine oder andere nicht wie gewünscht, gibt es keine Neuauflage. Oder die Lizenz wird – wie im Falle der Immobilienmesse – an andere Veranstalter vergeben.

 

Aufbruch in eine neue Zeitrechnung

Leipzig. Als „Schaufenster in den Westen“ hatte sich die Technische Messe am Fuße des Völkerschlachtdenkmals etabliert. Die DDR-Führung nutzte die Gelegenheit, die Leistungsfähigkeit des Sozialismus zur Schau zu stellen. Für die Leipziger war es eine willkommene Gelegenheit, sich die pralle Warenwelt des Westens wenigstens anzuschauen und vielleicht Prospekte oder Plastiktüten zu ergattern. Anfang der 1980er-Jahre spitzte sich die ökonomische Situation in der DDR zu. Das war an Gebäuden in der Stadt mit kaputten Dächern, Fassaden oder zugeklebten Fenstern deutlich zu erkennen. Auch die Messehallen wurden zusehends marode – was notdürftig repariert und übertüncht wurde. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung wuchs.

Während immer mehr Menschen auf die Straße gingen und das Regime kritisierten, schmiedete die Messeführung Pläne, eine neue Halle für die chemische Industrie und ein internationales Bankenzentrum zu bauen. Die Vision hatte ein jähes Ende, als die Menschen bei der Friedlichen Revolution im Herbst 1989 ihre Freiheit sowie letztlich die Maueröffnung und deutsche Einheit erkämpften.

Die Leipziger Messe stand wie schon zuvor in ihrer Geschichte am Scheideweg. Plötzlich musste die „Drehscheibe zum Ostblock“ mit bundesdeutschen Messen konkurrieren. Die DDR-Planwirtschaft war buchstäblich am Ende. Niemand wusste, ob die Kombinate noch Produkte liefern oder kaufen konnten. Spätestens mit der Einführung der D-Mark am 1. Juli 1990 wurde es immer kritischer, zumal die Treuhand nach der Währungsunion volkseigene Betriebe verkaufte oder zuhauf abwickelte. Zur Herbstmesse 1990 kamen weniger Aussteller, die zudem kaum Geschäfte machten. Westmedien erklärten die Messe bereits für tot – viele Kunden aus den sozialistischen Bruderländern fuhren an Leipzig vorbei zur Konkurrenz im Westen. Doch von der Treuhand kamen Signale, Leipzig und seine Traditionen unbedingt zu retten. Die vormals volkseigene Messe wurde schließlich an den Freistaat Sachsen und die Stadt Leipzig übertragen.

Eine schwierige Entscheidung, die auch kontroverse Diskussionen in Leipzigs Bevölkerung – darunter auch in der LVZ – auslöste, stand an. Sollte das alte Messegelände mit seinen heruntergewirtschafteten Hallen saniert werden? Mindestens 1,78 Milliarden DM würde dies kosten, errechnete ein Architektenbüro aus Hannover. Oder doch einen Neuanfang mit einem neuen Gelände wagen? Dafür war ein Areal im Norden Leipzigs auserkoren. Oberbürgermeister Hinrich Lehmann-Grube (SPD) ließ sich ebenso wie die Stadtverordnetenversammlung überzeugen – zumal der Bund eine Anschubfinanzierung von 300 Millionen DM zusagte. Am 25. August 1993 legte Bundeskanzler Helmuth Kohl (CDU) den Grundstein fürs neue Messegelände, das nach Plänen des Büros Gerkan, Marg und Partner gebaut wurde. Kosten: 1,335 Milliarden DM. Die neue Zeitrechnung begann mit der Eröffnung am 12. April 1996. Auch inhaltlich hat sich die Messe neu erfunden. Statt der vormals üblichen Frühjahrs- sowie Herbstmesse gibt es Fach- und Branchenmessen übers ganze Jahr verteilt.

Mehr Details zur Historie der Messe finden sie auch im LVZ-Buch „Märkte, Muster, Menschen - 850 Jahre Leipziger Messen“. Das gibt es in den LVZ-Geschäftsstellen sowie im Handel zum Preis von 19,95 Euro.

Aus der Leipziger Volkszeitung, 07.07.2015
von Mathias Orbeck

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