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Styropor-Krise bedroht Jobs: Sachsen drängt auf Entsorgungslösung

Neuregelung Styropor-Krise bedroht Jobs: Sachsen drängt auf Entsorgungslösung

Styropor galt einst als Brandschutz, mit den vom Bundesrat geänderten Abfallvorschriften wird es seit Oktober aber als umwelt- und gesundheitsschädlich eingestuft. Sanierungen geraten ins Stocken – Bauleute und Entsorger fordern eine Neuregelung.

Styropor gilt inzwischen als „gefährlicher Abfall“. (Archiv)

Quelle: dpa

Leipzig. Wärmegedämmte Häuser werden zum Problem für die Umwelt. Die tonnenweise verbauten Styropor-Dämmplatten gelten als „gefährlicher Abfall“, weil sie meist mit der bromhaltigen Chemikalie HBCD (Hexabromcyclododecan) beschichtet wurden. Was einst dem Brandschutz diente, gilt mit den vom Bundesrat geänderten Abfallvorschriften seit Oktober als umwelt- und gesundheitsschädlich. Beispielsweise sollen HBCD-Verbindungen die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen.

Bei älteren Häusern ist der Nachweis, ob schädliche Chemikalien in der Dämmung vorkommen, kaum noch nachvollziehbar. Bei Sanierungen müssen die Dämmplatten komplett ausgewechselt werden. Rund 4000 Tonnen Sonderabfall pro Jahr fallen dadurch allein in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen an, schätzen Baufachverbände. „Das eigentliche Problem ist aber nicht das anfallende Gewicht, sondern das enorme Volumen an zusätzlichem Sondermüll“, erklärt der Hauptgeschäftsführer des sächsischen Baugewerbeverbandes, Klaus Bertram. Jede Firma dürfe 30 Tonnen zulassungsfrei lagern. „Die Dämmplatten sind extrem leicht. Baufirmen und Entsorger haben damit ein mächtiges Platzproblem.“ Die meisten Wertstoffhöfe und Recyclingfirmen nehmen gar keine Dämmstoffe mehr an.

Wohin mit dem Sondermüll?

Nach den geänderten Abfallvorschriften muss belastetes Styropor getrennt gesammelt und entsorgt werden. Doch wohin mit dem Sondermüll? In Sachsen hat lediglich die Thermische Abfallbehandlungsanlage in Lauta (Landkreis Bautzen) eine entsprechende Sondergenehmigung. Die einzige Hausmüllverbrennungsanlage in Sachsen, in Lauta (Landkreis Bautzen), verfügt zwar als eine von wenigen in Deutschland über die Berechtigung, Styroporabfälle zu verbrennen. Doch scheitert es an der Kapazität: „Wir könnten zwar auch Styropor  in großer Menge annehmen, sind aber vertraglich bis Ende 2017 voll ausgelastet und gebunden“, schränkt Betriebsleiter Rainer Kühne ein.

„Wir dürfen in diesem und im nächsten Jahr keinen zusätzlichen Müll annehmen.“ Die Gemengelage sei in der Tat schwierig. „Aber die Verbrenner haben das gegenwärtige Entsorgungsproblem nicht verursacht.“

Damit hat besonders der Freistaat Sachsen ein gewaltiges Problem. Thüringen beispielsweise verfügt über zwei Verbrennungsanlagen in Erfurt und Zella-Mehlis; in Sachsen-Anhalt gibt es sogar vier solcher Anlagen. Doch der als Sondermüll deklarierte Polystyrol-Schaumstoff darf nicht in Nachbarländer gebracht werden. Der Bund der Entsorger rät seinen Mitgliedern inzwischen, keine Dämmplatten mehr anzunehmen. Einer Umfrage zufolge rechnen vor allem kleinere Dachdeckerfirmen damit, wegen der Entsorgungsmisere Baustellen schließen und Mitarbeiter entlassen zu müssen. Zudem drohten mehr als der Hälfte der Firmen deutliche finanzielle Einbußen, beklagte der Innungsverband der sächsischen Dachdecker. Seit Oktober ist der Entsorgungspreis von 100 auf bis zu 6000 Euro pro Tonne Styropor geklettert – auf Dauer unbezahlbar für kleine und mittelständische Handwerksbetriebe. „Das ist ein echter Entsorgungsnotstand“, betont Verbandschef Bertram. „Die Abfallverordnung muss neu gefasst werden.“

Umgang mit brombelasteten Textilien unklar

Auch Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) sieht dringenden Handlungsbedarf. Die umstrittene Regelung habe der Bundesrat vor einem Jahr „gegen die Warnung des Bundesumweltumweltministeriums und gegen die Stimme Sachsens beschlossen“, so der Minister. Beim Treffen der Umweltminister der Länder von Mittwoch bis Freitag dieser Woche will Schmidt deshalb beantragen, diese „Fehlentscheidung“ zu korrigieren und die neue Vorschrift zur gesonderten Verbrennung der Styroporplatten wieder zu kippen. Ob der Vorstoß, dem sich auch das Saarland angeschlossen hat, die notwendige einstimmige Mehrheit findet, ist ungewiss.

Völlig ungeklärt ist bislang auch der Umgang mit brombelasteten Textilien. Denn während das als gefährlich eingestufte HBCD in Dämmstoffplatten nur in Konzentrationen zwischen knapp ein und drei Prozent vorkommt, sind es bei Textilien und Polstermöbeln bis zu 15 Prozent. In geringeren Konzentrationen wurde die Brom-Chemikalie auch in Computern, Fernsehern, Telefonen oder Kühlschränken verbaut.

Winfried Mahr

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