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Unister-Belegschaft nach Razzia geschockt – 70 Mitarbeiter im Visier, es geht um 8 Millionen Euro

Unister-Belegschaft nach Razzia geschockt – 70 Mitarbeiter im Visier, es geht um 8 Millionen Euro

Für die Unister-Mitarbeiter muss es wie ein Déjà-vu-Erlebnis gewesen sein. Fünf Staatsanwälte, 22 Steuerfahnder und rund 60 Polizisten durchsuchten am Dienstag – fast auf den Tag genau ein Jahr nach der ersten Razzia – die Büroräume des Online-Reiseanbieters in Leipzig.

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Bei Unister in Leipzig herscht Fassungslosigkeit. Gegen 70 Mitarbeiter wird wegen Betrugs ermittelt.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Es geht um den Verdacht des Computerbetrugs und der Steuerhinterziehung. Doch nun steht nicht mehr nur die Führungsriege im Visier – ermittelt wird auch gegen Teile der Belegschaft. Die Mitarbeiter sind geschockt.

Auf der lange geplanten Belegschaftsversammlung herrschte am Mittwoch Fassungslosigkeit. Rund 1000 der gut 1600 Mitarbeiter kamen auf Einladung des neuen Geschäftsführers Peter Zimmermann ins Haus Auensee. Statt über Wachstumsziele zu sprechen, musste sich der Ex-Regierungssprecher aus Thüringen den Fragen der verunsicherten Mitarbeiter stellen. „Die Stimmung ist am Boden“, berichteten Teilnehmer gegenüber LVZ-Online. Vor allem junge Kollegen seien im „Schockzustand“.

Computer- und Steuerbetrug in Millionenhöhe?

Am Dienstag hatten Ermittler der Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen (INES) die Büros im Barfußgäßchen und am Dittrichring durchsucht, dabei kistenweise Datenträger und Aktenordner beschlagnahmt. Es bestehe der Verdacht des Computer- und Steuerbetrugs, teilte die federführende Generalstaatsanwaltschaft in Dresden mit. „Im Zuge unserer Ermittlungen, bei der Auswertung bereits beschlagnahmter Daten, sind weitere Verdachtsmomente aufgekommen“, erklärte Behördensprecher Wolfgang Klein. Der Schaden belaufe sich auf rund acht Millionen Euro.

Unister-Mitarbeiter sollen 60.000 Lufthansa-Tickets zu günstigen Konditionen erworben und auf Seiten wie fluege.de überteuert verkauft haben. „Man hat sich nicht als Buchungsportal ausgegeben sondern als Reiseveranstalter und ist durch unwahre Angaben an günstigere Tarife gekommen“, sagte Klein. Im Verdacht stünde nicht das Unternehmen selbst, sondern mehr als 70 Mitarbeiter, die an den offenbar illegalen Geschäftspraktiken mitverdient haben sollen.

Unister zeigt sich kooperativ

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„Wir werden die Arbeit der Ermittler konstruktiv unterstützen“, versichert Unister-Sprecher Konstantin Korosides.

Quelle: Christian Nitsche

Die Billig-Tickets sind in der Branche üblicherweise für Pauschalpakete mit Hotels vorgesehen – nicht jedoch, um sie als Einzel-Flugscheine weiterzuverkaufen. „Veranstalter von Pauschalreisen nehmen Fluglinien nicht selten 100.000 Plätze pro Jahr garantiert ab. Dadurch bekommen sie kräftige Rabatte“, erklärte Torsten Schäfer, Sprecher des Deutschen Reiseverbands, auf Anfrage. Beim Verkauf von Einzeltickets würden jedoch überall dieselben Tarife gelten. Hinzu komme eine Servicemarge, deren Höhe jeder Anbieter selbst bestimmen dürfe. Hier hatte Unister offenbar zu Unrecht kräftig abkassiert.

Unister-Sprecher Konstantin Korosides wies die Vorwürfe gegenüber LVZ-Online zurück. Bei den Flugbuchungen arbeite das Unternehmen mit einem externen Dienstleister zusammen – an der kritisierten Praxis habe sich hier seit Jahren nichts geändert. Bei der Aufklärung sicherte er Kooperationsbereitschaft zu. „Wir werden die Arbeit der Ermittler im Interesse der Rechtsfindung konstruktiv unterstützen“, sagte Korosides.

Kein Ende der Ermittlungen in Sicht

Durch die Razzia hat sich eine mögliche Anklageerhebung nach den Erkenntnissen vom Vorjahr wahrscheinlich auf Monate hin verschoben. „Die neuen Ermittlungen binden unsere Kräfte“, erklärte Klein. An den Vorwürfen, die inzwischen vom Verdacht auf unerlaubten Verkauf von Versicherungsprodukten bis zu illegalem Adresshandel reichen, habe sich „nichts geändert“.

Robert Nößler / Matthias Roth

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