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Parodontitis: Das unterschätzte Zahnfleisch-Leiden

LVZ-Serie: Auf den Zahn gefühlt, Teil 3 Parodontitis: Das unterschätzte Zahnfleisch-Leiden

Parodontitis ist zur Volkskrankheit geworden und kann bis zum Zahnausfall führen. Wie abgestorben und weich fühlte sich das Zahnfleisch an.Laut der jüngsten Mundgesundheitsstudie des Instituts der Deutschen Zahnärzte haben 8,2 Prozent der 35- bis 44-Jährigen eine schwere Parodontitis.

Parodontitis ist zur Volkskrankheit geworden. (Symbolfoto)

Quelle: dpa

Leipzig. Wie abgestorben und weich fühlte sich das Zahnfleisch an: Katrin Steinert aus Görlitz erinnert sich an die ersten Schmerzen vor zwei Jahren. „Ich hatte schlechten Mundgeruch, es bildeten sich Wülste.“ Empfindliche Zahnhälse hatte sie schon länger. Nun aber waren die Schmerzen nicht nur bei Reizungen wie Kälte da, sondern schon bei kleinsten Berührungen. Dass es beginnende Parodontitis war, erfuhr die heute 55-Jährige bei Dr. Angela Grundmann in Löbau. Die Zahnärztin ist durch eine Zusatzausbildung Expertin für Parodontitisbehandlungen.

Das Problem

Laut der jüngsten Mundgesundheitsstudie des Instituts der Deutschen Zahnärzte haben 8,2 Prozent der 35- bis 44-Jährigen eine schwere Parodontitis, bei 65- bis 74-Jährigen sogar jeder Fünfte. Da die Deutschen immer älter werden, wird mit einer Zunahme des Behandlungsbedarfs gerechnet. Parodontitis – umgangssprachlich Parodontose – ist mehr als eine Zahnfleischentzündung. Denn auch der Zahnhalteapparat ist betroffen. Auslöser sind Bakterien sowie Mineralien vor allem aus Nahrungsresten, die sich zwischen Zahn und Zahnfleisch festsetzen. Wird dieser Belag nicht regelmäßig gründlich entfernt, entzündet sich das Zahnfleisch und mit ihm das gesamte Zahnbett. Es kommt zu Anschwellungen, starken Rötungen, empfindlichen Zahnhälsen und zu Blutungen. „Parodontitis an sich tut nicht weh“, sagt Dr. Grundmann. Aber Blutungen, Spannungen durch geschwollene Stellen und Mundgeruch seien für die Patienten unangenehm.

Mit zunehmendem Befall löst sich das Zahnfleisch vom Zahn, und eine Zahnfleischtasche entsteht. Die Belä- ge setzen sich darin fest und können die Knochen angreifen. „Je tiefer die Taschen sind, umso schwieriger ist die Reinigung“, sagt Dr. Grundmann. Schmerzen treten meist erst bei starken Anschwellungen und Vereiterungen auf. In einem späten Stadium zersetzt sich der Zahnknochen, der Zahn wird locker, muss gezogen werden. Bei Schwan- geren steigt das Risiko einer Frühgeburt.

Die häufigste Ursache von Parodontitis ist unzureichende Mundhygiene. Aber auch Diabetes, starkes Rauchen, eine Immunschwäche nach Transplantationen oder Tumorbehandlungen, erbliche Vorbelastungen und Hormonumstellungen können dazu führen. Bei Patientin Katrin Steinert waren Brücken und Kronen das Problem, unter denen sich Nischen gebildet hatten, die weder durch Zahnbürste noch Zahnseide erreicht werden konnten.

Die Behandlung

Eine Parodontitis wird in mehreren Schritten behandelt. Für den Erfolg ist die Mitwirkung des Patienten entscheidend – in Form von besonders gründlicher Mundhygiene. „Zunächst werden mit einer Sonde die Taschentiefen gemessen“, sagt die Zahnärztin. Ab etwa vier Millimetern sollte eine Behandlung anschließen, wenn gleichzeitig Entzündungszeichen erkennbar sind. Vorher müssen Zahnstein, aber auch Reize durch Überstände von Füllungen beseitigt werden. Ist die Erkrankung schon stark vorangeschritten, kann auf Keime getestet und ein entsprechendes Antibiotikum verordnet werden. In der Regel schließt sich ein sogenanntes geschlossenes Verfahren an. Das heißt, der Zahnarzt reinigt mit speziell geformten Instrumenten – Scalern und Küretten – nach örtlicher Betäubung Zahnfleischtaschen, Wurzeloberflächen sowie Bereiche zwischen Zahn und Zahnfleisch. „Da wir dabei ohne Sicht, arbeiten, helfen uns Röntgenbilder und Erfahrungswerte“, sagt Grundmann.

Reicht das nicht aus, wird das Zahnfleisch im offenen Verfahren vom Knochen abgetrennt und weggeklappt, sodass schwer zugängliche Wurzeloberflächen und Taschen gereinigt werden können. Vor und während der Behandlung sorgt Dr. Grundmann für entspannte Patienten – durch ablenkende Gespräche, Naturaufnahmen in Sichtweite und Meditationsmusik.

Ganz wichtig: Alle drei bis sechs Monate ist eine Kontrolluntersuchung nötig. Dabei werden Beläge entfernt, Zahnfleischtaschen gemessen und bei Bedarf gereinigt. Bei erfolgreicher Behandlung geht die Taschentiefe zurück. Ein kompletter Knochenverlust lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Sind noch Knochenteile vorhanden, ist ein Aufbau möglich, aber aufwendig und teuer für den Patienten.

Die Komplikationen

„Komplikationen sind bei sachgerechter Behandlung selten“, sagt Dr. Volker Ulrici, leitender Zahnarzt des Zahnmedizinischen Kompetenzzentrums Dentale in Leipzig. Aber: Wichtig ist eine gründliche Diagnose im Vorfeld – ob zum Beispiel Medikamente der Behandlung entgegenstehen. Bei Allergien könnte es Probleme mit Betäubungsmitteln geben. Werden beim Spritzen Nerven getroffen, kann das zu längerer Gefühllosigkeit führen. Zahnarztinstrumente verursachen bisweilen kleine Verletzungen, die meist schnell abheilen. Nimmt der Patient die Mundhygiene nicht genau, kann die Parodontitis auch zurückkommen.

Die Kosten

Voraussetzung für eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse ist ein genehmigter Antrag. Der Patient reicht dazu einen vom Zahnarzt erstellten Therapieplan zur Prüfung bei seiner Kasse ein. Jede Kasse hat eigene Kostensätze. Die Barmer GEK beispielsweise zahlt für die Behandlung von 17 einwurzligen und 13 mehrwurzligen Zähnen im geschlossenen Verfahren 525,13 Euro, beim offenen 743,95 Euro. Dazu kommen Nachbehandlungen und Einschleifen. Viele Leistungen, die für den Behandlungserfolg sinnvoll sind, müssen Patienten allerdings privat bezahlen. Die Tabelle unten listet die Kosten auf. „Wir können aber niemanden dazu zwingen“, sagt Grundmann. Wer nicht zahlen will, müsse Zahnverlust und Prothese in Kauf nehmen. Doch selbst die kostet.

LVZ

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