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Ost-Unternehmen fordern von Südzucker Schadenersatz

Nach Kartellstrafe Ost-Unternehmen fordern von Südzucker Schadenersatz

Vor Gericht stehen sie sich wie David und Goliath gegenüber: Der Knusperflocken-Hersteller Zetti verklagt Südzucker. Die Zeitzer sind aber nicht allein. Weitere Unternehmen aus Mitteldeutschland fordern von dem Konzern Millionen.

Zetti und Bad Brambacher ziehen gegen ihren Zuckerlieferanten Südzucker vor Gericht.
 

Quelle: Patrick Moye

Zeitz/Mannheim.  In Zeitz sind die beiden Betriebe nur 2000 Meter voneinander entfernt: Südzucker und der „Knusperflocken“-Hersteller Zetti. Ihren Streit tragen die beiden aber im 360 Kilometer entfernten Mannheim aus. Vor dem dortigen Landgericht verklagt Zetti seinen Zuckerlieferanten auf Schadenersatz. Jahrelang, so der Vorwurf, soll der Hersteller sich mit seinen Konkurrenten abgesprochen und zu hohe Preise verlangt haben.

Das sehen andere Unternehmen auch so. Mindestens zwei weitere Firmen aus Mitteldeutschland fordern ebenfalls Schadenersatz von ihrem Zuckerlieferanten: Bad Brambacher Mineralquellen aus dem Vogtland und die Wergona-Schokoladenfabrik in Wernigerode. Das geht aus einer Übersicht der bisher angemeldeten Forderungen hervor, die der LVZ vorliegt.

Abnehmer aus Mitteldeutschland fordern fünf Millionen Euro

Insgesamt verlangen die drei Betriebe mehr als fünf Millionen Euro. Zetti ist mit knapp einer Million dabei, Wergona mit zwei Millionen und Bad Brambacher, wo vor allem die Limonade viel Zucker enthält, sogar mit 2,2 Millionen Euro.

Die Unternehmen selbst halten sich bedeckt. „Wir geben dazu keine Auskunft“, sagte Wergona-Geschäftsführer Rüdiger Bonner der LVZ. „Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, bitten wir um Verständnis, dass wir uns hier nicht äußern“, erklärte eine Sprecherin der Kulmbacher Brauerei, zu der Bad Brambacher gehört.

Millionenstrafe gegen Zuckerkartell verhängt

Hintergrund des Streits: Das Bundeskartellamt hatte 2014 eine Kartellstrafe gegen die drei großen Hersteller Südzucker, Nordzucker und Pfeiffer & Langen (Diamant, Kölner Zucker) verhängt. Bis zu einer Razzia 2009 sollen die drei den Markt unter sich aufgeteilt haben.

Sachsen und Thüringen waren dabei Südzucker-Revier, Sachsen-Anhalt war zwischen den drei Herstellern aufgeteilt. Im Süden regiert Südzucker mit dem Standort Zeitz, in der Mitte Pfeiffer & Langen in Bernburg und im Norden Nordzucker in Klein Wanzleben bei Magdeburg.

280 Millionen Euro Strafe mussten die drei deshalb zahlen. Der Löwenanteil entfiel auf Südzucker: 195,5 Millionen Euro. Die Schadenersatzklagen könnten die Zuckerhersteller jetzt sogar noch teurer zu stehen kommen. Mehr als 35 Betriebe fordern über 500 Millionen Euro von dem Trio.

David gegen Goliath vorm Mannheimer Gericht

Allein Nestlé verlangt 50 Millionen Euro, Katjes 37 Millionen. Auch mehrere Molkereien, die für Joghurt und Milchmixgetränke ebenfalls viel Zucker brauchen, sind dabei: Das Deutsche Milchkontor aus Bremen, zu dem auch die Thüringer Osterland-Molkerei gehört, verlangt 28 Millionen, die Sachsenmilch-Mutter Müller-Milch 30 Millionen.

Zetti ist nun als einer der ersten, dessen Fall vor Gericht landete – und zwar in Mannheim, wo Südzucker seine Zentrale hat. Beim Prozessauftakt am 2. September standen sich beide wie David und Goliath gegenüber: Obwohl vom Streitwert her für den Zuckerriesen eher ein kleiner Fisch, sahen sich die zwei Zetti-Anwälte mit einer ganzen Bank von sechs Juristen der Gegenseite konfrontiert. Die anderen beiden Zuckerkonzerne stehen ihrem Ex-Partner als Streithelfer zur Seite.

Südzucker bestreitet jeden Schaden

Im Gerichtssaal bestritt Süßzucker dann, dass den Kunden überhaupt ein Schaden entstanden ist. Der Zuckerpreis wäre auch ohne Kartell nicht niedriger gewesen. „Hier ist kein Schaden entstanden“, erklärte ein Sprecher. Und ohne Schaden gebe es auch keinen Schadenersatz. „Ohne konkreten Nachweis von entstandenen Schäden sieht Südzucker sämtliche Forderungen als nicht berechtigt an.“

Das sahen die beiden Juristen der von Zetti beauftragten Kanzlei CMS Hasche Sigle anders. „Wenn man Kunde eines Kartells ist, dann ist man vom Kartell betroffen“, sagte einer der beiden Anwälte im Gerichtssaal. Für die Jahre 2000 bis 2010 verlangt Zetti daher mehr als 900 000 Euro Schadensersatz plus Zinsen. Das ist fast ein Viertel dessen, was Zetti in der Zeit für Zucker bezahlt hat: 4,2 Millionen Euro.

Gutachten soll Klarheit bringen

Der Richter hat die Entscheidung erst einmal vertagt. Er will jetzt per Gutachten klären lassen, ob ein Schaden entstanden ist. Beide Seiten haben jetzt Bedenkzeit bis 21. Oktober Dann wird weiter verhandelt. Mit einem schnellen Ende des Verfahrens rechnet aber niemand. „Es wird uns die nächsten Jahre beschäftigen“, sagte der Südzucker-Sprecher.

Weitere Verfahren könnten noch folgen. Andere Schokoladen- und Brausehersteller würden die Sache sehr genau beobachten, war aus beiden Branchen zu hören. Im Fall der Fälle würden sie dann eigene Klagen aus der Schublade ziehen. Konkret äußern wollte sich dazu aber noch keines der von der LVZ angefragten Unternehmen.

Kein Thema ist das dagegen beim Bad-Brambacher-Konkurrenten Margon Brunnen aus Lichtenau. „Unser Süßgetränkeanteil ist ja sehr gering“, sagte Geschäftsführer Paul K. Korn der LVZ. „Uns hat das daher nicht groß betroffen.“

Von Frank Johannsen

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