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Suche nach Fachkräften: Leipziger Wirtschaftsförderer verschickt 12.000 Briefe

Suche nach Fachkräften: Leipziger Wirtschaftsförderer verschickt 12.000 Briefe

Lutz Thielemann ist Geschäftsführer der neuen "Wirtschaftsförderung Region Leipzig GmbH" (WRL). Gestern hat er von den Gesellschaftern - der Stadt Leipzig, den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen sowie der IHK Leipzig - den Staffelstab übernommen.

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Geht neue Wege, um die Region Leipzig voranzubringen: Lutz Thielemann, Chef der Wirtschaftsförderung.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Was er jetzt vorhat, erklärt Thielemann im LVZ-Interview.

LVZ:

Wenn Sie im Fahrstuhl auf einen potenziellen Investor treffen, den Sie in 30 Sekunden vom Standort überzeugen müssen, was sagen Sie dem?

Lutz Thielemann:

Die Produktivität ist im Raum Leipzig dank moderner Investitionen, moderater Arbeitskosten sowie einer wettbewerbsfähigen IT- und Verkehrsinfrastruktur überdurchschnittlich hoch. Ansiedlungsinteressenten finden hervorragend erschlossene Gewerbe- und Industrieflächen in variablen Zuschnitten bereits zu Preisen ab zehn Euro je Quadratmeter. Es stehen günstige Darlehens- und attraktive Förderprogramme der Sächsischen Aufbaubank für Investitionsvorhaben im verarbeitenden Gewerbe und bei produktiven Dienstleistungen zur Verfügung. Das vorhandene Fachkräftepotenzial, die Universitäts- und Hochschullandschaft sowie internationale Forschungsinstitute, wie Max-Planck, Fraunhofer oder Helmholtz runden den attraktiven Faktoren-Mix ab. Dazu kommt eine überragende Lebensqualität und Kulturdichte - getragen unter anderem vom Gewandhausorchester, den Thomanern und dem internationalen Bachfest, aber auch von einer inspirierenden Schauspiel-, Tanz-, Galerie- und Festivalszene. Nicht zu vergessen sind einzigartige Erlebniswelten, wie der Zoo Leipzig, Belantis, das Leipziger Neuseenland oder künftiger Bundesligafußball mit RB Leipzig. Da ich ziemlich schnell sprechen kann, bekomme ich dies alles in 30 Sekunden im Fahrstuhl gut unter.

Es gibt hohe Erwartungen an die Gesellschaft. Fördern Sie bestehende oder holt sie neue Unternehmen hierher?

Unsere Ziele sind erstens die Akquisition neuer Unternehmen, zweitens die Gewinnung von Fachkräften, drittens ein offensives nationales und internationales Standortmarketing. Wir sind in diesem Sinne eine klassische Ansiedlungsagentur. Im Gegensatz dazu ist Wirtschaftsförderung ein komplexeres Thema, beinhaltet Steuer- und Beschäftigungspolitik, Industrieflächenmanagement, Innovationsförderung und mehr. Diese Felder bleiben in der Region Leipzig als Aufgaben bei den Ämtern für Wirtschaftsförderung in den Städten und Kreisen. Wir hingegen bündeln die Kräfte unserer Gesellschafter im Außenauftritt, um gemeinsam schlagkräftiger für neue Investitionen zu werben. Die Bestandspflege regionaler Unternehmen konzentriert sich für uns auf die Gewinnung von Fachkräften und die Unterstützung von Erweiterungsinvestitionen, so dass letztere nicht an andere Regionen verloren gehen. Mit dieser Aufgabenzuweisung vermeiden wir Parallelstrukturen in der Region und profilieren uns als Marketing- und Vertriebsspeerspitze in der Phalanx der Wirtschaftsförderer der Region.

Sie haben sich sechseinhalb Jahre um Wirtschaftsförderung und Tourismusmanagement in Görlitz gekümmert - mit welchem Erfolg?

Wir haben durch Neuansiedlungen und Erweiterungsinvestitionen mehr als 1500 neue Arbeitsplätze geschaffen. Insbesondere freue ich mich über eine ganze Reihe mittelständischer Unternehmen aus Deutschland, aber auch aus der Schweiz und Polen, die sich aufgrund unserer offensiven Akquisitionsarbeit in Görlitz angesiedelt haben. Das ist im strukturschwächeren Ostsachsen nicht selbstverständlich. Zudem steigerten wir die Anzahl der touristischen Übernachtungen um mehr als 60 Prozent in sechs Jahren und wurden 2012 beim internationalen Kulturmarkenkongresses zur "Stadtmarke des Jahres" für das beste Standortmarketing in Deutschland ausgezeichnet. Ich bin sehr dankbar für die Zeit in Görlitz und fühle mich dieser außergewöhnlichen Stadt für immer verbunden.

