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Porsche-Betriebsrat: "Wer bei uns Leute diskriminiert, der fliegt"

Porsche-Betriebsrat: "Wer bei uns Leute diskriminiert, der fliegt"

Im Herbst will er wieder in den Ring steigen, vielleicht auch mal in Leipzig kämpfen. Uwe Hück (53), zweifacher Europa-Meister im Thaiboxen und Konzernbetriebsratschef von Porsche, kämpft seit Jahren, auch gegen diesen Gegner: gegen rechtes Gedankengut.

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Uwe Hück bei einer Kundgebung in Leipzig.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Nach dem Brandanschlag in Tröglitz organisiert der Stuttgarter in Leipzig eine Demo für Toleranz und Solidarität mit Flüchtlingen.

Nach dem Brandanschlag in Tröglitz haben Sie klar Kante gezeigt - warum ist Ihnen das so wichtig?

Hück:

Angst war schon immer der schlechteste Ratgeber. Dieser rechte Sumpf muss ausgetrocknet werden. Deutschland wird reicher ohne die Rechten, das ist meine Überzeugung. Wir müssen den Menschen helfen, die vor Krieg, Folter und Unrecht fliehen und ihnen Schutz und auch Heimat geben. Es geht um Toleranz und Respekt von Menschen für Menschen. Was da in Tröglitz passiert, trifft uns alle. Das schadet der Region, das schadet auch den Unternehmen in Deutschland. Wir sind eine Exportnation. Wenn unsere intergalaktisch guten Produkte außerhalb Deutschlands nicht mehr gekauft werden, dann steht es schlecht um unseren Wohlstand. Porsche produziert in Leipzig.

Wirkt sich Tröglitz schon negativ auf die Suche nach neuen Beschäftigten aus?

Das ist mir nicht bekannt. Dass sich zu wenige aus dem Westen in Leipzig bewerben, liegt eher an den immer noch bestehenen Ost-West-Unterschieden. Es kann nicht sein, dass unsere Kollegen in Leipzig drei Stunden in der Woche länger arbeiten als die in Zuffenhausen. Wir haben immer noch 25 Jahre nach dem Mauerfall unterschiedliche Löhne und Arbeitsbedingungen. Das ist eine Frechheit. Einen Mangel an Bewerbern auf die Stellen in Leipzig gibt es aber dennoch nicht, weil Leipzig und die Region überaus attraktiv und lebenswert sind. Allerdings rumort es in der Belegschaft seit Tröglitz und seit den Demos gegen die angebliche Islamisierung des Abendlandes.

Wie äußert sich das?

Wir haben bei Porsche Mitarbeiter aus über 60 Nationen. Sie und ihre Väter haben Deutschland mit aufgebaut. Sie fragen sich zu recht: Warum gibt es diese Feindschaft im Osten gegen Ausländer? Wir brauchen Einwanderer. Wir haben ein Demografieproblem. Wir müssen die Tore offen halten für qualifizierte Kollegen, sonst laufen wir irgendwann gegen die Wand.

Was muss in Tröglitz passieren?

Jetzt ist Courage gefragt. Der rechte Sumpf kapituliert, wenn man Flagge zeigt. Das weiß ich aus Pforzheim, wo ich in meiner Freizeit jugendliche Thaiboxer und Boxer trainiere. In Pforzheim sind fast 50 Prozent der Einwohner Migranten. Dort keimte auch Rassismus auf. Dem haben wir uns offen entgegengestellt, unter anderem mit dem integrativen Sportverein FSV Buckenberg, dessen erster Vorsitzende ich bin. Mitte der 90er lebten in diesem Viertel rund 14000 Spätaussiedler. Es gab die höchste Kriminalitätsrate in Pforzheim. Inzwischen hat das Viertel die niedrigste, weil wir den Menschen wieder Angebote gemacht und ihnen Perspektiven gegeben haben. Wir müssen Perspektiven, Ziele und Disziplin vermitteln. Mit dem FSV Buckenberg haben wir das geschafft. Er ist ein Mehrspartenverein. Yoga, Fußball, Kraftsport - alles ist vertreten. Am Ende haben Toleranz und Offenheit gesiegt. Man muss Mut haben. Und die Ostdeutschen haben Mut. Das haben sie bewiesen. Ihnen gebührt Respekt, dass sie auf der Straße die Wende herbeigeführt haben. Und sie zeigen ja auch jetzt wieder Flagge gegen Pegida und gegen Legida. Was Tröglitz angeht, da gibt es auch von den Porsche-Mitarbeitern eine Antwort.

