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Pay-TV-Urteil: Medienexperte Rau prophezeit Wechsel von Top-Fußballern nach Asien

Pay-TV-Urteil: Medienexperte Rau prophezeit Wechsel von Top-Fußballern nach Asien

Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg (EuGH) zur Exklusiv-Vermarktung von TV-Fußballrechten kann den Fußball in Europa verändern, sagt Medienwissenschaftler Harald Rau, Professor an der Hochschule Ostfalia in Salzgitter.

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Medienexperte Harald Rau nach dem Pay-TV-Urteil: "Ich bin überzeugt davon, dass die Liga in zehn Jahren anders aussieht."

Quelle: dpa privat

Leipzig. Der Dozent der Leipzig School of Media hält sinkende Spielergehälter und vermehrte Wechsel von Topspielern auf andere Kontinente, besonders nach Asien, für möglich.

Frage: Wie bewerten Sie das Urteil, wonach innerhalb der EU Decoder-Karten eines jeden Mitgliedsstaates zum Empfang von Pay-TV-Angeboten wie Live-Fußball überall benutzt werden dürfen?

Harald Rau: Das ist ein sehr mutiges Urteil. Es stellt das Geschäftsmodell des Pay-TV in Europa in Frage – und damit auch die Finanzierung der Ligen.

Können Sie das näher erklären?

Stellen Sie sich vor: Alle Fußballfans kaufen jetzt griechische Decoder-Karten, und Sky verdient kein Geld mehr, dann schlägt das auch auf die Liga durch. Nehmen wir als Beispiel die Bilanz von Borussia Dortmund in der letzten Saison: Von 140 Millionen Euro Umsatz verschlang allein der Personalaufwand 57 Millionen, also 42 Prozent. Die Fernsehgelder machen zusammen mit Banden- und Trikotwerbung mehr als die Hälfte des Umsatzes des Vereins aus. Wird hier weniger verdient, müssen die Klubs sparen – und da sind momentan die Gehälter die einzige Stellschraube.

Bis 2013 hat der Fernsehvertrag zwischen der Deutschen Fußballliga (DFL) und Sky Deutschland noch Bestand. Fallen danach schon die Preise für die TV-Rechte?

Der Fall, der zu dem Urteil geführt hat, ist seit einigen Jahren anhängig. Daher könnte ich mir vorstellen, dass dies schon in laufenden Verträgen berücksichtigt ist und dass Sonderkündigungen eine Option darstellen. Man kann das Urteil ja auf zwei Arten interpretieren: Einerseits ist es ein mutiger Schritt zur Deregulierung in Europa. Andererseits wird den Pay-TV-Sendern in den teuren europäischen Ländern wie Deutschland, England oder Spanien der Teppich unter den Füßen weggezogen. Man greift ihr Geschäftsmodell an und das ist wiederum ein heftiger Markteingriff, der zu Qualitätseinbußen führt.

Wie könnte sich das konkret auswirken?

Der Markt findet sich auf einem weit niedrigeren Niveau wieder. Vom Einbruch bei den Pay-TV-Geldern lässt sich eine direkte Brücke zu den Spielergehältern schlagen. Gute Fußballer werden dann eben nicht mehr in Europa vermittelt, sondern gehen gleich nach Asien, Afrika oder Amerika.

Das heißt, die europäischen Vereine müssen bald ihre besten Spieler verkaufen?

Von heute auf morgen wird sich wenig ändern, aber ich bin überzeugt davon, dass die Liga in zehn Jahren anders aussieht. Es wird niedrigere Gehälter geben und die Internationalisierung bei Spielertransfers deutlich zugenommen haben. Da diese Marktregulierung nur für Europa gilt, wird es keine Ausnahme mehr sein, dass Spieler aus Europa nach China, Korea oder Brasilien wechseln. Und ich glaube, besonders die asiatischen Länder werden eine Rolle spielen.

Und Europa wird zur Fußball-Provinz?

Ich bin optimistisch: Der Fußball wird auch hierzulande attraktiv bleiben – vielleicht ja mit jungem Nachwuchs aus den Reihen der Vereine. Denn darin liegt die große Chance des Urteils: Die Klubs besinnen sich auf ihre eigentliche Stärke, junge Spieler an den großen Zirkus heranzuführen.

Interview: Sebastian Fink

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