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Siemens dünnt Belegschaft aus

Siemens dünnt Belegschaft aus

Der Vorstand des Siemens-Konzerns will rund 2000 der 128 000 Stellen in Deutschland streichen. Seit gestern führt das Management dazu Gespräche mit Arbeitnehmervertretern.

München/Leipzig. Unklar ist noch, wie stark sächsische und thüringische Standorte betroffen sein werden. Der Gesamtbetriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall kritisieren die Pläne.

Der Personalabbau konzentriert sich auf die Geschäftsfelder Antriebstechnologie und Großanlagen für die Industrie. Betroffen sind vor allem zwei Standorte des Unternehmens in Bayern: Erlangen und Bad Neustadt (Saale). Dort sollen insgesamt 1140 Stellen gestrichen werden, weitere 850 aber bundesweit im Geschäftsfeld Industry Solutions. Einzelheiten dazu wurden gestern jedoch noch nicht genannt. "Das ist jetzt im Detail zu diskutieren", sagte Personalvorstand Siegfried Russwurm. Er kündigte Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern an.

Betriebsräte in Sachsen und Thüringen sagten auf Anfrage dieser Zeitung, sie hätten noch keine Informationen, ob Kollegen an ihren Standorten gehen müssen. Sie rechnen aber damit. Einer äußerte deshalb die Sorge: "Wir können eigentlich niemanden mehr rausschmeißen, sonst fehlen uns die Leute, wenn es wieder aufwärts geht." Siemens beschäftigt in Sachsen rund 4400 Mitarbeiter, in Thüringen etwas mehr als 1000 und in Sachsen-Anhalt circa 130. Einige hundert davon arbeiten für die Konzernabteilung Industry Solutions. Dabei handelt es sich um Service- und Vertriebsmitarbeiter.

Die Siemens-Leitung begründete den Personalabbau zum einen damit, dass Kunden weniger bestellten und deshalb nicht genug Arbeit für die Beschäftigen anfalle. "Nachhaltige Nachfrageeinbrüche im wichtigen Absatzmarkt Maschinenbau" erforderten eine "Anpassung der Fertigungskapazitäten". Zum anderen stehe ein "Technologiewechsel" an: Der Konzern werde eine neue Generation von Niederspannungsmotoren bald nur noch in Tschechien produzieren - und nicht mehr in Erlangen. Diese "Bündelung der Produktion an einem Ort" sei "erforderlich".

Einzelheiten für den Personalabbau nannte das Management nicht. Die Umsetzung der Pläne würden mit den Arbeitnehmervertretern besprochen, sagte Russwurm. Aber "wir stehen zu unserer Zusage, dass wir Anpassungen bei den Beschäftigten möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen lösen wollen". Stattdessen nannte er als Möglichkeiten: Mitarbeiter gehen freiwillig, befristete Verträge werden nicht verlängert, Beschäftigte gehen in Altersteilzeit oder wechseln zu anderen Standorten.

Die IG Metall reagierte empört auf die Ankündigung. "Stellenabbau und Standortschließungen sind weder intelligent noch verantwortungsvoll", kritisierte Sibylle Wankel von der Industrie Gewerkschaft. Die Ankündigung sei auch nicht nachvollziehbar angesichts der Geschäftsergebnisse - Siemens hatte im ersten Quartal einen Gewinn von 1,5 Milliarden Euro (plus 24 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum) gemeldet.

Die Gewerkschaft forderte zusammen mit dem Gesamtbetriebsrat das Management auf, mit ihnen über Alternativen zu den vorgestellten Plänen zu sprechen. Andernfalls "steuert Siemens auf einen ernsthaften Konflikt mit der IG Metall und den Betriebsräten zu". Die Arbeitnehmervertreter waren gestern früh von der Konzernleitung über die Pläne informiert worden.

Die Gewerkschaft zweifelte auch die Begründung des Stellenabbaus an. Weniger die Wirtschaftskrise, sondern der anhaltende Konzernumbau sei der Grund, behauptete die IG Metall. Wie schon viele Beschäftigte vorher würden die 2000 Mitarbeiter "Opfer einer heftig umstrittenen Portfolio-Politik" werden. Die Konzernleitung verfolge das Ziel, Siemens "gnadenlos magersüchtig zu verschlanken", kritisierte Wigand Cramer, Politischer Sekretär der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen. Das Unternehmen verliere seit Jahren wichtige Kompetenzen. "Wir halten das für sehr gefährlich."

Der Konzernumbau hatte schon vor Amtsantritt von Peter Löscher als Siemens-Chef im Jahr 2007 begonnen. Der Konzern trennte sich bereits von mehreren Geschäftsfeldern - unter anderem von der Produktion von Mobiltelefonen - und baute vor allem sein Angebot zur Produktion von Erneuerbaren Energien aus. Die neuerlichen Ankündigungen sind daher nach Ansicht Cramers auch nicht die letzten. "Ich rechne nicht damit, dass der Konzern zur Ruhe kommt."

Markus Werning

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