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Sachsens oberste Handwerker fordern Rückkehr zur Meisterpflicht

Wegen sinkender Ausbildungszahlen Sachsens oberste Handwerker fordern Rückkehr zur Meisterpflicht

Sachsens Handwerkskammerpräsidenten schlagen Alarm: Seit Abschaffung der Meisterpflicht für 53 Gewerke ist zwar die Zahl der Betriebe deutlich gestiegen. Die meisten neuen Unternehmen werden aber von Solo-Selbstständigen geführt und bilden nicht mehr aus.

Hier arbeiten Profis: Das Handwerk des Dachdeckers unterliegt nach wie vor der Meisterpflicht. Die Handwerkskammerpräsidenten aus Leipzig, Dresden, Chemnitz und Gera fordern, dass diese Pflicht wieder flächendeckend über alle Gewerke eingeführt wird.

Quelle: dpa

Leipzig/Dresden/Altenburg/Döbeln. Sachsens Handwerkskammerpräsidenten schlagen Alarm: Seit Abschaffung der Meisterpflicht für 53 Gewerke ist zwar die Zahl der Betriebe deutlich gestiegen. Die meisten neuen Unternehmen werden aber von Solo-Selbstständigen geführt und bilden nicht mehr aus. Die Kammerchefs in Leipzig, Dresden, Chemnitz und Gera fordern eine Rückkehr zur umfassenden Meisterpflicht.

Die Handwerksordnung war im Jahr 2004 geändert worden; mit der Neuerung konnten in 53 Gewerken auch Handwerker ohne Meisterbrief eine Firma gründen. Der Plan ging durchaus auf – Beispiel Fliesenleger: Im Handwerkskammerbezirk Leipzig gab es im Jahr 2003 insgesamt 176 Betriebe, vergangenes Jahr waren es 683. Aber: Vor 13 Jahren bildeten die damaligen Fliesenlegerbetriebe 49 Lehrlinge aus, 2015 nur noch fünf. Ähnliches Bild in Ostthüringen: Dort gab es 2003 insgesamt 134 Fliesenlegerbetriebe, bis 2015 stieg die Zahl auf 508. Die Zahl der Auszubildenden erhöhte sich aber nur von fünf auf sieben. Bei den Raumausstattern gab es 2003 noch 98 Betriebe, 2015 dagegen 204. Die Azubizahl sank von fünf auf vier. Bei den Fotografen in Ostthüringen stieg die Betriebszahl von 40 auf 126; die Lehrlingszahl sank von vier auf nur noch zwei. Weitere Gewerke, die von der Meisterpflicht befreit wurden, sind zum Beispiel Estrichleger, Uhrmacher, Schumacher, Feinoptiker, Drucker oder Geigenbauer.

„Viele Betriebe sind nicht automatisch gut“, konstatiert Claus Gröhn, Präsident der Handwerkskammer zu Leipzig. Das erreichte Wachstum bei den Betrieben sei nicht nachhaltig. „Der Meister bildet aus – wenn ich die Meisterpflicht abschaffe, setze ich die Zukunft aufs Spiel. Die Ausbildung leidet ganz massiv.“ Bislang habe sich das Handwerk seinen eigenen Nachwuchs gebaut – und zudem Leute ausgebildet, die dann oft von der Industrie abgeworben werden. Gröhn plädiert für die Rückkehr zur Meisterpflicht für alle Gewerke.

Mit dieser Forderung steht der Leipziger Chef-Handwerker nicht alleine da – seine Präsidenten-Kollegen in Dresden, Chemnitz und Gera sehen die Sache genauso. Zwar gebe es sicherlich auch wegen des demografischen Wandels weniger Schulabgänger und Auszubildende, räumt Ostthüringens Kammerpräsident Klaus Nützel ein. „Jedoch geht die Schere zwischen der Zahl der Handwerksunternehmen und der Anzahl der Ausbildenden bei den nicht mehr meisterpflichtigen Berufen um ein Vielfaches stärker auseinander als in unseren Meisterbetrieben.“ Die Handwerkskammer Dresden vermeldet ebenfalls eine steigende Zahl von Betrieben seit der Handwerksnovelle im Jahr 2004. „Eine Atomisierung der Betriebe einerseits und eine verminderte Ausbildungsbereitschaft andererseits sind die Folge“, sagt Präsident Jörg Dittrich. „Diese Entwicklung schätzen wir im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit des Handwerks als problematisch ein.“

In den Gewerken mit abgeschaffter Meisterpflicht ist die Ausbildungsneigung gesunken, teilt auch die Handwerkskammer Chemnitz mit. Damit gingen zudem Techniken verloren, die zum Ausbildungscurriculum gehören. Bei den Fliesenlegern zum Beispiel gehöre das Legen von Mosaiken zum Ausbildungsplan. Wenn andere Gewerke das Fliesenlegen quasi nebenbei mit erledigen, lerne am Ende niemand mehr Techniken, die übers Alltagsgeschäft hinausgehen, so die Einschätzung der Chemnitzer Kammer. „Zudem befürchten wir, dass das Thema Abschaffung der Meisterpflicht bei den Verhandlungen von internationalen Handelsabkommen auf den Tisch kommt“, sagt der Chemnitzer Kammerpräsident Dietmar Mothes. „Deshalb beobachten wir die Diskussion ganz genau und fordern von der Landes- und Bundespolitik, dass sie sich wie in der Vergangenheit schützend vor den Meisterbrief stellt.“

Von Björn Meine

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