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Schock für Mitteldeutschland: Solarworld kündigt Insolvenz an

Deutschlands größter Solarkonzern Schock für Mitteldeutschland: Solarworld kündigt Insolvenz an

Die Hiobsbotschaft traf die fast 2000 Solarworld-Mitarbeiter in Sachsen und Thüringen ohne Vorwarnung: Mittwochabend kurz nach 18 Uhr kündigte Solarworld an, dass der Konzern nicht mehr zu retten sei.

Solarworld (Symboldbild)

Quelle: dpa

Bonn/Freiberg/Arnstadt. . „Der Vorstand wird unverzüglich einen Insolvenzantrag stellen“, teilte der Konzern punkt 18.12 Uhr in einer nur siebe Zeilen langen Pflichtmitteilung an. Der Vorstand um Frank Asbeck sehe angesichts des aktuellen Geschäftsverlaufs und der weiter voranschreitenden Preisverwerfungen keinen anderen Ausweg mehr: Die Konzernspitze sei „nach umfassender Prüfung“ zu der Überzeugung gelangt, dass „keine positive Fortbestehensprognose mehr besteht, die Gesellschaft damit überschuldet ist und somit eine Insolvenzantragspflicht be- steht“, hieß es. Den Antrag dürfte der Vorstand voraussichtlich heute beim zuständigen Amtsgericht in Bonn stellen. wo Solarworld seine Zentrale hat. Auch für alle Tochtergesellschaften werde nun geprüft, ob sie Insolvenz anmelden müssen.

Die Entwicklung schmerze, komme aber nicht ganz überraschend, erklärte Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). „Wir setzen dennoch darauf, dass es eine Lösung für die Zukunft gibt, die eine Perspektive für die Beschäftigten bietet.“ Das Land werde unterstützend zur Seite stehen. Kurzfristig werde das Gespräch mit allen Beteiligten gesucht, um die Situation zu analysieren und über das weitere Vorgehen zu beraten, sagte Tiefensee.

Der Konzern kämpft mit stetig sinkenden Preisen für Solarmodule und einer bedrohlichen Klage in den USA. 2016 gab es tiefrote Zahlen. Noch Ende März hatte Vorstandschef Asbeck aber angekündigt, mit einem scharfen Sparprogramm bis 2019 wieder aus der Verlustzone kommen zu wollen. Er wollte Millionen in hochwertige monokristalline Module investieren, um das Unternehmen „mit Qualität und Technologie weiter vom asiatischen Wettbewerb abzusetzen“.

400 Stellen fallen weg

Mit dem Abbau von 400 der insgesamt 3300 Stellen bis 2019 und zahlreichen Einzelmaßnahmen sollten die Kosten um ein Fünftel verringert werden. Ein Sozialplan wurde an den deutschen Standorten in Freiberg (Sachsen) und Arnstadt (Thüringen) bereits verhandelt. Von den 400 Stellen, die abgebaut würden, sollten 300 Stellen allein in Deutschland wegfallen. Ein Schwerpunkt soll in Freiberg liegen, dem größten Produktionsstandort des Konzerns.

Bisher hat Solarworld in Freiberg 1200 Beschäftigte, in Arnstadt sind es 700. Im vergangenen Jahr hatte sich das Unternehmen bereits von 500 Leiharbeitern getrennt, davon 300 in Freiberg und 200 in Arnstadt. Den Thüringer Standort hatte Solarworld 2014 von Bosch übernommen. Noch im Januar hatte der Konzern angekündigt, einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag in das Freiberger Werk zu investieren. Neue Technik sollte die Qualität verbessern und die Kosten senken. Die Produktion sollte gebündelt werden: Kristallisation und Zellfertigung in Arnstadt sowie die Wafer- und Modulfertigung in Freiberg. Die kleineren Fertigungen für Module in Arnstadt und für Zellen in Freiberg sollten geschlossen werden.

Im vergangene Jahr hatte das Unternehmen unter dem Strich knapp 92 Millionen Euro Verlust ausgewiesen. 2017 hatte Asbeck zuletzt zwar eine leichte Besserung in Aussicht gestellt. Schwarze Zahle erwartete das Unternehmen aber auch in diesem Jahr nicht. Es rechnet mit einem besseren, aber weiterhin negativen Ergebnis. Erst 2019 sollte wieder ein „sichtbar positiver“ Ertrag erreicht werden, hieß es bisher. Davon rückt der Vorstand nun ab.

China ist bei Solarmodulen weiter

Solarworld leidet unter dem 2016 um rund ein Fünftel abgestürzten Weltmarktpreis für Solarmodule. Hintergrund sind starke Überkapazitäten in China. Solarworld wirft der chinesischen Solarbranche extremes Preisdumping vor.

Zudem kämpft Solarworld in den USA mit einem Rechtsstreit: Der ehemalige US-Siliziumlieferant Hemlock hat die Deutschen auf umgerechnet rund 720 Millionen Euro Schadenersatz verklagt. Ein US-Gericht hatte die Hemlock-Forderung wegen nicht erfüllter Abnahmeverpflichtungen im Sommer 2016 bejaht, dagegen läuft eine Berufung von Solarworld. Der Prozess galt bislang als zentrales Risiko in der Bilanz, es gab keine Rückstellungen für die Forderung.

Der angeschlagene Konzern hatte seine Verluste zuletzt binnen drei Monaten aber verringert und sich beim Umbau- und Sparprogramm auf Kurs gesehen. Nach vorläufigen Zahlen war das Minus beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) im ersten Quartal 2017 auf 28 Millionen Euro gesunken. Im Schlussquartal 2016 hatte der Verlust noch bei 51 Millionen Euro gelegen. Die Absatzmenge an Solarmodulen war im gleichen Zeitraum von 348 auf 382 Megawatt gestiegen.

Frank Johannsen mit dpa

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