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Porsche-Hauptversammlung in Leipzig: Nur 800 Aktionäre dabei / Dauerfragen bringen Zeitplan durcheinander

Porsche-Hauptversammlung in Leipzig: Nur 800 Aktionäre dabei / Dauerfragen bringen Zeitplan durcheinander

Die Porsche-Hauptversammlung am Dienstag in Leipzig wurde zur Hängepartie: Acht Stunden lang löcherte ein Anwalt aus Berlin die Porsche-Spitze mit seinen Fragen.

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Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche begrüßt die wenigen Aktionäre in der nur spärlich gefüllten Leipziger Messehalle 1.

Quelle: Frank Johannsen

Leipzig. Nur die wenigsten Anleger hielten bis zum Ende durch. Ohnehin waren nur 800 gekommen. So wenige hatte Porsche zuletzt vor 20 Jahren begrüßt.

Die Messehalle 1 wirkte gleich mehrere Nummern zu groß. 2420 Stühle hatte Porsche aufstellen lassen. Doch von den 3000 Aktionären, die sich angemeldet hatten, kamen nur 800. Das waren halb so viele wie 2004, als Porsche schon einmal mit seiner Hauptversammlung nach Leipzig gekommen war. In Stuttgart waren ansonsten in den letzten Jahren stets mehr als 4000 dabei.

Die Geduld der wenigen Aktionäre wurde dann auf eine harte Probe gestellt. Fast im Alleingang schaffte es der Berliner Rechtsanwalt Martin Weimann, den Zeitplan gehörig durcheinander zu bringen. Gleich zu Beginn stellte er den Antrag, Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche als Versammlungsleiter abzusetzen. Schließlich werde gegen ihn durch die Staatsanwaltschaft ermittelt. Stimmt, räumte Porsche ein. Wegen des Vorwurfs, Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und dessen Finanzvorstand Holger Härter hätten 2008 bei der Übernahmeschlacht um VW die Börsenkurse manipuliert, werde nun auch gegen den kompletten damaligen Porsche-Aufsichtsrat wegen Beihilfe ermittelt. Betroffen sind auch Porsches Cousin Ferdinand Piëch und Betriebsrats-Chef Uwe Hück.

Nach zwei Stunden Diskussion war der Abwahl-Antrag trotzdem vom Tisch. Er erhielt keine einzige Stimme. Denn Weimann und die Kleinaktionäre im Saal halten allesamt nur Vorzugsaktien ohne Stimmrecht. Die Hand heben dürfen allein die Vertreter der Familien Porsche und Piëch sowie des Emirats Katar.

Weimann, der Porsche schon mehrfach mit Klagen überzogen hatte, ließ trotzdem nicht locker. Weitere sechs Stunden löcherte er die Konzernspitze mit seinen Fragen zur Übernahmeschlacht 2008. Gebetsmühlenartig hieß es vom Podium: Alle Vorwürfe seien unbegründet, die milliardenschweren Schadenersatzklagen aussichtslos.

Völlig in den Hintergrund gedrängt wurde dadurch die Frage nach dem Selbstverständnis der Porsche Automobil Holding SE, die hier tagte. "Macht der Name überhaupt noch Sinn?", polterte ketzerisch Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Schließlich baue man ja gar keine Sportwagen mehr. Um die Schulden aus der Übernahmeschlacht abzutragen, hatte die Porsche SE die gleichnamige Sportwagentochter 2012 an VW verkauft. Die SE hat seither nur noch 30 Mitarbeiter, 2,6 Milliarden Euro in der Kasse - und hält nach wie vor 50,7 Prozent der VW-Stammaktien, die Wiedeking und Härter einst zusammengekauft hatten.

"Dass wir keine Autos mehr bauen, schmerzt uns sehr. Das müssen wir erst einmal verdauen", sagte Tüngler. "Was ist das eigentlich für eine Firma, an der wir beteiligt sind?" Viel Erhellendes bekam er nicht zu hören. Man wolle die Milliarden in Beteiligungen "entlang der automobilen Wertschöpfungskette" investieren, sagte VW-Chef Winterkorn. Seit dem Wiedeking-Abgang 2009 ist er im Nebenjob auch Vorstandschef der Porsche SE. Im Fokus habe man mittelständische Unternehmen im In- und Ausland. Geeignete Kandidaten würde derzeit geprüft. Mehr wollte Winterkorn noch nicht verraten. Den meisten Aktionären wurde das schnell zu bunt. Der Saal leerte sich zusehends. Selbst Scheich Jassim Al-Thani, der extra per Sonderflug aus Katar eingeschwebt war, hielt es nicht lange auf dem Aufsichtsratspodium. Am Nachmittag nutzte er eine der vielen Sitzungspausen, um sich vorzeitig zu verabschieden.

Gedränge gab es dagegen vor der Glashalle, wo die Shuttlebusse zum Porsche-Werk warteten. Zwölf Touren zur Werksbesichtigung wurden angeboten - und alle waren ausgebucht. Von den 800 Aktionären wurden am Ende 500 durchs Werk geschleust.

Nach acht Stunden quälender Debatte gingen die eigentlichen Abstimmungen dann ruck, zuck: Keine zehn Minuten brauchten die Porsches und Piëchs, um alle Anträge einstimmig durchzuwinken. Einschließlich der Wiederwahl des kompletten Aufsichtsrats.

Elf Tage lang hatte Porsche die Messehallen für das Aktionärstreffen herrichten lassen. Halle 1 als Versammlungssaal, Halle 3 als Buffet mit kleiner Autoausstellung. Beide Hallen wurden fein säuberlich mit Teppichboden ausgelegt, die Wände mit Stoff abgehängt. Einige Millionen habe die Veranstaltung schon gekostet, hieß es. Zahlen wollte das Unternehmen nicht nennen. Gespart habe man durch den Umzug nach Leipzig aber nichts. Weil alles aus Stuttgart eingeflogen werden musste, habe man sogar draufgezahlt. Die nächste Hauptversammlung werde man wieder in Stuttgart abhalten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.05.2013

Frank Johannsen

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