Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Privatpleiten in Leipzig und Umgebung: Nach Sink- nun Gleitflug

Privatpleiten in Leipzig und Umgebung: Nach Sink- nun Gleitflug

Zunehmend weniger Menschen rutschten in den vergangenen zwei Jahren in Leipzig und Umgebung in die Schuldenfalle - eine erfreuliche Entwicklung, die sich stabilisiert hat.

Voriger Artikel
Kunden von Care Energy rutschen in die Grundversorgung
Nächster Artikel
Fachkräftemangel bereitet sächsischem Handwerk Sorgen - Freie Stellen in Leipzig
Quelle: Enzo Forciniti

Leipzig. So gab es laut Amtsgericht Leipzig bei gestellten Anträgen auf Privatinsolvenzen ein starkes Absinken der Fallzahlen: von 2223 (2010) auf 1959 (2011) und 1616 (2012). Dabei handelt es sich um Rückgänge von 12 beziehungsweise rund 17 Prozent. Nach dem Sink- ist nun eher ein Gleitflug zu beobachten: Die Angaben für das erste Halbjahr 2013 befinden sich mit 798 Fällen nahezu auf Vorjahresniveau.

"2013 werden wir also in etwa die Bandbreite des Vorjahres erreichen", sagt Holger Büttner. Was weitere Prognosen anbelangt, bleibt der Leiter der Insolvenzabteilung am Amtsgericht, das für Insolvenzfälle aus dem gesamten Landesdirektionsbezirk Leipzig zuständig ist, aber vorsichtig. "Ein gewisses Niveau an Verbraucherinsolvenzen wird es immer geben." Denn Hauptgrund für die Zahlungsunfähigkeit sei und bleibe nun einmal die Arbeitslosigkeit. "Hinzu kommen unerwartete familiäre Schicksalsschläge wie Scheidung und Krankheit", sagt Büttner.

Deutschlandweit gibt es einen ähnlichen Trend wie in der Leipziger Region: Laut der Hamburger Wirtschaftsauskunftei Bürgel meldeten nach 2010, wo die Privatverschuldung einen neuen Höhepunkt erreichte, jährlich weniger Verbraucher Insolvenz an: 139.110 (2010), 136.033 (2011) und 129.743 (2012). Auf das jeweilige Minus folgte auch im ersten Halbjahr 2013 ein Rückgang um 3,9 Prozent. Als Gründe nannte Bürgel "die robuste Binnenkonjunktur, die sich positiv auf Beschäftigungsquote und Lohnzuwächse" auswirke. Wobei es regional jedoch erhebliche Unterschiede gibt. Einem massiven Anstieg der Fälle wie in Hamburg und Sachsen-Anhalt stehen große Rückgänge wie etwa in Thüringen und Sachsen gegenüber.

Diesen jüngsten Trend bestätigt auch die Insolvenz- und Schuldnerberatungsstelle der Verbraucherzentrale Sachsen (VZS) mit Sitz in Leipzig. "Wobei ich derzeit aber fast den Eindruck habe, dass die Nachfrage wieder steigt. Jeden Tag nehmen wir neue Anmeldungen entgegen", sagt Beraterin Andrea Günther.

Welche Auswirkungen die aktuelle Reform des Insolvenzrechtes haben wird, ist noch unklar. "Dass Betroffene aber deshalb bewusst ihre Anträge zurückhalten, glaube ich nicht", meint Richter Büttner. Die neuen Regelungen treten am 1. Juli 2014 in Kraft. Danach können Verbraucher statt bislang nach sechs Jahren unter bestimmten Voraussetzungen schon nach drei Jahren entschuldet werden. "Die Hürden dafür sind aber sehr hoch." Denn nur wer in den ersten 36 Monaten 35 Prozent der im Privatinsolvenzverfahren angemeldeten Forderungen sowie die Verfahrenskosten begleichen kann, erhält vorzeitig die Restschuldbefreiung. Für alle anderen bleibt es bei sechs Jahren. Beziehungsweise bei fünf, wenn sie zumindest die Kosten des Verfahrens (um die 1500 Euro) aufbringen. Büttner rechnet daher nicht mit einem Ansturm 2014. "Denn derzeit sind die meisten Verfahren sowieso Null-Verfahren. Das heißt: Gläubiger erhalten binnen sechs Jahren null Beträge zurück."

Verbraucherschützerin Andrea Günther kritisiert die Reform, damit werde eine "Zwei-Klassen-Insolvenz" eingeführt. Die VZS sei damit unzufrieden. "Wir wollten eine grundsätzliche Verkürzung der Laufzeit auf drei bis vier Jahre für alle - aber ohne diese 35 Prozent." Die durchschnittliche Verschuldung der Betroffenen liegt ihren Angaben zufolge bei 20.000 bis 40.000 Euro.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.11.2013

Sabine Kreuz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wirtschaft
  • Jetzt einschalten!

    Begeistern Sie Ihre Kunden mit Ihren eigenen Angeboten & Informationen auf großen Bildschirmen – spielend einfach mit der LVZ Mediabox. mehr

  • Unsere Empfehlung

    Kein Display? Kein Problem! Von 22 bis 55 Zoll - mit unseren Mediabox-Komplettsystemen bieten wir Ihnen immer die individuell passende Lösung an. mehr

  • Top Preis

    Sie besitzen bereits einen Display? Mit der LVZ Mediabox steuern Sie ihre individuelle Sendeschleife bequem über das Internet. mehr

  • Sie bestimmen das Programm

    Individuell und aktuell: Ihre Informationen, Angebote und Aktionen sowie News der LVZ und von N24 auf der LVZ Mediabox mehr