Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Trotz Gästerekorden in Leipzig: Kaum Chancen für Astoria oder neues Hochhaus-Hotel

Trotz Gästerekorden in Leipzig: Kaum Chancen für Astoria oder neues Hochhaus-Hotel

Die Zahlen sind neu und beeindruckend. 2013 hat Leipzig bislang in jedem Monat ein Rekordergebnis bei den Hotel-Übernachtungen erzielt. Die extrem niedrigen Zimmerpreise ziehen an - aber nur langsam.

Voriger Artikel
Sachsens Handwerk lehnt einen einheitlichen Mindestlohn ab
Nächster Artikel
Streiks bei Amazon Leipzig und in Supermärkten – Kaufland, Real, Aldi und Netto betroffen

An neun Standorten sind derzeit weitere Hotel-Bauten geplant.

Quelle: Grafik Enzo Forciniti

Leipzig. Nach Ansicht von Fachleuten wird es noch lange dauern, bis die Stadt ein drittes Grandhotel verträgt.

Nach dem Rekord 2012 mit 2,47 Millionen Übernachtungen legt Leipzig in diesem Jahr noch mal um etwa 8,8 Prozent zu. Das sagte Volker Bremer, Chef der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH (LTM). Er hat seine Prognose deshalb schon heraufgesetzt, erwartet bis Jahresende nun 2,7 Millionen Übernachtungen. Falls das Wetter zum Weihnachtsmarkt passt, vielleicht auch mehr.

"Obwohl der Tourismus derzeit bundesweit Einbußen erleidet, steuern wir auf drei Millionen Übernachtungen zu", triumphierte Bremer bei einem Fachforum der Industrie- und Handelskammer zum Leipziger Hotelmarkt. "Wenn im ersten Halbjahr 2015 die Kongresshalle öffnet, geht es Richtung 3,5 Millionen." Dies lasse sich mit der aktuellen Bettenzahl von 14.500 aber "nicht schaffen."

Einmal mehr wurden bei dem Forum die Ankündigungen verschiedener Projektentwickler bemüht, wonach allein 2014 über 1000 Betten hinzukommen könnten. Gesichert ist der Zuwachs jedoch stets erst dann, wenn wirklich gebaut wird, meinte Max Luscher, Branchenberater beim Wirtschaftsprüfer KPMG. "Leipzig hat ein Ratenproblem. Die Zimmerpreise gehören zu den niedrigsten bundesweit, dabei liegen die Investitionskosten hier nur fünf Prozent unter denen in anderen Städten."

Wirklich im Bau sind bislang nur das Travel24-Hotel im Ring-Messehaus (170 Zimmer) und ein zweites Motel One in der Grimmaischen Straße (180 Zimmer). Beide sollen im Herbst 2014 öffnen, gehörten in die Kategorie Drei- bis Vier-Sterne-Ausstattung zum Zwei-Sterne-Preis, erläuterte Luscher. Dieses noch recht junge Segment lasse Kostentreiber wie ein eigenes Restaurant einfach weg, könne daher locker die ohnehin recht niedrigen Preise in der Stadt unterbieten. Der durchschnittliche Zimmerpreis in Leipzig liegt jetzt bei 74,50 Euro und damit etwas höher als in Dresden (70,50 Euro). Allerdings sei die Landeshauptstadt keine gute Vergleichsbasis mehr, weil dort zu schnell zu viele Herbergen entstanden. Luscher: "Dann brachen die Übernachtungszahlen in Dresden ein."

Leipzig erlebe jetzt den Gäste-Boom, den Dresden vor einigen Jahren hatte, meinte Axel Hüpkes, Chef des NH-Hotels nahe der Messe sowie Vorsitzender des Dehoga-Regionalverbandes. "Der Stadtkern wird immer voller mit Hotels, aber einige Häuser weiter draußen konnten nicht mal zum Völkerschlacht-Jahrestag mehr als 45 Euro nehmen." Leipzig gelte jetzt überregional als Stadt des Aufbruchs, entfalte enorme Anziehungskraft auf Kongresse, Kulturtouristen oder Fans der Kreativszene. Dennoch müsse bei der Planung an die Zeit nach dem Boom gedacht werden. In der Stadt fehlten nach wie vor ausländische Gäste, weil es hier keine großen Dax-Konzerne oder internationale Messen (außer der "Orthopädie + Reha-Technik") gibt.

2013 kam erst eine Herberge hinzu: das allerdings hervorragend gebuchte InterCity-Hotel (vier Sterne) am Tröndlinring mit 166 Zimmern. "Der Markt entwickelt sich deutlich besser als das Angebot", frohlockte Axel Ehrhardt, Chef des Mercure und Vorsitzender der Leipzig Hotel Alliance. "Ich sehe überhaupt keinen Verdrängungswettbewerb." Dies gelte, obwohl die zwölf, zumeist auf Geschäftsreisende orientierten Nobelherbergen der Alliance nur an 30 Tagen im Jahr voll ausgelastet sind.

Besonders ganz oben ist die Luft dünn, waren sich die Fachleute einig. Im Steigenberger Grandhotel lasse sich im Januar noch immer für 95 Euro einchecken. Dabei seien 200 Euro nötig, damit sich ein Fünf-Sterne-Haus rentiert, erklärte Hüpkes. "In Berlin oder anderen Metropolen sind 300 bis 400 Euro normal." Im Fürstenhof laufe es kaum anders als bei Steigenberger. Deshalb sei höchst unwahrscheinlich, dass in Leipzig auf absehbare Zeit ein drittes Grandhotel entsteht. Nur mit Spitzenhäusern ließen sich Investitionskosten - wie die veranschlagten 100 Millionen Euro für einen Hochhaus-Hotel-Bau am Goerdelerring oder eine Wiedergeburt des legendären Astoria - refinanzieren, nickte Luscher. Solange Leipzigs Zimmerpreise im Keller bleiben, gehe bestimmt keine Bank so ein Risiko ein.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.10.2013

Jens Rometsch

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wirtschaft
  • Jetzt einschalten!

    Begeistern Sie Ihre Kunden mit Ihren eigenen Angeboten & Informationen auf großen Bildschirmen – spielend einfach mit der LVZ Mediabox. mehr

  • Unsere Empfehlung

    Kein Display? Kein Problem! Von 22 bis 55 Zoll - mit unseren Mediabox-Komplettsystemen bieten wir Ihnen immer die individuell passende Lösung an. mehr

  • Top Preis

    Sie besitzen bereits einen Display? Mit der LVZ Mediabox steuern Sie ihre individuelle Sendeschleife bequem über das Internet. mehr

  • Sie bestimmen das Programm

    Individuell und aktuell: Ihre Informationen, Angebote und Aktionen sowie News der LVZ und von N24 auf der LVZ Mediabox mehr