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Steuerquelle Porsche versiegt: VW-Beschluss sorgt in Leipzig für Millionenausfall

Steuerquelle Porsche versiegt: VW-Beschluss sorgt in Leipzig für Millionenausfall

Ein Beschluss der heutigen VW-Hauptversammlung dürfte die Stadt Leipzig teuer zu stehen kommen: Weil die Wolfsburger die neue Sportwagentochter Porsche enger in den Konzern einbinden wollen, dürfte in Leipzig einer der größten Gewerbesteuerzahler zumindest teilweise ausfallen.

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VW will Porsche enger in den Konzern einbinden.

Quelle: dpa

Leipzig. Bis zu sechs Millionen Euro pro Jahr könnten in der Stadtkasse fehlen.

Für die Stadt Leipzig war Porsche bisher eine lukrative Einnahmequelle. Gut sechs Millionen Euro hat das Unternehmen nach LVZ-Informationen zuletzt an Gewerbesteuer überwiesen - und war damit einer der wichtigsten Zahler der Stadt. Fast vier Prozent der gesamten Gewerbesteuereinnahmen von zuletzt 180 Millionen Euro kamen allein von diesem einen Unternehmen.

Damit dürfte jetzt Schluss sein. Denn seit August ist die Porsche AG eine 100-prozentige Tochter von VW. Und auf der Hauptversammlung in Hannover wollen die Wolfsburger die neue Tochter heute endgültig in den Konzern integrieren. Ein Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag, wie er bereits seit Jahren mit Audi besteht, soll heute auch mit Porsche beschlossen werden. Die Zustimmung der Aktionäre gilt als reine Formsache.

In dem nur anderthalb Seiten langen Vertrag spielen Steuern zwar eigentliche keine Rolle. Für die Kommunen sind die Auswirkungen aber gewaltig. Denn auch die Gewerbesteuer, die die Städte und Gemeinden erheben, wird künftig VW-weit verteilt. Kommunen mit Porsche-Werk wie Leipzig und Stuttgart müssen die üppigen Zahlungen des Sportwagenbauers dann mitVW-Standorten wie Wolfsburg, Zwickau und Dresden teilen.

600 Millionen Euro zahlte Porsche im vergangenen Jahr bundesweit an Gewerbesteuer. Und die Aufteilung erfolgte bisher nur unter den eigenen Standorten. Das sicherte Leipzig mit seinen inzwischen 1150 Mitarbeitern im Porsche-Werk stets einen guten Teil des Porsche-Konzerngewinns. Denn die Gewerbesteuer wird zwar von den Kommunen erhoben. Sie fällt aber nicht nur am Konzernsitz an, sondern überall, wo das Unternehmen Mitarbeiter beschäftigt. Grundlage ist immer der komplette Konzerngewinn, verteilt wird dann bundesweit nach dem Verhältnis der jeweils gezahlten Lohnsummen. Je mehr Mitarbeiter und je besser sie bezahlt werden, desto höher der Anteil.

An dem Prozedere ändert sich zwar nichts. Doch statt Porsche zahlt künftig auch in Leipzig VW - auf Grundlage des gemeinsamen Gewinns. Wobei Porsche aber deutlich profitabler ist als die Mutter: Im vergangenen Jahr macht der Sportwagenbauer 2,65 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern - bei nur 17500 Mitarbeitern. Bei VW lag der Vorsteuergewinn bei 25,5 Milliarden Euro. Allerdings beschäftig der Konzern auch 550000 Mitarbeiter. Pro Kopf erwirtschaftete jeder Porsche-Mitarbeiter damit dreimal so viel Überschuss wie sein VW-Kollege. Für die Porsche-Standorte wird die Neuverteilung der Steuer so zum massiven Minusgeschäft. Rein rechnerisch würde die Gewerbesteuer um zwei Drittel einbrechen - in Leipzig also von sechs auf zwei Millionen Euro.

Noch verschärfen könnte sich dieSituation durch eine Hiobsbotschaft, die gestern aus Wolfsburg kam: Im ersten Quartal brach der operative Gewinn bei VW um ein Viertel auf 2,6 Milliarden Euro ein. VW-Chef Martin Winterkorn verwies auf das schwierige konjunkturelle Umfeld insbesondere in Europa. Für den Rest des Jahres bleibt Winterkorn aber optimistisch. "Wir bleiben grundsätzlich zuversichtlich, dass wir im weiteren Jahresverlauf an Fahrt aufnehmen können." Die Ziele für das Gesamtjahr sieht er daher nicht in Gefahr - und die sehen vor, den Gewinn des Vorjahres zu wiederholen.

Leipzigs Finanzbürgermeister Torsten Bonew (CDU) wollte sich gestern auf Anfrage nicht zum Thema äußern. "Das fällt unters Steuergeheimnis", sagte er nur. Auch Porsche-Sprecher Achim Schneider wollte keine Angaben zur bisherigen Steuerzahlung seines Unternehmens machen. Er bestätigte aber, dass die Porsche-Standorte wegen des heutigen VW-Beschlusses mit Einbußen rechnen müssen. "Die Kommunen sind darauf aber vorbereitet." Porsche-Finanzvorstand Lutz Meschke hatte sich bereits im März gesprächsbereit gezeigt. Im Falle deutlicher Einbußen werde man mit den Kommunen "vernünftige Lösungen finden". Auch in Leipzig werden nach LVZ-Informationen in den nächsten Tagen Steuerfachleute von Porsche im Rathaus erwartet.

Die größten Einbußen macht aber der Porsche-Stammsitz Stuttgart, wo das Unternehmen 7000 Mitarbeiter beschäftigt: Dortigen Zeitungsberichten zufolge überwies Porsche 2012 rund 75 Millionen Euro an die Stadt. 50 Millionen davon dürften nun wegbrechen. Noch härter trifft es die Gemeinde Weissach wenige Kilometer nördlich von Stuttgart: In dem 7500-Einwohner-Ort hat Porsche sein Entwicklungszentrum mit 4500 Mitarbeitern. Das bescherte der Gemeinde, die als eine der reichsten Deutschlands gilt, zuletzt Gewerbesteuereinnahmen von 43 Millionen Euro. Auf ein Ende des üppigen Geldsegens hat sich die Kommune aber längst vorbereitet: Sie ist schuldenfrei und hat bereits mehr als 200 Millionen Euro für schlechte Zeiten zurückgelegt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.04.2013

Frank Johannsen

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