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Siemens: Große Chance für Flüchtlinge in Leipzig

Praktikum Siemens: Große Chance für Flüchtlinge in Leipzig

Durch ein Integrations-Programm der Siemens AG haben Asylsuchende die Chance sozialversicherungspflichtige Praktika im Unternehmen zu absolvieren. Auch das Werk in Böhlitz-Ehrenberg, das 2014 nur knapp der Schließung entgehen konnte, hat Praktikanten aufgenommen.

Masud Abdirezag aus Somalia war bei Siemens in Böhlitz-Ehrenberg in der Logistik tätig.

Quelle: Foto: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Neue Heimat – neuer Job. Das gilt zumindest für Alaeli Amen aus Syrien und Masud Abdirezag aus Somalia. Beide sind vor den Gefahren in ihren Heimatländern geflohen und leben nun mit noch ungeklärtem Aufenthaltstatus in der Messestadt. Gemeinsam mit zwei weiteren Asylsuchenden haben sie Mitte Februar ein Praktikum bei der Siemens AG in Leipzig angetreten. Zwei Monate lang konnten sie im Werk in Böhlitz-Ehrenberg beweisen, was sie können – und wurden für ihre Arbeit belohnt. Amen tritt im Sommer einen Ausbildungsplatz zum Elektroniker für Betriebstechnik im Chemnitzer Standort an. „Die Arbeit macht mir sehr viel Spaß. Ich möchte gern in Deutschland bleiben. Das ist eine große Chance für mich, dafür bin ich dankbar“, sagt der 29-Jährige.

Nachdem Abdirezags Asylantrag abgelehnt wurde, ist der 29-Jährige in Widerspruch gegangen, wartet nun auf das Ergebnis. “Keiner weiß, wie lange das dauert. Ich bin sehr unsicher und muss warten. Arbeiten ist gut“, sagt er. Mit Hilfe der Arbeitsagentur hat er in der Logistik eines anderen Unternehmens eine unbefristete Anstellung gefunden. „Hier haben sicher die Erfahrungen aus seinem Praktikum wesentlich dazu beigetragen“, sagt Elke Fuchs, Sprecherin von Siemens. Auch für die beiden anderen Praktikanten, die aus Tunesien und dem Libanon stammen, „zeichnet sich eine sehr positive Entwicklung ab“, so Fuchs weiter.

Möglich wurde das Praktikum im Rahmen eines deutschlandweiten Programms, das von Siemens zur Integration von Flüchtlingen ins Leben gerufen wurde. „Das Thema geht uns alle etwas an, und funktioniert am besten über Sprache, Beschäftigung und Ausbildung sowie über den direkten Kontakt. Deshalb stand es für uns außer Frage, auch in Leipzig Praktikumsstellen für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen“, erklärt Arnd Leuchtenberg, Standortleiter in Leipzig, die Motivation für das Engagement. „Es geht auch darum, die Zeit sinnvoll zu nutzen. Wenn die jungen Menschen nur warten und zum Nichtstun verdammt sind, wird nichts besser“, ergänzt Michael Hellriegel, Betriebsratsvorsitzender des hiesigen Standorts.

Pro Woche arbeiteten die Praktikanten 38 Stunden und erhielten dafür den Mindestlohn von 8,50 Euro. Von ihrem Verdienst wurden die üblichen Steuern, Arbeitslosenversicherungs-, Krankenversicherungs-, Pflegeversicherungs- und Rentenversicherungsbeiträge abgezogen. „Das macht eine Ausnahmegenehmigung möglich. Wir arbeiten hier eng mit der Arbeitsagentur zusammen“, erklärt Hellriegel. Das Projekt sei ein Gewinn für die Flüchtlinge, weil diese Einblicke in den deutschen Arbeitsmarkt erhalten würden und sich ausprobieren könnten. „Für die Kollegen ist es die Chance, sich selbst ein Bild von den Menschen zu machen, die bei uns Hilfe suchen“, sagt er. Anfangs habe es vereinzelt Skepsis gegeben. „Aber nach zwei Wochen haben wir ein Zwischenstandsgespräch geführt und da wurde schnell klar, dass alle sehr zufrieden mit den Praktikanten sind“, freut sich der Betriebsratsvorsitzende. „Wir können nicht allen einen festen Arbeitsplatz anbieten. Aber jeder kann innerhalb seiner Ressourcen einen Beitrag leisten. Und das ist unserer“, sagt er. Für ihn steht fest, dass sie auch in Zukunft Asylsuchenden in Form von Praktika eine Chance in ihrem Standort bieten wollen.

Dass es für die Niederlassung in Böhlitz-Ehrenberg eine Zukunft gibt, scheint mittlerweile festzustehen. Da das Werk rote Zahlen schrieb, sollte es 2014 geschlossen und die Produktion nach Portugal verlegt werden. 325 der insgesamt 416 Mitarbeiter standen vor der Entlassung. Betriebsrats-Chef Michael Hellriegel, der für sein Engagement ausgezeichnet wurde, setzte sich gemeinsam mit den Kollegen und Bernd Kruppa von der Leipziger IG-Metall für einen Erhalt des Werks am Standort ein. Es wurde ein Plan für die Umstellung der Produktion vorgelegt, außerdem ein gesonderter Tarifvertrag beschlossen. Siemens gab dem Druck nach, investierte 1,5 Millionen Euro und sicherte einen Bestand bis September 2016 zu. Ein halbes Jahr vor Auslaufen dieser Frist hat sich die Situation im Werk stabilisiert. Hellriegel blickt positiv in die Zukunft. „Es sieht ganz gut aus für uns“, sagt er. „Ich denke, dass viele unserer Mitarbeiter sehr offen und freundlich auf die Asylsuchenden zugegangen sind, weil sie aus dieser schweren Situation gelernt haben, wie wichtig Solidarität und Hilfe sind.“

Von Nathalie Helene Rippich

Leipzig, südstraße 74 51.3487508 12.2910187
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