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Tagebausanierer LMBV: Wir fluten planmäßig weiter“

Bergbauseen:Keine Ebbe nach Hitze-Sommer Tagebausanierer LMBV: Wir fluten planmäßig weiter“

Wo vor Jahrzehnten Bergbauarbeiter Braunkohle förderten, schwimmen heute Menschen. Aus vielen Kohlegruben in Ostdeutschland sind Seen geworden. Klaus Zschiedrich, Vorsitzender der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), im Interview über die 20 Jahre Arbeit, die Veränderungen in der Braunkohleindustrie und die Flutung der Seen.

Lausitzer Seenland (Archivbild).

Quelle: dpa

Senftenberg/Leipzig. Wo vor Jahrzehnten Bergbauarbeiter Braunkohle förderten, schwimmen heute Menschen. Aus vielen Kohlegruben in Ostdeutschland sind Seen geworden. Klaus Zschiedrich, Vorsitzender der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV), im Interview über die 20 Jahre Arbeit, die Veränderungen in der Braunkohleindustrie und die Flutung der Seen.

Wegen Hitze und Trockenheit wird in diesem Jahr weniger Flusswasser in die Tagebau-Seen geleitet als eigentlich geplant. Steht der langfristige Zeitplan zur Flutung der ehemaligen Gruben auf dem Spiel?

Nein. Wir sehen in der gegenwärtigen Situation keine gravierenden Verschiebungen. Die großen Seen als Folge des Bergbaus in der Lausitz werden seit vielen Jahren planmäßig geflutet. Wir haben dort parallel einen natürlichen Anstieg des Grundwassers und wir haben Fremdwasser aus der Schwarzen Elster, Spree und der Lausitzer Neiße zugeführt.

Wem gehören die Seen, die die LMBV betreut?

Zur Person

Klaus Zschiedrich ist seit Januar 2014 Vorsitzender der Geschäftsführung der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV). Zuvor war der studierte Maschinenbauer in zahlreichen Funktionen in dem staatseigenen Betrieb tätig. Seit den 70er-Jahren arbeitete der heute 63-Jährige im Lausitzer Braunkohlenbergbau in Leitungsfunktionen in der Instandhaltung und im Technik-Bereich. 1996 erfolgte seine Berufung zum Prokuristen und Länderbereichsleiter Ostsachsen der LMBV.

Das ist unterschiedlich. Zum großen Teil noch dem Bund, aber auch schon vereinzelt Privateigentümern. Einige Seen gehören den Kommunen und einige werden einmal in Landeseigentum übergehen. Zum Beispiel hat das Land Sachsen schon 2009 entschieden, alle wichtigen Bergbauseen zu übernehmen. Brandenburg will die großen Seen im Land in Landeseigentum überführen, während in Sachsen-Anhalt fast alle Seen schon verkauft sind. Sie wurden zunächst den Anliegerkommunen angeboten und dann an deren Zweckverbände oder aber auch an private Unternehmen veräußert.

Bei der Flutung der Tagebau-Gruben ist das Problem Eisenocker aufgetaucht. Das Eisen mischt sich mit dem Wasser und färbt es braun, daher muss technisch gegengesteuert werden. Das kostet Geld. Werden sich Länder angesichts solcher Folgen womöglich als Käufer von Seen zurückziehen?

Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Denn wir haben frühzeitig mit dem Bund und den jeweiligen Ländern – insbesondere Brandenburg und Sachsen – besprochen, dass die LMBV bei einer Übertragung eines Sees die höheren Ausgaben, die gegenüber einem na­türlichen See entstehen, grundsätzlich erstattet. Mit anderen Worten: Das ist seitens des Bundes sicherlich eine In­vestition in die Zukunft. Die zusätzlichen Ausgaben für den Unterhalt der Seen werden dabei höher als der eigentliche Verkehrswert der Wasserflächen sein.

Der Bergbausanierer LMBV blickt auf eine 20 Jahre alte Geschichte zurück. Was war die Ausgangslage?

Die LMBV ist mit wirtschaftlicher Wirkung am 1. September 1995 gegründet worden. Wir haben zu diesem Zeitpunkt drei wesentliche Aufgaben übertragen bekommen: Die rasche Stilllegung der noch vorhandenen Produktionsbetriebe im Tagebau, die Sanierung der Bergbauflächen und den Verkauf sanierter Liegenschaften und nicht mehr benötigter Bergwerksanlagen. Die LMBV hatte bei der Stilllegung von Tagebauen eine Übergangsphase gehabt, den sogenannten Auslaufbergbau. Wir haben also zu diesem Zeitpunkt vor zwanzig Jahren als LMBV noch in fünf Tagebauen aktiv Kohle gefördert mit insgesamt 11 300 Mitarbeitern. 1996 hatten wir dann noch rund 6300 Beschäftigte. Wir haben dann die Stilllegung dieser Gruben bis 1999 abgeschlossen.

Die noch aktiven Bergbaugebiete in Ostdeutschland stehen vor einem großen Strukturwandel. Es ist nicht das erste Mal, denn bereits nach der Wende wurde die Produktion in den meisten Gruben eingestellt. Wie war das damals?

Es gab damals einen regelrechten wirtschaftlichen Umbruch in der ostdeutschen Energiewirtschaft mit enormen wirtschaftlichen Folgen für die Unternehmen, aber auch für die Beschäftigten des Industriezweiges. In der Regel wurden die persönlichen Lebenspläne der Beschäftigten in der Braunkohleindustrie völlig auf den Kopf gestellt. Es gab eine Fülle betriebsbedingter Kündigungen und es gab riesige soziale Probleme. Dieses Abrupte war in den Anfangsjahren nach 1990 das große Problem. Wenn heute ein Bergbaubetrieb zu Ende geht, ist ein Übergangszeitraum da, in dem man planen kann. Aber es eröffneten sich auch neue Chancen.

Interview: Anna Ringle

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