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Traditionsdruckerei auf Sparkurs: Offizin Andersen Nexö kürzt in Zwenkau beim Personal

Traditionsdruckerei auf Sparkurs: Offizin Andersen Nexö kürzt in Zwenkau beim Personal

Mit Einschnitten beim Personal will sich die Traditionsdruckerei Offizin Andersen Nexö (OAN) aus der Insolvenz befreien. Nach der Schließung der Leipziger Töchter Messedruck und KuVe wird jetzt auch am Hauptsitz in Zwenkau der Rotstift angesetzt: Ein Fünftel der Mitarbeiter musste bereits gehen, die Rest-Belegschaft hat länger zu arbeiten und mit weniger Urlaub auszukommen.

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Kochbücher und Prospekte werden bei Offizin Andersen Nexö in Zwenkau künftig mit weniger Personal gedruckt.

Quelle: Andreas Döring

Zwenkau. Mit ungewohnter Offenheit geht OAN-Chef Stephan Treuleben derzeit auf Kundenfang. In einem zweiseitigen Brief an seine Kunden, der der LVZ vorliegt, listet er detailliert auf, mit welchen Einschnitten er die Traditionsdruckerei wieder flott machen will. Vor allem für das Personal bedeutet das tiefe Einschnitte: Die Zahl der Mitarbeiter in Zwenkau habe man bereits um fast ein Fünftel von 220 auf 180 reduziert. Der Abbau sei schon Ende Juli abgeschlossen worden. Diese "für die betroffenen Mitarbeiter sehr harte Maßnahme" sei "aufgrund der aktuellen Marktentwicklung leider ohne Alternative" gewesen, schreibt Treuleben. Und auch die verbleibenden Mitarbeiter müssen mit merklichen Einschnitten leben: Bezahlte Pausen und Freischichten, die es bisher für Mitarbeiter im Drei-Schicht-Betrieb der Druckerei gab, wurden gestrichen, der Jahresurlaub von 30 auf 25 Tage gekürzt. Alle Mitarbeiter hätten dem bereits zugestimmt, und zwar zu 100 Prozent, wie Treuleben per Brief verkündete.

"Das ist schmerzlich und trifft die Mitarbeiter hart", sagte gestern Betriebsratschefin Kerstin Schneiderheinze (46) auf LVZ-Anfrage. Um ihre Arbeitsplätze zu retten, hätten am Ende alle 180, die noch an Bord sind, den Kürzungen bei Urlaub und Pausen zugestimmt. "Das ist der Beitrag der Belegschaft zur Sanierung", so die Betriebsrätin. "Jetzt hoffen wir alle, dass es weitergeht."

Am härtesten treffe es natürlich die 40 Kollegen, die ihren Job verlieren. "Das ist wirklich ein schmerzlicher Personalabbau." Für die Betroffenen habe man immerhin einen Sozialplan aushandeln können, der Abfindungen vorsehe. Geflossen sei das Geld aber noch nicht. Dafür, so die Betriebsratschefin, müsse erst das Insolvenzverfahren abgeschlossen werden.

Das könnte bereits im November geschehen. Dann sollen die Gläubiger über den von Treuleben vorgelegten Insolvenzplan abstimmen, kündigte er in dem Brief an seine Kunden an. Bei Gericht sei der Plan inzwischen eingereicht worden, und dieses habe das Konzept bereits angenommen. Das Gericht selbst wollte sich gestern nicht zum Thema äußern.

OAN war voriges Jahr kurz nach Weihnachten in die Insolvenz gerutscht, hatte von den Gläubigern dann aber grünes Licht für eine Sanierung in Eigenregie erhalten. Wegen der Krise in der Druckbranche war dem Unternehmen das Geld ausgegangen. Bei den Töchtern Messedruck sowie Kunst- und Verlagsbuchbinderei (KuVe) in Baalsdorf gingen wenig später bereits die Lichter aus: Beide Standorte wurden geschlossen, fast alle der mehr als 100 Mitarbeiter in Baalsdorf mussten gehen. Nur 20 KuVe-Mitarbeiter holte OAN nach Zwenkau, wo das Buchbindegeschäft zusammengefasst wurde.

Neben Einsparungen beim Personal sieht der Plan jetzt auch Investitionen in die Anlagen in Zwenkau vor. Die Druck- und Buchbindemaschinen würden derzeit mit erheblichem Aufwand überholt, um Qualität und Leistungsfähigkeit zu sichern, heißt es in dem Kundenschreiben. Neue Aggregate in der Buchbinderei sorgten schon jetzt für bessere Flexibilität. Mit diesem "harten, aber erfolgreichen Anpassungsprozess" seien nun die Voraussetzungen erfüllt, um das Insolvenzverfahren erfolgreich abzuschließen, schreibt Treuleben zuversichtlich.

Vom Unternehmen selbst war gestern keine Stellungnahme zu bekommen. Eine Anfrage der LVZ blieb unbeantwortet. OAN-Chef Treuleben hatte sich zuletzt Mitte April öffentlich geäußert. Bereits damals hatte er angekündigt, dass es wohl nicht ohne Einschnitte beim Personal in Zwenkau gehe werde. Details wollte er seinerzeit aber noch nicht nennen. Seither gab es auf alle LVZ-Anfragen zum aktuellen Stand keine Antwort.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.10.2013
Frank Johannsen

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