Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Sechs Meter pro Minute: Fahrt mit einem Tagebaubagger zum neuen Einsatzort

Umzug der Stahlgiganten Sechs Meter pro Minute: Fahrt mit einem Tagebaubagger zum neuen Einsatzort

Christian Rystock steuert per Joystick und einer Unmenge von Knöpfen und Hebeln den 200 Meter langen Eimerbagger. Seine Kabine in etwa 20 Metern Höhe ist gut geheizt, der Ausblick gewaltig.

Wir steigen bis zur mittleren Ebene. Um den Koloss führt eine Art Aussichtsplattform. Die Sicht hier in 16 Meter Höhe ist grandios.

Quelle: Andreas Döring

Neukieritzsch. Die Bundesstraße 176 ist an diesem Dienstag gesperrt. Komplett. Wegen Umzugs mehrerer Riesen. Der größte von ihnen ist schon von weitem zu sehen. 40 Meter ist der Schaufelradbagger mit der Nummer 1552 hoch, sechs Meter höher als die Kuppel vom Gondwanaland im Leipziger Zoo. Und schwer. Gäbe es für Riesen wie Nummer 1552 eine Waage, würde die Anzeige erst bei 2350 Tonnen Halt machen – so viel wie rund 2000 Pkw.

Auf einer Länge von knapp einem halben Kilometer folgen weitere Großgeräte: ein Eimerkettenbagger (2300 Tonnen), ein Bandwagen (600) und drei Bandantriebsstationen (bis 350 Tonnen).

Mit sechs Metern pro Minute haben am Mittwoch tonnenschwere Bergbaukolosse zwischen Groitzsch und Neukieritzsch im Südraum Leipzig die Bundesstraße 176 überquert. 6000 Tonnen wiegen die fünf Geräte, die vom Betreiber Mibrag im Tagebau Vereinigtes Schleenhain ins Abbaufeld Peres verlegt werden. Erst am 11. Oktober erreichen die Technik-Giganten ihren Bestimmungsort. Fotos. Andreas Döring

Zur Bildergalerie

Meter für Meter schleppen sich die Kolosse zwischen Neukieritzsch und Groitzsch (Landkreis Leipzig) voran. Vor zwei Woche hat sie die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (Mibrag) auf Reisen geschickt – vom Abbaufeld Vereinigtes Schleenhain ins benachbarte Feld Peres, benannt nach dem Dorf, das der Kohle weichen musste. Damit die Ketten nicht den Asphalt aufbrechen, wurde eine Meter dicke Sandschicht auf die Bundesstraße aufgebracht. „Beeindruckend“, sagt Gert Weidner. Der 45-Jährige ist mit seinem Vater aus Altenburg angereist. Herbert Weidner hat jahrelang bei Mibrag gearbeitet. „Als Fahrer auf genau solch einem Schaufelradbagger aus dem Hause Takraf“, sagt der 79-Jährige etwas wehmütig. Zu seinen Stationen gehörten neben Schleenhain auch die Tagebaue Zechau und Hasselbach im nördlichen Altenburger Land. „1952 bis 1992 – eine tolle Zeit, leider vorbei.“

Obwohl im nahen Frohburg zu Hause, hat Rentner Manfred Seifert knapp eine Stunde Fahrt bis zum Tagebau benötigt, um dem Schauspiel beizuwohnen. „Überall Umleitungen“, sagt der 75-Jährige. Seinem 14-jährigen Enkel Maximilian will er zeigen, wer die vielen Löcher im Süden Leipzig gegraben hat, dem heutige Neuseenland. Auch er war Bergmann. In Espenhain und in der Lausitz. Zuletzt habe er mehrere dieser Kolosse zu Grabe getragen, also verschrottet. Immer dann, wenn ein Tagebau geschlossen und die Technik anderswo nicht mehr benötigt wurde.

Nummer 1552 hat die Bundesstraße überquert. Der Eimerkettenbagger folgt. 100 Meter ist das Gefährt lang und 26 Meter hoch. Ohne seinen gelben Helm und die Warnweste wäre der Mann in der Fahrerkabine hoch oben nicht so leicht zu sehen. Ob es dort oben mächtig schaukelt? „Kommen Sie mit“, sagt Jürgen Scheibe vom Projektteam, das den Transport seit Monaten akribisch geplant hat. Er klappt das untere Teil einer Stahltreppe herunter und wir klettern auf den Bagger. Bei gerade einmal sechs Metern pro Minute, die sich das Gefährt auf seinen vier breiten Ketten vorwärts bewegt, ist der Aufstieg völlig unproblematisch.