Wie will man vorgehen?

Wir gehen auf die Straße. Und nicht nur Porsche-, sondern auch Beschäftigte anderer Automobilunternehmen und Zulieferer im Osten rufe ich dazu auf. Grünes Licht hat bereits mein Kollege Bernd Osterloh, VW-Konzernbetriebsratschef, signalisiert. Auch BMW, Daimler und die IG Metall werden mitmachen. Davon bin ich überzeugt. Wir werden Gesicht zeigen. Wir werden in Leipzig eine Front aus Toleranz und Solidarität bilden. Es muss klar sein: Ausländerfeindlichkeit hat bei uns keinen Platz! In den Porsche-Fabriken sind wir da übrigens sehr konsequent. Wer bei uns Leute wegen ihrer Herkunft oder ihres Aussehens beschimpft oder diskriminiert, der fliegt.

Sie stehen im wahrsten Sinne für einen Mann, der sich von unten nach oben durchgeboxt hat - vom einstigen Sonderschüler zum Betriebsratschef und Aufsichtsratsvize bei Porsche. Ist eine solche Karriere bei Porsche heute noch möglich?

Jeder kann etwas aus sich machen, einige brauchen dafür nur mehr Unterstützung. In der von mir gegründeten Lernstiftung in Pforzheim begegne ich vielen benachteiligten Jugendlichen, die einen schlechten Start hatten. Diese jungen Leute sind doch nicht dumm, die dürfen wir nicht aufgeben. Denen müssen wir erklären, dass das Trikot nicht von alleine schwitzt.

Sie hatten selbst auch einen denkbar schlechten Start?

Ich war 15 Jahre im Heim. Ich habe als Kind Schmerz gespürt, Schläge bekommen. Als ich acht war, wollte ich nicht länger leben. Ich hatte wieder einmal vergeblich darauf gewartet, dass mich jemand zu Weihnachten abholt. Da habe ich nach oben geschaut und gesagt: Falls es dich gibt Gott, mach mich groß und stark, dann werde ich mich für die Schwachen einsetzen. Heute bin ich groß und kräftig und ich halte mein gegebenes Wort.

Zurück zu Porsche. Wie die Stellenausschreibungen in Leipzig zeigen, werden zumeist Ingenieure und top-ausgebildete Fachkräfte gesucht.

Porsche sucht Top-Leute, sicher. Im ersten Schritt hauptsächlich Ingenieure für die Planung und im zweiten Schritt Mitarbeiter für den Fertigungsbereich, insbesondere für den Karosseriebau. Es gibt bei Porsche aber auch das Förderjahr für nicht ausbildungsfähige Jugendliche. Ein Jahr, in dem sie sich beweisen können. Nutzen sie das richtig, steht am Ende eine Ausbildung bei uns. Das gibt es in Baden-Württemberg, aber wir wollen das auch in Leipzig einführen.

Sie wurden in den 80er-Jahren zweimal Europameister im Thaiboxen, stehen mit 53 immer noch im Ring.

Und dort stehe ich am 7. November in Ludwigsburg einem wahrhaft großen Boxer gegenüber. Ich trainiere seit zwei Jahren intensiv für diesen Box-Kampf, der unter dem Motto "Blaue Flecke für soziale Zwecke" steht. Leipzig bietet auch wunderbare Räumlichkeiten für Sport-Events. Wenn das gewünscht sein sollte, kämpfe ich nach Ludwigsburg vielleicht im kommenden Jahr in Leipzig.

Wir nehmen Sie beim Wort. Rechnen Sie sich Chancen gegen Ihren Gegner aus?

Ja, sicher. Aber er auch. Ich setze auf Kraft und Ausdauer.

Andreas Dunte

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