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Porsche startet Macan-Produktion in Leipzig: Testfertigung im Karosseriebau beginnt

Porsche startet Macan-Produktion in Leipzig: Testfertigung im Karosseriebau beginnt

Im Leipziger Porsche-Werk läuft der Countdown: Im November geht der neue Macan in Serie. Erstmals wird dann ein Porsche komplett in Leipzig gebaut. Im neuen Karosseriebau ist jetzt die Testfertigung angelaufen.

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Mit viel Handarbeit entstehen im Testlauf die ersten Karosserien für den neuen Porsche Macan.

Quelle: Christian Nitsche

Leipzig. "Der erste ist immer etwas ganz besonderes", sagt Norbert Wagner und blickt fast verliebt zu der Hülle, unter der sich deutlich der neue Macan abzeichnet. Erst gestern früh habe man die Türen an die Karosserie geschraubt. "Und ich hab sie dann selbst mit vorgeschoben ans Ende des Bandes", erzählt Wagner. Dort thront der erste Macan aus Leipzig jetzt wie auf einem Podest. Noch unlackiert, und auch Räder, Motor und alles, was sonst noch anzubauen ist, fehlen. Doch selbst durch das Laken ist er schon als kleiner Bruder des Leipziger Erfolgsmodells Cayenne erkennbar.

Wagner ist Leiter des neuen Karosseriebaus im Leipziger Porsche-Werk. Schon seit Juli ist der 52-Jährige an Bord, direkt eingeflogen aus den USA, wo er für Daimler Projektmanager im Werk Tuscaloosa war. "Ich war ja früher noch nie in Leipzig", sagt der gebürtige Kieler. "Aber ich bin begeistert von der Stadt und den Menschen hier." Und natürlich auch vom neuen Macan, für dessen Karosserie er jetzt verantwortlich ist.

Seit einer Woche läuft die Testproduktion. Insgesamt 430 Teile müssen zusammengesetzt und verschweißt werden, bis die Karosserie bereit zum Lackieren ist. Noch wird vieles in Handarbeit gemacht.. "Die Roboter sind noch nicht alle in Betrieb", sagt Wagner. Überall in der 36000 Quadratmeter großen Halle wird daher noch gebaut und gehämmert - nicht nur an den Karosserien.

Die entstehen hier ohnehin bisher eher zum Üben und Testen. "In den Verkauf kommt keines der Autos hier", sagt Wagner. "Die meisten gehen am Ende in die Presse." Für Crashtests werde man den einen oder anderen der Wagen wohl einsetzen - und natürlich für die Qualitätschecks, die schon während der Testproduktion laufen. Das Lackieren, das sich an den Karosseriebau anschließt, erfolgt vorerst noch per Hand. Die Lackiererei nebenan ist noch im Bau. Im Sommer soll auch sie in Betrieb gehen.

"Für die erste Karosserie haben wir eine Woche gebraucht", berichtet Wagner. "Das wird später nur zwei Stunden dauern." Das Tempo werde man jetzt nach und nach erhöhen. Schließlich sollen hier einmal 350 Karosserien pro Tag entstehen. Derzeit sei es nur eine am Tag.

Allzu tief in die Karten schauen lassen will sich Porsche aber noch nicht. Nur gut verhüllt wird die erste Karosse gezeigt. "Bis zur Weltpremiere im Herbst wollen wir die Spannung ja noch erhalten", sagt Produktionsvorstand Oliver Blume. Im November soll in Leipzig dann auch die Serienproduktion des Macan beginnen. "Der Zeitplan ist sportlich und die Werkserweiterung eine echter Mammutaufgabe", sagt Werksleiter Siegfried Bülow. "Aber wir sind Feuer und Flamme."

400 Mitarbeiter sollen einmal allein im Karosseriebau arbeiten. Die ersten 50 sind schon an Bord. Einer von ihnen ist Mario Selig. Er habe im vergangenen Jahr einfach eine Initiativbewerbung an Porsche geschickt, berichtet der 42-Jährige. "Das ist schon super, dass das geklappt hat." Porsche habe ihm sogar sofort einen unbefristeten Vertrag gegeben. Seit September ist er Anlagenbediener.

Bis dahin hatte der Leipziger beim Solarmodulhersteller Solibro gearbeitet. Jeden Tag pendelte Selig von Leipzig-Gohlis nach Bitterfeld. "Jetzt habe ich nur noch acht Kilometer Arbeitsweg", freut sich der zweifache Familienvater. Und die bewältige er nun per Fahrrad.

Dabei hatte der gelernte Maschinenbauer mit dem Autobau bisher wenig zu tun. Seine Ausbildung hatte er von 1987 bis 1989 beim VEB Pumpen- und Gebläsewerk Leipzig absolviert. Bei Porsche wurde er daher erst einmal vier Wochen nach Stuttgart geschickt, um in den Karosseriebau eingeführt zu werden. Andere Kollegen habe man zum Einarbeiten auch zur Konzernschwester VW nach Zwickau geschickt, wo Golf und Passat gebaut werden, ergänzt Seligs Chef Wagner. "In Leipzig hatten wir ja bisher keinen Karobau", wie er den Karosseriebau liebevoll abkürzt,

Die Modelle Cayenne und Panamera werden hier nur montiert, die Karosserien kommen vorlackiert per Zug von VW. "Mit dem Macan wird Leipzig jetzt zum Vollwerk", sagt Produktionsvorstand Blum. 500 Millionen Euro lässt sich Porsche den vor anderthalb Jahren gestarteten Ausbau kosten. Blum: "Das ist die größte Investition unserer Unternehmensgeschichte."

Insgesamt 1400 neue Jobs entstehen in Leipzig. "Das Interesse ist enorm", berichtet Werksleiter Bülow. "Über 16500 Bewerbungen sind schon eingegangen." Dabei wurde mit der offiziellen Suche nach Bewerbern erst gestern begonnen. Im Internet sind die Jobs jetzt ausgeschrieben. Selig war nicht der einzige, der schon vorher erfolgreich war: 220 neue Mitarbeiter seien bereits an Bord. Insgesamt 1150 Mitarbeiter hat das Werk inzwischen. Durch die nun geplanten Neueinstellungen werde sich diese Zahl noch einmal verdoppeln. Das laufe jetzt in mehreren Wellen. Abschließen werde man den Personalaufbau erst 2014.

Das Wachstum könnte auch danach weitergehen. Bei den aktuellen Versionen von Panamera und Cayenne werde man zwar an der Zulieferung von VW nichts ändern, sagt Blum. "Beim nächsten Modellwechsel gibt es da aber durchaus Überlegungen, mehr in Leipzig zu machen." Mittelfristig könne der Standort daher weiter wachsen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.03.2013

Frank Johannsen

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