Wir steigen bis zur mittleren Ebene. Um den Koloss führt eine Art Aussichtsplattform. Die Sicht hier in 16 Meter Höhe ist grandios. Scheibe, gelernter Geräte- und Anlagenfahrer, blickt in Richtung Tagebau Schleenhain. Die ersten Schaufeln haben sich 1949 dort in die Erde gegraben. Seither sind 1,59 Milliarden Tonnen Abraum abgetragen worden. Das Loch erstreckt sich auf eine Fläche von 16 Quadratkilometern. Weiter rechts ist das Kohleförderband zu sehen. Es führt über eine Sammelstation bis nach Lippendorf. Weil die Kohle im Feld Schleenhain langsam zur Neige geht – 50 Millionen Tonnen sollen noch vorrätig sein – ziehen die Bagger einer nach dem anderen um. Im März vor zwei Jahren setzte schon der erste Tross ins Feld Peres um. Der jetzige sei der größte, der sich im Tagebau Vereinigtes Schleenhain je in Bewegung gesetzt hat, weiß Scheibe.

Wir gehen in die Kabine von Christian Rystock. Per Joystick und einer Unmenge von Knöpfen und Hebeln steuert er aus einem gut gepolsterten Sessel heraus das 200 Meter lange Gefährt. Die Kabine ist gut geheizt, der Ausblick gewaltig. Hin und wieder erhält er über Funk die Aufforderung, den langen Arm mit den eimerförmigen Schaufeln auszurichten. Im Tagebau habe er den Koloss schon einige Male umsetzen müssen. Aber auf einer Bundesstraße, sagt der Leipziger mit einem Schmunzeln, fahre er damit das erste Mal.

Kaum hat der Tross die Straße überquert, beginnen die Räumarbeiten, damit der Verkehr auf der B 178 wieder rollen kann. Parallel dazu sollen die Leiterseile der abgeschalteten 220-KV-Freileitung wieder aufgehängt werden. „Das ist nicht der letzte Transport dieser Art“, erklärt Tagebauleiter Torsten Wenke. 2023 soll der letzte Bagger das Feld Schleenhain verlassen haben.

Im Feld Peres werde man bis 2040 Kohle abbaggern und so die Kohleversorgung für Lippendorf sicherstellen. Rund 33.000 Tonnen werden am Tag benötigt. Das Kraftwerk versorgt unter anderem Leipzig mit Fernwärme. Dass dem sächsischen Standort ein Schicksal wie dem Kraftwerk Buschhaus in Helmstedt (Niedersachsen) droht, sei unwahrscheinlich, sagt Armin Eichholz, Vorsitzender der Mibrag-Geschäftsführung.

Das von der Mibrag erst vor drei Jahren übernommene Kraftwerk Buschhaus geht vorzeitig von Netz und bleibt für vier Jahre in Sicherheitsbereitschaft. Die Bundesregierung hat dies im Rahmen der Energiewende beschlossen. Damit fallen in Niedersachsen, aber auch im mitteldeutschen Kohleabbaugebiet Profen Stellen weg. Insgesamt 320 in den nächsten zwei Jahren. Die verbleibenden Arbeitsplätze (die Mibrag beschäftigt ohne Töchter rund 2000 Mitarbeiter) seien aber sicher, versichert Eichholz.

Andreas Dunte

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wirtschaft
 
Treffpunkt für Unternehmen
05.12.2016, 09:00 Uhr - 10:30 Uhr
10. Sächsischen Umweltmanagement-Konferenz
05.12.2016, 10:00 Uhr - 16:00 Uhr
13. Mitteldeutscher Unternehmertag
05.12.2016, 12:00 Uhr - 18:30 Uhr
Branchentreff Handelsvertreter
12.12.2016, 10:00 Uhr - 13:00 Uhr
Gründerabend
14.12.2016, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr
Gründerabend
11.01.2017, 16:30 Uhr - 18:30 Uhr

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de
  • Jetzt einschalten!

    Begeistern Sie Ihre Kunden mit Ihren eigenen Angeboten & Informationen auf großen Bildschirmen – spielend einfach mit der LVZ Mediabox. mehr

  • Unsere Empfehlung

    Kein Display? Kein Problem! Von 22 bis 55 Zoll - mit unseren Mediabox-Komplettsystemen bieten wir Ihnen immer die individuell passende Lösung an. mehr

  • Top Preis

    Sie besitzen bereits einen Display? Mit der LVZ Mediabox steuern Sie ihre individuelle Sendeschleife bequem über das Internet. mehr

  • Sie bestimmen das Programm

    Individuell und aktuell: Ihre Informationen, Angebote und Aktionen sowie News der LVZ und von N24 auf der LVZ Mediabox mehr