Mit welchen konkreten Maßnahmen haben Sie diesen Erfolg erreicht?

Wir handelten nach dem Prinzip: Nicht die Großen schlagen die Kleinen, sondern die Schnellen und Agilen überholen die Langsamen. Konkret sprachen wir viele tausend Unternehmen im Rahmen von Mailings mit Standortangeboten an, machten tausende Mittelständler bei Industriemessen aufmerksam und wir waren publizistisch aktiv, haben im In- und Ausland geworben und immer wieder Journalisten eingeladen. Und wir kümmerten uns in Görlitz um jeden Interessenten so gut es möglich war.

Was sind die ersten Maßnahmen der Leipziger Wirtschaftsfördergesellschaft?

Wir präsentierten die Region Leipzig in den ersten Wochen seit September auf Unternehmerreisen, Empfängen und Kongressen in Memphis und Washington sowie in der Ukraine und hatten eine ausgesprochen gute Resonanz. Wir nahmen an der Expo Real, der bedeutendsten Gewerbeimmobilienmesse Deutschlands teil, publizierten in der kurzen Zeit internationale Standortwerbeauftritte und kreierten die ersten mehrsprachigen Flyer und Broschüren zur Ansprache unserer Zielgruppen. Noch in dieser Woche erscheinen in "Die Welt" und "Süddeutsche" zwei jeweils vierseitige Verlagsbeilagen zur Investitionsregion Leipzig. Zum Ende der Woche versenden wir 12 000 Briefe an Unternehmen in strukturstarken Regionen Deutschlands und der Schweiz, um dortigen Firmen die Region Leipzig für den Fall einer Unternehmenserweiterung anzubieten.

Sie werben im In- und Ausland unter anderem mit dem Fachkräfte-Potenzial vor Ort - dabei fehlen die Fachkräfte doch hier auch...

Umso wichtiger ist es, neben der Firmenakquisition intensiv die Fachkräftegewinnung voranzutreiben. Wir sind jedoch kein Stellenvermittlungsbüro. Wir wollen qualifizierte, erfahrene Fachkräfte motivieren, sich auf verfügbare Jobangebote in der Region Leipzig zu bewerben. Diese Angebote werden wir ab Januar auf einer eigens für unsere Region zusammengefassten Online-Stellenbörse platzieren. Die Fachkräfteansprache erfolgt sehr breit. Dafür werden wir uns national und international gezielt auf Job- und Hochschulmessen präsentieren, aber auch mit Riesenpostern an stark frequentierten Plätzen im In- und Ausland um neue Einwohner werben. Ich gehe davon aus, dass wir bereits 2014 Großbanner an polnischen Autobahnen installieren, um tausende Pendler für Jobs in der Region Leipzig zu begeistern, die dann konkret in unserer Stellenbörse abrufbar sein werden.

Schätzen Sie mal: Wie lange wird es dauern, bis es für die Region Leipzig erkennbare Erfolge gibt?

Der Prozess einer Ansiedlungsentscheidung ist von zahlreichen Unwägbarkeiten gekennzeichnet und erstreckt sich häufig über mehr als ein Jahr, mindestens nochmal solange braucht es für die Umsetzung. Wer schnelle Erfolge fordert, versteht das Geschäft nicht. Oft entscheiden sich mittelständische Unternehmen nur einmal in einer Generation für eine maßgebende Erweiterung, und genauso oft finden diese Expansionen am Stammsitz statt. Wenn es um Auslagerungen von Produktionen geht, befinden wir uns im Wettbewerb mit hunderten Standorten in Europa. Aber wir haben starke Argumente und gute Erfolgsaussichten.

Gleichwohl werden wir ebenso oft keine Chance haben - wenn sich Unternehmen ausschließlich an Produktivitätsfaktoren orientieren und in polnischen Sonderwirtschaftszonen über 20 Jahre keine Steuern entrichten müssen oder sich wie in Polen, Tschechien, Ungarn und der Slowakei an Mindestlöhnen von zwei Euro pro Stunde orientieren. Westsachsen hat andere Qualitäten, an die wir glauben: verlässliche Ingenieurtechnik Made in Germany, eine starke Forschungs- und Bildungslandschaft und die wachsende Metropolregion Leipzig. Unverständlich und nicht akzeptabel ist jedoch, dass die Region Dresden ab dem nächsten Jahr eine höhere Investitionsförderung als Leipzig anbieten darf.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.12.2013

Björn Meine

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