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Spitze der Leipziger Konsum-Genosschenschaft tagt: Ex-Chefin fordert "rechtliches Gehör"

Spitze der Leipziger Konsum-Genosschenschaft tagt: Ex-Chefin fordert "rechtliches Gehör"

Die Entlassung der ehemaligen Konsum-Chefin Petra Schumann hat ein Nachspiel. Die vor drei Wochen überraschend mit sofortiger Wirkung abberufene Vorstandssprecherin Petra Schumann (58) will auf der morgigen Vertreterversammlung des Konsums sprechen und sich zu ihrer Abberufung äußern.

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Petra Schumann

Quelle: André Kempner

Leipzig. Auch Mitglieder der Vertreterversammlung haben beantragt, das Thema auf die Tagesordnung zu setzen. Sie fordern Klarheit über die Gründe der Entlassung.

Wie berichtet, hatte sich der Aufsichtsrat am 9. April von der Vorstandssprecherin getrennt. Begründet wurde der überraschende Schritt mit "unterschiedlichen Auffassungen über die Ausrichtung und Führung des Unternehmens". Michael Faupel (48) wurde als Nachfolger berufen, obwohl Schumann erst im vergangenen Jahr einen neuen Fünf-Jahres-Vertrag bis 2019 erhalten hatte.

Anwälte von Petra Schumann machen jetzt im Konsum-Aufsichtsrat einen "Anspruch auf rechtliches Gehör" geltend. Es gehe nicht darum, "die Durchführung der Vertreterversammlung zu torpedieren", heißt es in einem Schreiben der Kanzlei, das der LVZ vorliegt.

Parallel dazu haben auch fünf Vertreter des Konsums beantragt, das Thema auf die Tagesordnung des wichtigsten Organs der Genossenschaft zu setzen. Gefordert wird "eine Diskussion und gegebenenfalls unverbindliche Meinungsäußerung" der Versammlung zur Entscheidung des Aufsichtsrates, Petra Schumann mit sofortiger Wirkung abzuberufen. Ob die Vertreterversammlung berechtigt ist, die Abberufung rückgängig zu machen, ist umstritten. Während dies bei der Konsumgenossenschaft in Dresden in einem ähnlichen Fall Anfang des Jahres gelungen ist, heißt es in Leipzig, dass die Satzung der hiesigen Konsumgenossenschaft dies ausdrücklich ausschließt. Zuständig für Entlassung, Abberufung und Einstellung von Vorständen sei in Leipzig ausschließlich der Aufsichtsrat.

Beobachter vermuten, dass der Vorstoß der fünf Vertreter darauf zielt, Klarheit über die Hintergründe der ordentlichen Kündigung von Leipzigs "Miss Konsum" zu erhalten, ins­besondere Auskunft darüber, warum sie mit sofortiger Wirkung freigestellt wurde. Aufsichtsratschef Wolfgang Wille erklärte gestern auf Anfrage, dass er dies am Sonnabend ausführlich darlegen wird. "Das erfahren die Vertreter von mir, aber zurzeit nehme ich dazu in der Öffentlichkeit nicht Stellung", erklärte er.

Aus Dokumenten des Konsums, die der LVZ vorliegen, geht hervor, dass der Grund für die Abberufung das dominante Führungsverhalten von Petra Schumann war, verbunden mit einer wirtschaftlichen Stagnation und betriebswirtschaftlichen Verschlechterungen des Ergebnisses der Konsumgenossenschaft. So sei das Betriebsergebnis der Konsumgenossenschaft 2014 im Vergleich zum Vorjahr um rund 50 Prozent geschrumpft, heißt es dort. "Seit Jahren haben wir praktisch ein Nullwachstum." Die entlassene Chefin habe "keine ehrliche Analyse der internen Ursachen für den Umsatz- und Ergebnisrückgang vorgenommen" und "auch keine erkennbaren Maßnahmen eingeleitet, diesen Trend zu stoppen und umzukehren".

Damit in der Führungsspitze die satzungsgemäße Gleichberechtigung der Vorstände beachtet wird, hatten Aufsichtsrat und Vorstand des Konsums im Juni 2014 Grundsätze für die Zusammenarbeit im Vorstand beschlossen und jedes Vorstandsmitglied per Unterschrift zur Einhaltung verpflichtet. Dieses Abkommen habe Schumann "blockiert und wiederholt verletzt", heißt es im internen Papier. Dies habe das Vertrauensverhältnis "schwer erschüttert".

Wegen des Verdachts auf Unregelmäßigkeiten im Einkauf des Konsums wurde die Kölner Niederlassung des Wirtschaftsprüfungsunternehmens KPMG nach Schumanns Entlassung mit einer Sonderuntersuchung beauftragt. Gegenstand sind Warenmuster und Naturalrabatte, die Lieferanten dem Konsum kostenfrei zur Verfügung stellten. Außerdem stellten Liferanten den Mitarbeitern des Einkaufs Artikel außerhalb des Verkaufssortiments zur Verfügung, zum Beispiel Flachbildschirme, Laptops, Fahrräder und ähnliches. Die Lieferscheine dieser Gegenstände wurden nicht archiviert und der Eingang der Waren nicht in der Buchhaltung erfasst, heißt es in einem vorläufigen Bericht der KPMG. Ob diese Praxis Konsequenzen für Mitarbeiter hat, bedarf weiterer Untersuchungen, heißt es im Konsum. Diese Untersuchungen würden aktuell laufen.

Petra Schumann war gestern für Nachfragen nicht erreichbar.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.05.2015

Andreas Tappert

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